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Oderbruch? Plattes Land im positiven Sinn. Hier findet sich eine Landschaft, die sich abseits vom Massentourismus entdecken und genießen lässt. Mit dem Kajak bietet sich eine phantastische Möglichkeit, die Altarme in Ruhe zu erkunden. Nur selten liegen Orte direkt am Wasser, man ist mit der Natur allein. Erste Rast- und Biwakplätze sind entstanden. Es gibt also eine Infrastruktur für Paddler, aber noch keine Touristenmassen. Wer Einsamkeit und Ruhe sucht, wird hier fündig. Da die Altarme der Oder nur ganz geringe Strömung haben, kann man dort in beiden Richtungen paddeln, es sind sogar Rundtouren möglich

Bis ins 18. Jahrhundert schlängelte sich die Oder in mehreren Armen durch die Niederung des Oderbruchs, die mehrmals im Jahr zu großen Teilen von Hochwasser überflutet wurde, wobei sich auch Verlauf und Bedeutung von Oderarmen änderten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts floss der Hauptstrom der Oder bis Güstebiese   am Ostrand der Niederung, von dort westwärts auf Wriezen zu, von dort an Freienwalde entlang in Richtung Oderberg und dann ostwärts nach Hohensaaten, wo ihr heutiges Bett anschließt. Dieser Lauf ab Güstebiese wird heute Alte Oder genannt. Der wichtigste linke Nebenarm, heute ebenfalls „Alte Oder“, zweigte schon am Reitweiner Sporn nördlich von Lebus ab und floss am Westrand der Niederung nordwestwärts nach Wriezen. Der untere Teil dieses Oderarms heißt heute Friedländer Strom und mündete bei Wriezen in den damaligen Hauptstrom.

Das heutige Landschaftsbild des Oderbruchs wurde durch die Begradigung der Oder im 18. Jahrhundert geprägt. Die Eindeichung und Trockenlegung des Feuchtgebietes erfolgte im Wesentlichen zwischen 1747 und 1762 unter dem preußischen König Friedrich II. Über Proteste und Rebellion der ansässigen Fischer, die keine Ackerbauern werden wollten, setzte sich Friedrich mit preußisch-militärischer Härte hinweg. Alle hatten „nach Order zu parieren“. Am 2. Juli 1753 waren ca. 80 km Deich gebaut und der Fangdamm bei Güstebiese durchstochen und damit der neue Flusslauf der Oder geflutet. Friedrich II. erklärte: “Hier habe ich eine Provinz in Frieden erobert.“ Ihm zu Ehren steht in Letschin ein Denkmal als Dank für die veranlasste Trockenlegung des Oderbruchs.

21 Sportfreunde reisten am Freitag vor Pfingsten im Oderbruch-Camp Zechin an. Der Campingplatz ist inzwischen Kanustation (und gewährt deshalb 10 % Rabatt für DKV-Gruppen). Auf einer riesigen Wiese stehen unsere Zelte und Schlafautos weit verstreut. Einige haben auch das nahe Bad und seine Imbissgaststätte genutzt.

Am Sonnabend fuhr die Autokolonne nach Werbig. Dort setzten wir in die westliche Alte Oder ein. Anfangs schnurgerade und sehr schmal wurde das Fließ nach weiteren Zuflüssen bald breiter und windungsreicher. Fast die gesamte Strecke wird das Gewässer von einem breiten Schilfgürtel gesäumt, in dem ein vielstimmiger Gesang des Teichrohrsängers zu hören ist. Manchmal zeigt er sich auch und schaukelt an einem einzelnen Schilfhalm.

Hin und wieder fallen einige Tropfen Regen oder es nieselt auch etwas heftiger. Aber beileibe nicht so heftig wie weiter westlich. Nach gut zwei Stunden und 13 km ist Quappendorf erreicht. Da im dichten Schilf kein Anlegen möglich war, wird hier erst mal die Mittagspause nachgeholt, anschließend die Boote verladen und zum Camp zurück gefahren.

Für den Sonntag wurde uns Sonne und Wärme versprochen, was auch tatsächlich eintrat und für viel frische Farbe sorgte. Unsere Einsatzstelle war heute in Reitwein, wieder in die Alte Oder, aber die östlich gelegene. Fürs Navi: In Reitwein muss man in den Triftweg einbiegen und bis zu einer Brücke fahren.

Die nachfolgende Strecke ist eine einzige Überraschung. Links und rechts wird die Alte Oder von vielen schattenspendenden Bäumen gesäumt. Alsbald weitet sich der Fluss, ist teils schilfgesäumt oder baumbewachsen. Viele, viele Kurven sorgen für Abwechslung, so dass die Strecke nie langweilig wird. Nach 7 km erreichen wir die Querung mit der B1 und die einzige Umtragestelle des Tages.

Wir nutzten den Ausstieg gleich für die Mittagspause. Während die einen gemütlich speisen, machten sich Holger und Peter an die Beseitigung eines gewaltigen Baumhindernisses, welches sich etwa 150 m nach der Einsatzstelle befindet. Nach einer dreiviertel Stunde eifrigen Sägens und Zerrens am abgetrennten, aber immer noch sperrigen Ast, ist eine bootsbreite Lücke freigelegt.

16 Paddler bedanken sich ganz herzlich bei den fleißigen „Waldarbeitern“, das Umtragen hätte hier in eine arge schweißtreibende (wegen der hohen Ufer) und schmerzhafte (wegen der vielen Brennnesseln und Mücken) Schinderei ausgeartet.

Nach dem Einstieg ist der Fluss wieder enger und windungsreich. Hinter Gorgast weitet er sich wieder für 5 km bis er kurz vor Golzow wieder schmaler und schnell fließender wird. In Golzow befindet sich ein sehenswertes Filmmuseum für die filmische Langzeitdokumentation für „Die Kinder von Golzow“. Mehr als siebzig Kilometer und rund 45 Stunden Filmmaterial sind entstanden. In 20 Filmen wurden 18 Menschen der Jahrgänge 1953–55 von 1961 bis 2007 von Barbara und Winfried Junge auf ihrem Lebensweg begleitet.

Am Dorfende zweigt nach links der Schleusengraben ab. Wir halten uns rechts und gelangen an ein heute fahrbares Wehr. Nur Frank und Antje in ihrem langen Zweier haben bei der Wehrbefahrung einige Probleme und das Boot seine ersten Kratzer.

Nach weiteren 4 km und insgesamt 20 km haben wir den Campingplatz Zechin erreicht.

Der Pfingstmontag zeigte sich wieder weniger freundlich. Heute war keine Paddelei mehr vorgesehen. Einige fuhren gleich nach Hause und andere nutzten noch die Sehenswürdigkeiten der Umgebung für eine Besichtigung. Nur vier Unentwegte paddelten noch von Küstrin nach Zollbrücke auf dem großen Oderstrom.

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