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Der Feiertag 3. Oktober lag in diesem Jahr an einem Dienstag. Zusammen mit dem Brückentag konnte dann eine viertägige Fahrt geplant werden. Dafür hatte der Wanderwart als Standquartier die Jugendherberge Prebelow vorgeschlagen. Zwanzig Sportfreunde nahmen das Angebot an und reisten am Freitag, den 29.09., gen Norden in eines der schönsten Paddelreviere Deutschlands.

Jugendherberge Prebelow

Zu verdanken haben wir es der Weichsel-Kaltzeit. Vor ungefähr 12.000 Jahren  hatte sich das Gletschereis   nach Nordosten zurückgezogen,  sodass sich auf der heutigen Platte Sander und Urstromtäler ausbildeten. Das Eis schüttete nicht nur die Endmoränen auf und stauchte sie, sondern es formte beim Tieftauen auch Hohlformen, auf denen sich Seen bildeten. Das abfließende Schmelzwasser formte  Rinnen, auf dem heute viele der Seenketten liegen.  Die Seen sind meist langgestreckte Rinnenseen und als Seenketten in verschiedenste Richtungen angeordnet. Das Seengebiet um Prebelow gehört zum Neustrelitzer Kleinseenland. Sein südwestlicher Bereich wird durch das Rheinsberger Seengebiet eingenommen.

Die Einsatzstelle an der Jugendherberge liegt unmittelbar am Hüttenkanal. Da aber in östlicher Richtung alsbald die Schleuse Wolfsbruch (ohne Umtragungsmöglichkeit) folgt, bietet es sich an, die Befahrungsmöglichkeiten in westlicher Richtung zu nutzen.

Die Rheinsberger Gewässer

Am Samstagmorgen werden wir mit blauem Himmel und Sonnenschein geweckt. Und schon kurz nach acht Uhr sitzt die gesamte Mannschaft am reich gedeckten Frühstückstisch. Ein großes Lob an das Küchenpersonal, es fehlt an nichts. Selbst für verwöhnte Ansprüche ist das Angebot vielfältig und reichhaltig. Nach dem Frühstück ist dann ausreichend Zeit zum Abladen der Boote. Zum Wasser muss man nur über einen steilen und holprigen Weg die Boote nach unten tragen oder mit dem Bootswagen karren.

Gegen zehn Uhr beginnt der abenteuerliche Einstieg in die Boote. Also diesen Steg hat kein Kanute geplant und gebaut. Von Oberkante Steg bis zum Boot sind es mindestens 80 cm. Aber am Ende schaffen es alle, trocken in ihrem Boot zu landen.

Nachdem Bernd vom gemeinsamen Start noch ein schönes Gruppenfoto gemacht hat, paddeln wir los in Richtung Flecken Zechlin. Kurz nach dem Start verlässt man den Hüttenkanal und wendet sich gleich nach der Straßenbrücke Canow – Rheinsberg nach links und schneidet ein wenig den Prebelow-See. Nach einer kurzen Durchfahrt wird der Tietzowsee erreicht.

Auf dem Zechliner See

Wir halten uns am nördlichen Ufer und sehen bereits die Einfahrtszeichen zum Zootzen-See. Der Zootzen-See ist ziemlich stark gegliedert, aber mehrere Tonnen für die Motorboote erleichtern die Orientierung. Nach zwei Kilometern wird der Repenter Kanal erreicht. Hier begegnen und überholen uns einige dieser protzigen Motorboote, die mit ziemlichem Speed an uns vorbeifahren und nicht im Traum daran denken, etwas langsamer zu fahren. Dabei dürften sie hier nur maximal 8 km/h fahren, also nur ein wenig schneller als wir. Alsbald wird der Große Zechliner See erreicht. Nach einer langgezogen Linkskurve sehen wir nach 2,5 km die Einfahrtszeichen zum kurzen Durchstich zum Schwarzen See. Nach 10 km und zwei Stunden gemütlicher Paddelei legen wir am westlichen Ende dieses kleinen Sees  im Flecken Zechlin mit der Zechliner Fischerhütte an. Hier gibt es frisch gezapftes Flens und natürlich viele einheimische Fischsorten.

