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1989 habe ich letztmalig an der gesamten Saalefahrt teilgenommen. Ich hatte damals 72 Teilnehmer gemeldet, 24 von Tiefbau Berlin, 24 von Ljulin Bankja (Bulgarien) und 24 von Moskwa (UdSSR). Zum Glück hatten unsere bulgarischen und sowjetischen Sportfreunde viele Nichtpaddler dabei (die eigentlich in der DDR nur einkaufen wollten), so konnten wir alle Paddler mit vereinseigenen und privaten Booten ausstatten. Inzwischen hat sich die Welt gewaltig gedreht, aber die Internationale Saalefahrt gibt es immer noch. Das Teilnehmerfeld hat sich von etwa 450 auf rund 100 reduziert, den dreigeteilten Wettkampf mit dem hoch emotionalen Kanutenball mit stürmischer Siegerehrung gibt es auch nicht mehr. Dafür geht es heute etwas familiärer und fast persönlicher Betreuung durch die Fahrtenleiter Sigrid und Axel Schönau zu. Die heiß begehrten Thüringer Bratwürste und Rostbrätl gibt es aber in Rudolstadt, Orlamünde und Jena immer noch. Und sie schmecken noch genauso gut wie damals. Neu ist der tägliche Schrippendienst gegen 7.30 bis 08.00 Uhr, der die Aufstehzeit auf frühestens 07.00 Uhr begrenzt. Da auf der Saale einige Wehre zu umtragen sind, kann natürlich kein Gepäck im Boot mitgeführt werden, und so gibt es immer noch einen funktionierenden Gepäcktransport. Bis spätestens 09.00 Uhr muss das Gepäck abgegeben sein. Das große Campingmobilar ist natürlich nicht erwünscht. So sieht man dann auf dem Platz nur die kleinen leichten Iglus oder Tunnelzelte und die Paddler hocken wie ganz, ganz früher auf dem Boden. Aber in Orlamünde, Jena, Camburg und Naumburg gibt es in den Bootshäusern oder Sportplätzen auch Tische und Bänke für das Frühstück oder den gemütlichen Paddlerhock.

2013 nahmen vom SCBG nur Antje, Frank, Sabine und ich teil. Frank hatte sein Auto in Naumburg abgestellt und nutzte den Gepäcktransport. Ich pendelte jeden Tag mit anderen mir bekannten Sportfreunden oder nutzte die parallel verlaufende Eisenbahn. In diesem Jahr gab es eine Anschlussfahrt von Schönburg (6 km unterhalb Naumburgs) bis Schönebeck. Da wurde bereits in Camburg das Gepäck geteilt und gleich bis nach Schönburg gebracht. Etwa 50 % der Teilnehmer, auch Antje und Frank, nutzten in diesem Jahr das Angebot der Anschlussfahrt und fuhren die Saale abwärts weiter. Ab Schönburg musste dann allerdings das Gepäck im Boot mitgeführt werden.

Am Freitag reisten fast alle Teilnehmer in Rudolstadt-Volkstedt beim Rudolstädter Kanuverein an. Das Saalehochwasser von Ende Mai hatte hier und auch an den anderen Plätzen keine großen Schäden hinterlassen. So konnte überall wieder auf wunderbaren Rasen gezeltet werden.

Jährlich am ersten vollständigen Juliwochenende findet das TFF Rudolstadt, das größte Folk-Roots-Weltmusik-Festival Deutschlands, statt. Es zieht Musiker und Gäste aus der ganzen Welt nach Thüringen. Wir hatten am Freitagnachmittag noch etwas Zeit, einen kleinen Eindruck mitzunehmen. Die gesamte Wiese vom Bahnhof Rudolstadt bis nach Volkstedt ist ein einziger großer Zeltplatz. Ich glaube, man rechnet bei diesem Festival mit 50 bis 80 000 Musikern und Gästen. Nach 17.30 Uhr kommt man aber auf die Partymeile in der Stadt nur noch mit einer Eintrittskarte hinein.

Am Sonnabend um 10.00 Uhr wird die Fahrt durch den Fahrtenleiter in Anwesenheit vom regionalen MDR-Fernsehen eröffnet. Wir treten mal wieder zünftig mit Paddel an. Nach dem Start ist gleich das erste Wehr zu umtragen. Die ganz Schlauen karren ihr Boot gleich vom Platz über die nahe Brücke an das Unterwasser. So ist an diesem Tag nur noch ein Wehr in Uhlstädt zu umtragen. Wir nutzen den erzwungenen Ausstieg zum Mittagspicknick. Der Fahrtenleiter hat etwa 15 qm/s Zuschusswasser bei den Saaletalsperren bestellt. So haben wir an allen Tagen einen ausreichenden Wasserstand und heute, da nur ein Wehr, immer flotte Strömung und viele kleine Schwallstrecken. In den Bäumen und Büschen beidseits der Ufer sind nun doch die hässlichen Überbleibsel des Hochwassers zu sehen. Tausende von Plastefetzen, Klodeckel, Plasteeimer und sogar ganze Fußbodenbeläge haben sich im Geäst verfangen. Nach vier Stunden haben wir Orlamünde erreicht. Hier wird bei einem Kanuverleiher gezeltet, der am Abend auch für Gegrilltes und Getränke sorgt.

