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Die 37. Wildwasserfahrt auf erzgebirgischen Wildflüssen fand vom 21.03. bis 24.03.2014 statt. Die LKV-Fahrt stand unter Leitung des Sportclubs Berlin-Grünau mit der Fahrtenleiterin Anne Fathke. Der Ausschreibung waren 10 Vereine, Einzelmitglieder der LKV und Nichtorganisierte mit insgesamt 27 Sportfreunden gefolgt (davon 16 Sportfreunde vom LKV Berlin und vom LKV Brandenburg).

Die Sportfreunde waren in der Jugendherberge Wolkenstein untergebracht.

Die Wildwassermannschaft vor der JH Wolkenstein

Aufgrund des sehr milden und außerordentlich niederschlagsarmen Winters 2013/2014 waren in ganz Deutschland die Pegelstände der Wildflüsse und Wildbäche im März zum Befahren absolut ungenügend. Die Trinkwassertalsperre Eibenstock musste wegen des geringen Füllstandes das Zuschusswasser für die Zwickauer Mulde absagen. So erhielten wir nur noch von der Talsperre Rauschenbach am ersten Tag ein Zuschusswasser von 3,7 qm/s. Leider sagten dann auch einige Sportfreunde ab, die ursprüngliche Meldung lag bei 32 Sportfreunden. Aber die angereisten Sportfreunde absolvierten mit großer Begeisterung den einzig verbliebenen Flussabschnitt auf der 12,4 km langen Strecke vom Fuß der Talsperre Rauschenbach bis eingangs Olbernhau an der Mündung der Natzschung. Die Lufttemperaturen lagen um die 12...14 Grad. Damit waren auch die vier Kenterungen infolge Baum- und Buschhindernissen gut zu überstehen.

Die Flöha zählt zu den größeren Flüssen im Erzgebirge. Der Name stammt aus dem althochdeutschen und bedeutet so viel wie waschen, spülen oder fließen. Sie entspringt in der Tschechischen Republik auf einer Kammhochfläche in einer Höhe von 845 m über dem Meeresspiegel. In der gleichnamigen Stadt Flöha mündet sie in die Zschopau.
Ihr Taltrakt schneidet das Erzgebirge bis in Kammnähe tief auf. Das Gesamteinzugsgebiet der 78 km langen Flöha beträgt 799,4 qkm. Die Flöha wird in Ihrem Lauf zweimal durch eine Talsperre angestaut. Bereits wenige Kilometer nach ihrer Quelle staut sich das Gewässer auf böhmischem Gebiet zur Talsperre Fláje. Von der Staumauer fließt die Flöha etwa noch 5 km, bis sie in Deutschgeorgenthal auf sächsisches Hoheitsgebiet gelangt. Wenige hundert Meter nach der Grenze wird sie erneut angestaut.

Die Rauschenbach-Talsperre wurde als wichtige Wasserbaumaßnahme der DDR von 1961 bis 1966 errichtet. Die Staumauer ist 346 m lang und bis zu 46 m hoch. Sie staut die Flöha auf eine Länge von ca. 3 km an und hat ein Fassungsvermögen von 15,2 Mio. m³. Die Talsperre dient der Trinkwasserversorgung von Chemnitz und dem Hochwasserschutz.

Am zweiten Tag wanderten wir entlang der Schwarzen Pockau vom Hinteren Grund nach Kühnheide zur Gaststätte Schwarzwassertal. Das Tal der Schwarzen Pockau, meist nur Schwarzwassertal genannt, zählt zwischen der Kniebreche und Kühnhaide mit zu den schönsten aller deutschen Mittelgebirgstäler. Für die Wanderung durch das wildromantische Schwarzwassertal benötigen wir für die ersten 8,5 km etwa 2,5 Stunden.

Wir wandern auf dem Waldweg zur Rechten der Schwarzen Pockau flussaufwärts auf einem gut befestigten Weg. Schon bald wird das Tal enger und enger. Alsbald erreichen wir die Ringmauer. Mit ihren vielen zerklüfteten Felsmassen macht sie einen ganz besonderen Eindruck. Die hohen bewaldeten Wände und sich stolz erhebenden Felsenmauern rücken immer näher, so dass die schmale Talsohle kaum Platz für Bach und Straße lässt. Immer einsamer wird's und immer ruhiger. Nach mehrfachem Überschreiten der Pockau gewahrt man plötzlich eine ganz besonders imposante Felspartie vor sich. Es ist ein hochanstrebender, steiler Felsen. Nach oben verjüngt er sich und man könnte meinen, das Gebilde eines Kopfes mit Gesichtszügen und Kopftuch zu sehen, ähnlich dem Kopf einer Nonne. Daher wird dieser Fels auch Nonnenfelsen genannt. Und ihm gegenüber befindet sich ein lang gestrecktes Felsgebilde, die Teufelsmauer. Es besteht aus lauter einzelnen Wänden, aus deren Spalten man das unheimliche Gesicht herausspähen meint. Um die Teufelsmauer herum rauscht die Schwarze Pockau, die wir vor vier Jahren ganz anders in Erinnerung hatten, als einige unserer Sportfreunde die Abfahrt von Kühnheide wagten.