Mittagspause im Sonnenschein beim Fischer im Flecken Zechlin

Nach einer langen Pause muss auf dem gleichen Weg zurück gepaddelt werden. Aber nun von der anderen Seite sieht die Welt  ganz anders aus. Gegen 16.00 Uhr sind wir wieder an der Jugendherberge angekommen und alle schaffen es, ohne ins Wasser zu fallen, auf den hohen Steg zu klettern. Dafür gehen vier mutige Frauen – Anke, Nicole, Silke und Ute - an den nahen Badestrand bei 15 Grad Wassertemperatur zum Abbaden.

Am Abend ist heute Kino angesagt. Holger zeigt uns Fotos von seiner Tour durch den Telemarkkanal (s. a. den Bericht von Christine) und Bernd einen Film über seine Wohnmobilfahrt durch Korsika und Sardinien.

Leider haben die Wetter-Apps recht. Am Sonntagmorgen ist’s vorbei mit Sonnenschein. Aber wir lassen uns nicht entmutigen und klettern wieder alle in die Boote. Unser heutiges Ziel heißt Kagar.

Am Tietzow-See biegen wir diesmal in südlicher Richtung ab. Rechts von uns befindet sich die Ferieninsel Tietzowsee, wo wir auch schon mehrmals Quartier genommen haben. Nach dem einen Kilometer langen Jagow-Kanal gelangen wir in den Schlaborn-See. Östlich befindet sich Zechlinerhütte und genau gegenüber ist die Einfahrt zum kurzen Durchstich zum Dollgow-See, ein schmaler Rinnensee von 2 km Länge. Am Ende schließt sich der Kagarsche Bach an. Er wirkt sehr naturbelassen fast wie ein Spreewaldfließ. Alle Seerosen sind inzwischen verblüht, auch das Schilf am Ufer hat bereits eine herbstliche Färbung angenommen, genauso wie unsere sommerliche Bräune einer vornehmen Blässe gewichen ist. Der Kagarsche Bach mündet im kleinen Kagar-See, an dessen Ende befindet sich der öffentliche Bootsanleger, leider wieder ein sehr hoher paddlerunfreundlicher Steg.

Paddlerunfreundlicher hoher Steg in Kagar

Die Kanuten vom SCBG stellen sich gern als Berater für alle Bauherren zur Verfügung, die die Absicht haben, einen Anlegesteg zu bauen.

Holger hat uns im einzigen Wirtshaus von Kagar angemeldet. Der Wirt hat wohl extra wegen uns geöffnet. Aber den Service nutzen auch noch einige andere Gäste. Wir dürfen unsere nasse Oberbekleidung im Saal zum Trocknen aufhängen. Im Angebot sind zwei Süppchen und drei Essen, alles super lecker zubereitet. Aufgewärmt und fast getrocknet geht es danach auf den nieseligen Rückweg.

Im Kagarschen Bach

Wie schön ist doch so ein kleiner „Gruppenzwang“, zu Hause hätte ich heute bei diesem unfreundlichen Herbstwetter keinen Fuß vor die Tür gesetzt.

Auf der „vernieselten“ Rückfahrt

Für den Brückentag ist die Befahrung des Rhin geplant. Nur 11 Sportfreunde entscheiden sich für die abenteuerliche Fahrt. Den anderen liegt noch die hindernisreiche Fahrt von vor zwei Jahren in den Knochen.

 

Startvorbereitungen in Rheinsberg

Rund 16 Kilometer geht es von der Einsatzstelle in der Nähe des Bahnhofs über den Nebenfluss der Havel, der fast im Format eines Wildwasserbaches daherkommt. Das liegt daran, dass sich der   Rhin südlich der Rheinsberger Seenlandschaft durch Waldgebiete schlängelt und dabei kräftig mäandriert.  So kurven- und abwechslungsreich ist die Fahrt, dass man sich fast wie auf einer Expedition fühlt. Selten sind mehr als 20 Meter Wasserlauf zu überblicken, ehe der Fluss geheimnisvoll hinter der nächsten Biegung verschwindet. Was bei der sanften, aber stetigen Fließgeschwindigkeit des Wassers, das zwischen Rheinsberg und Zippelsförde immerhin ein Gefälle von 17 Metern überwindet, allerdings viel Armarbeit und Steuerkunst verlangt. Plötzlich heißt es hinter einer Kurve zu bremsen. Zwischen den Feuchtwiesen, die sich mittlerweile mit immer dichteren Baumgruppen abwechseln, liegt ein Stamm oder mehrere quer über dem Wasser. Nur tief ins Boot geduckt gelingt der Durchschlupf.

Wir fahren durch ein Naturschutzgebiet, hier ist  der Rhin grundsätzlich  naturbelassen, und da gehören tief hängende Äste und umgestürzte Stämme dazu.  

