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Der Fahrtenleiter Lutz Habrecht vom ESV Lok Schöneweide hatte wieder, wie jedes Jahr, Anfang Februar zu einer Winterwanderung eingeladen. Etwa 35 Kanuten waren am 08.02.2014 der Einladung gefolgt. Als alter Eisenbahner hatte Lutz mehrere Anreisevarianten vorgegeben, ab Oranienburg waren alle in der Regiobahn vereint und fuhren bis Grüneberg, der alten Schnapsbrennerstadt im Norden Berlins.

Nach einer kurzen Einweisung wanderten wir durch den Ort in Richtung Liebenberg. Leider waren in der Waldstrecke umfangreiche Holzaktionen im Gange und die Großgeräte hatten den Wanderweg arg aufgewühlt.

Wanderweg Grüneberg - Liebenberg

Aber alle hatten ordentliche Wanderschuhe an, auch lässt sich der märkische Sand leichter von den Schuhen abtrampeln als etwa der Lehm in anderen Wanderrevieren. Nach einer Stunde und 6 km war der Ort sowie das Schloss und Gut Liebenberg erreicht.

Schloss Liebenberg

Ein Mitarbeiter der von der DKB übernommenen Einrichtung erläuterte uns in einer einstündigen Führung durch die Kapelle des Schlosses und die Kirche die wechselvolle Geschichte des Schlosses und seiner mehrfach wechselnden Besitzer.

Liebenberg begegnet uns urkundlich erstmals im Jahr 1267 als Bistumsbesitz. Vermutlich wurde um diese Zeit die Feldsteinkirche erbaut.

Feldsteinkirche Liebenberg

1580 wird der Ort als Rittersitz der Familie von Bredow erwähnt. Ab 1652 führte das klevesche Adelsgeschlecht derer von und zu Hertefeld die Güter in geregelter Land- und Forstwirtschaft zum Wohlstand. Das Schloss erwuchs aus einem spätestens ab 1743 erbauten Herrenhaus, in dem sich heute das Schlossrestaurant befindet. 1867 ging Liebenberg durch Erbschaft an die Familie zu Eulenburg über. Zwischen 1875 und 1906 erweiterte sie den Herrenhausflügel um einen Saalanbau und einen zur Kirche hin abzweigenden Hofriegel mit so genannter Nordischer Halle. Der wohl bekannteste Liebenberger Schlossherr, Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld, war Diplomat und enger Vertrauter Kaiser Wilhelms II. In den für ihren Wildreichtum europaweit berühmten Liebenberger Wäldern gingen sie gemeinsam zur Jagd, bis der so genannte Eulenburg-Skandal als Pressekampagne begann, wobei Eulenburg vorgeworfen wurde, das Haupt eines homosexuellen Günstlingskreises um den Kaiser zu sein. Eine Enkelin des Fürsten, Libertas Schulze-Boysen, wurde 1942 gemeinsam mit ihrem Ehemann als Mitglied der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ in Berlin hingerichtet. Das Paar war 1936 in der Liebenberger Schlosskapelle getraut worden.

1996 schrieb die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben die Immobilien zum Verkauf aus. Mit Übernahme der Käuferin LEG Wohnen wurde die DKB zur Jahrtausendwende Eigentümerin von Schloss und Gut.

Empfehlenswert ist der Liebenberger Weihnachtsmarkt an allen Adventswochenenden. 

Nach den sehr ausführlichen Erklärungen konnten wir bei frühlingshaften Temperaturen (hallo, Winterwanderung!) unsere mitgebrachten Stullen aus dem Rucksack verzehren.

Alsbald brachen wir zur zweiten Halbetappe in Richtung Bergsdorf auf. Der Weg führte uns durch eine Endmoränenlandschaft mit vielen kleinen Teichen und Tümpeln.

Am Wanderweg Liebenberg - Bergsdorf

Das Wurzelgeflecht der im vermutlich flachen Wasser stehen Erlen wirkte fast wie ein tropischer Mangrovenwald. Nach 8 km war Bergsdorf erreicht.

In Bergsdorf hatte uns Lutz im Kurt-Mühlen-haupt-Museum angemeldet.

Mit Begeisterung und Entdeckerfreude  fuhren Kurt Mühlenhaupt und seine Frau Hannelore, die er 1981 kennengelernt hatte, 1990 in die Mark Brandenburg. Durch Zufall landeten sie in dem kleinen Ort Bergsdorf. Hier hatte es ihnen ein völlig heruntergekommener Gutshof angetan, der sich noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts im Besitz der Grafen von Eulenburg befand.

Später wurde das Ensemble von der LPG bewirtschaftet. Diese hinterließ jede Menge Schutt und einige Ruinen, bei denen man aber immer noch die herrschaftliche Herkunft erahnen konnte. 

Für Kurt Mühlenhaupt war die Entwicklung des verfallenen Barockensembles zum Museum das letzte große Abenteuer. (Wer mehr über Ihn erfahren möchte, findet im Internet ausführliche Informationen.)

Bei Kaffee und Kuchen erzählte uns seine Frau aus dem Leben und Schaffen des Malers, Bildhauers, Schriftstellers und Schauspielers Kurt Mühlenhaupt.

Die Teilnehmer des SCBG

Anschließend führte sie uns in das kleine Museum und erläuterte uns die verschiedenen Drucktechniken wie Kupferstich und Lithographie.

Hannelore Mühlenhaupt beim Lithographiedruck

17.00 Uhr fuhren aller wieder mit der Regionalbahn in Richtung Berlin. Vielen Dank Lutz für die schöne Wanderung mit den beiden Höhepunkten – Schloss und Gut Liebenberg sowie Kurt-Mühlenhaupt-Museum. Lutz hat mir versprochen, dass er auch im nächsten Jahr wieder eine interessante Wanderung vorbereiten wird.

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