Nach einigen Kilometern und überwundenen Höhenmetern weitet sich das Tal und links und rechts der Pockau befinden sich üppige Wiesen. Hier schlängelt sich das Flüsschen noch klein und friedlich dahin. Alsbald haben wir zur Mittagszeit Kühnheide und die Gaststätte Schwarzwassertal erreicht. Die Fahrtenleiterin hatte uns angemeldet, so dass es für die große Gruppe keine Probleme gab.

Satt und zufrieden treten wir den Rückweg über den Weg am Grünen Graben an. In Kühnhaide wird er von der Schwarzen Pockau abgeleitet und führt bis Pobershau zum Betrieb von Kunsträdern des früheren Bergbaues. Es ist ein schmaler Fußweg, der oftmals an steilen Felsenriffen vorüber und bisweilen auf kleinen Holzbrücken über Felsspalten führt. Interessant ist, wie der Grüne Graben an mehreren Stellen durch den Felsen hindurchgeleitet wird und uns zwingt, an den Felsen vorbei zu klettern. Wenn nicht gerade Gehölz die Sicht versperrt, können wir auf dem ganzen Wege den herrlichen Tiefblick ins Pockautal genießen.

Nach einigen Kilometern verlassen wir den Grünen Graben und wandern zum Katzenstein (706 m ü. NN). Dieser liegt ca. 90 m über der Talsohle, zu der er steil hinunterfällt. Der Katzenstein bietet einen überragenden Tiefblick in das Tal der unten rauschenden Schwarzen Pockau, das an Wildromantik so bald nicht seinesgleichen hat. Von unten gesehen tritt er gegenüber den ihn umgebenen Felsenriffen als ein besonders markanter Felsenvorsprung hervor. Einst hatte er die Gestalt eines Katzenkopfes, daher auch sein Name. Doch drohte das Felsgestein abzustürzen, so dass man es beseitigte. Auf dem Plateau befinden sich mehrere Sitzgelegenheiten, die zum Teil auch überdacht sind und zum Rasten und Stärken einladen.

Die Wandergruppe auf dem Katzenstein

Dies tat auch schon der Kurfürst Johann Georg von Sachsen, der hier 1612 und später seinen Jagdimbiss einnahm. An einer Tafel finden wir eine andere Legende in erzgebirgischer Mundart, wie der Fels durch den Kurfürsten zu seinem Namen kam, die uns Wolfgang simultan übersetzte. Danach wandern wir auf einem steilen Pfad zu Tale und haben nach rund 17 km unseren Ausgangspunkt wieder erreicht.

Am dritten Tag nutzten nur noch neun Sportfreunde das von der Fahrtenleiterin angebotene Kulturangebot. Wir besuchten im Sehmatal den Markus-Röhling-Stolln – ein Besucherbergwerk.

Bereits wenige Jahre nach dem ersten Silberfund am Schreckenberg 1491 dehnte sich der Bergbau auf das spätere Grubenfeld Markus Röhling aus. Schon 1500 begann man für die Entwässerung der Gruben des Schrecken- und Schottenberges den Orgelstolln vorzutreiben. Zwischen 1500 und 1505 folgte der 10 bis 15 m tiefere St. Anna Stollen, der heutige Markus-Röhling-Stolln. Mit einigen Unterbrechungen wurde dieser ständig weiter vorgetrieben und 1733 der Haupterzgang der Grube entdeckt. Bis zur Einstellung des Grubenbetriebs im Jahre 1857 wurden etwa 15,4 Tonnen Silber und 51326 Zentner Kobalterz gefördert. Damit war die Grube eine der ertragsreichsten im Annaberger Bergbaurevier.

In den Jahren 1948 bis 1953 wurde die Grube Markus Röhling von der SAG Wismut aufgewältigt. Dazu wurde eine über 1000 m lange Richtstrecke aufgefahren und ein Schacht abgeteuft. auf allen angetroffenen Erzgängen wurden Erkundungsarbeiten auf Uranerz durchgeführt, jedoch wegen Mangel an abbauwürdigen Erzen 1953 endgültig eingestellt.
Seit 1990 entstand im Verein Altbergbau Markus-Röhling-Stolln der Gedanke, einen Teil des umfangreichen Grubenreviers für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und im Juli 1994 konnte das Besucherbergwerk eröffnet werden.

Nach etwa 600 m Fahrt mit der Grubenbahn konnten wir eindrucksvolle Zeugnisse aus der Zeit des Silber- und Kobaltbergbaus von 1733 bis 1857 und des Uranbergbaus der SAG Wismut besichtigen. Die Hauptattraktion ist sicherlich das 9 m hohe Kunstrad. Interessant ist die aufwändige Entwässerung der Grube. Dafür mussten weitere Stollen angelegt werden. In großen Radkammern drehten sich "Kunsträder" - Wasserräder mit bis zu 10 Metern Durchmesser, die Pumpen zur Wasserhebung antrieben. Ein solches Kunstrad ist originalgetreu und voll funktionsfähig von den Mitgliedern des Vereins nachgebaut worden.
Mit vielen hoffnungsvollen Wünschen für das nächste Jahr mit viel, viel Schnee (und damit Wasser) verabschiedeten sich die Paddler von der 37. Wildwasserwasserfahrt.

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