16.00 Uhr wandert der Fahrtenleiter mit den Interessierten zum Bielerturm. Zu einem Aussichtsturm geht es natürlich erst mal ganz schön bergauf. Aber bald ist auch das geschafft, und wir werden mit einer schönen Aussicht auf Orlamünde, das Saale- und Orlatal entschädigt. Auf dem Rückweg gibt es noch eine kleine Pause in der Gaststätte Erholung in der Oberstadt. Vom Biergarten, überdacht von einer 150 Jahre alten Esche, hat man wieder einen schönen Blick übers Saaletal.

Am Sonntag gibt es durch die verspätete Schrippenlieferung eine kleine Verzögerung. Aber was macht das schon bei einer Tagesetappe von 24 km auf einem munter dahin fließenden Fluss. Rechtzeitig wurden wir noch vor der Floßgasse in Kahla gewarnt, also   sind heute drei Wehre zu umtragen. Beim Kanuverein Jena-pharm werden wir natürlich bereits am Grill empfangen. Wir hatten heute am Burgauer Wehr nur eine kurze Pause eingelegt. Die Wiese des Bootshausgeländes ist nicht sehr groß, aber der Fahrtenleiter hat den Bootsliegeplatz und die Zeltwiese gut markiert, so findet alles einen ausreichenden Platz. Um 16. 00 Uhr gibt es heute zwei Angebote, wir nutzen die Stadtführung durch eine Jenenser Sportfreundin. Neben dem Kanuverein ist eine kleine Gaststätte, wir entscheiden uns für den Mutzenbraten und die Thüringer Klöße.

Am Montag starten wir schon gegen 09.00 Uhr zur 24 km-Etappe nach Camburg. Nach wenigen Meter ist bereits das erste Wehr zu umtragen und nach einem weiteren Kilometer das zweite Wehr. Im Rahmen des Blauen Bands der Saale sind aber schöne Aus- und Einstiege entstanden. In Porstendorf, Dorndorf und Döbritschen sind die nächsten Wehre. Ich nutze in Döbritschen den Kanu-Fisch-Pass. Im Unterwasser kommt zwar eine heftige Seitenströmung vom Wehr und drückt einen fast ans Ufer, aber allemal besser, als die Schlepperei über Land. Linksseitig ist in Döbritschen ein Kanuverleiher mit einem Imbissstand, dessen Getränkeangebot auch eifrig genutzt wird. Bis zum Ziel in Camburg sind es von hier nur noch 2,6 km, allerdings bereits im Rückstau des Camburger Wehres. Um 16.30 Uhr geht es heute zur Camburg, von der aber nur noch der weithin sichtbare Turm steht. Ich war bestimmt schon 40mal in Camburg, aber heute steige ich erstmalig auf diesen Turm. Am Abend bereitet der Sportplatzkneiper ein einfaches Essen für die Paddler, z.B. Nudeln mit Gulasch, eine kleine Abwechslung nach den vielen Bratwürsten.

Am Dienstag starten wir zur längsten, aber auch schnellsten und schönsten Etappe der Saalefahrt. Über 28 km geht es nach Naumburg. Gleich hinter dem Camburger Wehr wird eingesetzt. Danach geht es mit flotter Strömung und wieder einigen Schwallstrecken, vorbei an den ersten Weinbergen zu Tale. Schon bald grüßen die Rudelsburg und Saaleck stolz und kühn von den steil zur Saale abfallenden Kalkfelsen. Die Saale schlängelt sich hier mehrmals von einer Talseite zur anderen, ehe wir wirklich direkt unterhalb der Rudelsburg sind. Kurz danach sind wir auch schon an der langen Stützmauer der Eisenbahnstecke in Bad Kösen und damit im Rückstaubereich des Kösener Wehres. Bis zum Wehr sind nun 1,7 km ohne Strömung zu paddeln. In Bad Kösen wollen wir sowieso aussteigen, da kommt uns die Gaststätte am Wehr natürlich sehr gelegen. Nach der ausgiebigen Mittagspause sind es bis zum Ziel in Naumburg nur noch 10 km. Nach 7 km unterbrochen von einer geschütteten Staustufe. Die Staustufe ist fahrbar, sollte aber immer vorher besichtigt werden, da die lose Steinschüttung sich durch unterschiedliche Wasserstände und besonders durch das letzte Hochwasser verändern kann. Aber alles prima, ich entscheide mich wie immer für den rechten Drittelspunkt. Auch Jule aus Jena, der gleich hinter mir fuhr, entscheidet sich für diese Route. Im Bootshaus Naumburg ist vom letzten Hochwasser nur noch ein schmaler brauner Streifen am Toilettenanbau und die Hochwassermarke an der Zugangstreppe zu sehen. Das Wasser stand unglaubliche 5 cm unter dem Niveau der Bootshalle. Das sind bestimmt 3…4 m über dem Normalniveau der Saale. An einer Tafel in der Bootshalle sind einige beeindruckende Fotos vom Hochwasserzustand und den Aufräumarbeiten zu sehen.

Ach so, das Wetter – über alle vier Tage gab es einen strahlend blauen Himmel und Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad. So kannte ich die Saalefahrt auch von allen früheren Fahrten.

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