• Kanuwandern 001
  • Kanuwandern 002
  • Kanuwandern 003
  • Kanuwandern 004
  • Kanuwandern 005
  • Kanuwandern 006
  • Kanuwandern 007
  • Kanuwandern 008

Im Oderbruch ist die Oderniederung Teil des in der Weichseleiszeit entstandenen Urstromtals. Bis zur Trockenlegung des Oderbruchs schlängelte sich die Oder in mehreren Armen durch diese Niederung. Durch viele Hochwasser über die Jahrhunderte veränderten sich der Verlauf und die Bedeutung der Oderarme. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert floss der Hauptstrom der Oder von Güstebiese (heute Gozdowice) am Ostrand der Niederung, von dort westwärts auf Wriezen zu, von dort an Freienwalde entlang und westlich um den Moränenrücken des Neuenhagener Sporns herum in Richtung Oderberg und dann ostwärts nach Hohensaaten, wo ihr heutiges Bett anschließt.

Der dargestellte Lauf wird heute Alte Oder genannt. Der wichtigste linke Nebenarm, heute ebenfalls Alte Oder genannt, zweigt schon am Reitweiner Sporn nördlich von Lebus in Richtung Seelow ab und floss am Westrand der Niederung nach Wriezen. Der untere Teil dieses Oderarms heißt heute Friedländer Strom und mündete bei Wriezen in den damaligen Hauptstrom. 

Zu Beginn der Regentschaft von Friedrich II., der Große Alte Fritz, war das Gebiet des Oderbruchs nicht vielen Menschen Heimat, und wenn, dann eine sehr unsichere. Wichtigster Erwerbszweig der wenigen Ansässigen war die Fischerei. Die zahlreichen Flussarme der Oder überfluteten in jedem Frühjahr das Land. Sumpfige Wiesen boten keine Existenz für Ackerbauern und Viehzüchter. Der seit dem 16. Jahrhundert von Lebus bis Cellin reichende Damm brach 1736, Hochwasser und Sumpffieber nahmen diesem Landstrich jede Lebensgrundlage. Friedrich Wilhelm I. fasste bereits den Entschluss, das Oderbruch trockenzulegen, verwirklichte ihn aber nicht. 

Das Bestreben Friedrich II., seine politische Macht zu vergrößern, setzte er mit intellektuellen Plänen und einem starken Heer von 200.000 Mann radikal durch. Der Bedarf an Lebensmitteln stieg dementsprechend und das Gebiet des Oderbruchs schien Friedrich besser als die brandenburgische Streusandbüchse als gute Kornkammer Preußens geeignet.

Der Auftrag zur Urbanisierung erging an den mit den komplizierten hydrographischen  Verhältnissen vertrauten Niederländer Simon Leonhard von Hearlem. Dessen Plan bestätigte Friedrich II. mit den Worten: "Recht gut so." Der große Mathematiker Euler prüfte die Pläne. Man kam zu der Erkenntnis, der Oder ein völlig neues Bett zu graben, Sie sollte schneller und auf kürzerer Strecke, mit Deichen und Gräben versehen, abfließen. Am 17. Juli 1747 begannen die Arbeiten und die Oder bekam einen neuen Lauf von Güstebieser Loose bis Hohensaaten, ein weitgehend 18,8 km langer geradliniger Kanal, der den bisherigen Flusslauf um 25 km verkürzte. Dafür mussten alle Tischler, Schmiede, Stellmacher der Gegend wochenlang Karren bauen, um zehntausende Kubikmeter Erde von den abkommandierten Soldaten und angeworbenen Arbeitern bewegen zu können. Friedrich verordnete harte Bedingungen für die Arbeiten. 

Über Proteste und Rebellion der ansässigen Fischer, die keine Ackerbauern werden wollten, setzte sich Friedrich mit preußisch-militärischer Härte hinweg. Alle hatten "nach Order zu parieren". Am 2. Juli 1753 waren ca. 80 km Deich gebaut und der Fangdamm bei Güstebiese durchstochen und damit der neue Flusslauf der Oder geflutet. Friedrich II. erklärte: "Hier habe ich eine Provinz in Frieden erobert."

Die alten Oderfließe dienten nun der Entwässerung des Meliorationsgebietes, unterstützt durch den Bau von Schöpfwerken bei Neutornow und Liepe.

Die neuen 43 Kolonien und 130 000 Morgen Land wurden in königliche, städtische und adlige Besitzungen aufgeteilt und 1753 vermessen. Den Werbekampagnen mit neuer Steuerregelung, Religionsfreiheit und Verzicht auf Rekrutierung folgten 1300 Siedlerfamilien, Sie kamen aus Mecklenburg, Polen, Sachsen, Schweden, Österreich, der Pfalz, aus Hessen und Württemberg. Französisch sprechende Schweizer gaben den Dörfern Beauregard und Vevais ihre Namen. In den ersten Jahren brachte der Roggen kaum Mehl, das Brot war bläulich und bitter. Viele Jahrzehnte zogen ins Oderbruch, bis der Boden Zuckerrüben, Kartoffeln, Tabakpflanzen und gutes Getreide trug.

Aus Dankbarkeit gegenüber dem Alten Fritz errichteten die Letschiner Bürger 1905 mitten im Zentrum ein Denkmal, welches nach 1946 infolge der Borniertheit staatlicher Stellen ein wechselvolles Schicksal erlitt, bis es 1986 zum 200. Todestag des Königs wieder errichtet werden sollte, was aber in letzter Minute wieder verhindert wurde. Frisch restauriert wurde der Olle Fritz zu Pfingsten 1990 wieder an seinen angestammten Platz gestellt, verehrt von den dankbaren Bewohnern des Oderbruchs.

An Pfingsten 2011 paddelten wir in zwei etwa jeweils 20 km langen Etappen den linken Arm der Alten Oder von Reitwein bis Zechin und von Zechin bis Alttrebbin. Für eine Befahrung in späteren Jahren ist noch der westliche Arm von Seelow bis Wriezen vorgesehen.

Zum Seitenanfang