 

Bei  kaum einer Handbreit bis zu etwa einem Meter Wassertiefe ist sogar die Nutzung von Kanadiern mit Stechpaddeln wegen der seltenen Flussmuscheln im weichen Sandbett verboten. Es heißt also das Wasser aufmerksam „zu lesen“, die hellen flachen Stellen zu meiden und dort zu fahren, wo es „dunkel“ scheint. In den vielen engen Kurven  fahren wir in den Außenkurven, beim Überholen in der Innenkurve fährt man sich garantiert im flachen Wasser fest. 

Nach anderthalb Stunden erreichen wir die winzige Siedlung Rheinshagen. Alle Boote müssen aus dem Wasser. Eine Fischtreppe muss umtragen werden. Nur Frank und Wolfgang fahren mit ihren Tupperschüsseln durch die Röhre, holpern und rumpeln über die Steine, was aber kein großes Vergnügen ist.

 

Wir entern freudig den hier gebauten überdachten Rastplatz, denn es beginnt heftig zu regnen.

 

Pause unterm Regendach 

Nachdem alle ihren kleinen Imbiss verzehrt haben, müssen wir leider wieder in die Boote steigen, um bei strömenden Regen die zweite Hälfte der Strecke zu paddeln. Nach rund drei Stunden erreichen wir Zippelsförde, wo wir den Rhin kurz vor einem Wehr verlassen.   

In der Jugendherberge angekommen, heißt es schnell eine heiße Dusche zu nehmen, und am frühen Nachmittag wandern wir anschließend nach Kleinzerlang. Hier wohnen Heinz und Uschi, die schon mehrmals bei unseren Touren mitgepaddelt sind und sich heute für einen Grillabend für unsere Gastfreundschaft bedanken wollen. 

Die beiden haben sich aus dem fernen Rheinland in Kleinzerlang niedergelassen, haben hier gebaut und ihre viele Kunst im Garten aufgestellt.

 

„Eeh, nimm deine Pfoten weg!“

Nachdem wir alles bestaunt haben, geht’s ans Kaffeetrinken. Marita hat heute ihren …zigsten Geburtstag und alle lassen sich die köstlichen Torten schmecken. Schon am Morgen gab es einen musikalischen Geburtstagsglückwunsch mit reichlich Sekt.

Heinz hat wegen des schlechten Wetters extra ein großes Partyzelt aufgestellt unter dem sogar eine Feuerschale Platz hat, die dann am Abend zu einem großen Grill umfunktioniert wird.

 Grillmeister Holger im Grilldunst

 Die Nicht-Rhin-Paddler haben bereits am Tage Uschi bei der Vorbereitung des Buffets fleißig unterstützt und einige Salate vorbereitet. Als alle mehr als platzesatt sind, kann noch reichlich mit Bier, Wein und Mineralwasser nachgespült werden. Gegen 22.00 Uhr machen wir uns dann Taschenlampen bewaffnet auf den Heimweg. War das nicht ein schönes Fest… Ein herzliches Dankeschön an Uschi und Heinz. 

Am 3. Oktober ist leider schon der vierte Tag unserer Herbstfahrt erreicht. Einige treten gleich die Heimreise an, aber die Hälfte der Teilnehmer startet noch zu einer kurzen 10-km-Tour nach Rheinsberg.

 Am Start in Prebelow

Das Wetter ist nicht besser geworden. Es regnet am Vormittag zwar nicht, dafür hat es erheblich abgekühlt und es weht ein heftiger Westwind. Da es in Richtung Rheinsberg über den Schlaborn-See, Rheinsberger See und Grienerick-See immer nach Süden geht, macht uns der Westwind ganz schön nass.

 

Nach knapp zwei Stunden gegen 12.00 Uhr fahren wir am Rheinsberger Schloss entlang. An der Aussatzstelle am Wehr beenden wir unsere Fahrt und verladen unsere Boote auf unsere Fahrzeuge, die am nahen Parkplatz am Morgen abgestellt wurden.

 

Schloss Rheinsberg

Trotz des nicht ganz so goldenen Herbstwetters war es wieder eine sehr schöne Fahrt zum Beginn des neuen Sportjahres, deshalb ein herzliches Dankeschön an unseren Wanderwart für die Organisation des Quartiers, der Streckenauswahl, der Gaststätten und der Betreuung beim komplizierten Ein- und Ausstieg an den hohen Stegen.

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