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Mit 6 Sportfreunden vom SCBG haben wir an der diesjährigen Nebel-Oder-Fahrt teilgenommen. Dieter M. war im Einer-Kajak unterwegs, Anne F. und Thomas B. sowie unser Fahrtenleiter Holger R. und Christine B. sind zusammen im Zweier gepaddelt. Ach ja, und Einzelkämpfer Manfred R. war auch mit von der Partie, er paddelte zusammen mit Sportfreundin Ingeborg B. aus Sömmerda.

Wegen des Reformationstages wurde die Fahrt auf den Freitag ausgedehnt und fand ein Wochenende später als sonst statt. Holger und ich trafen uns mit Dieter am Donnerstagnachmittag in Hohenwutzen bzw. Neuglietzen an der Gaststätte „Fuchsbau", die wir am Sonntagmittag nach zwei Tagen auf der Oder erreichen wollten. Dort nahmen wir einen kleinen Imbiss, luden Dieters Boot auf unseren Bus, sein Auto blieb dort stehen und so fuhren wir nach Eisenhüttenstadt zum dortigen Kanuverein.

Nach und nach trafen immer mehr Sportfreunde beim SG Aufbau Eisenhüttenstadt ein. Insgesamt waren ca. 45 Kanuten am Start, die aus allen Richtungen kamen, aus Wesenberg, Hamburg, Hannover, Brandenburg, Berlin. Einige schliefen in Zelten, andere in ihren Autos oder Bussen, wie Holger und ich, und manche im Bootshaus oder hatten andere Quartiere. Anne und Thomas sollten erst am Freitagnachmittag eintreffen.

Freitag, den 31.10.2014, Tag 1

Nach einer mehr oder weniger geruhsamen Nacht und einem guten Frühstück fuhren wir um 8.30 Uhr mit den Autos und Bootshängern nach Guben. In Guben, vorbei an Herrn von Hagens „Plastinarium", haben wir unsere Einsatzstelle erreicht. Nachdem wir uns alle sortiert haben und eingestiegen sind, ging es mit flotter Strömung die Neiße hinunter Richtung Oder. In Ratzdorf an der Neißemündung in die Oder haben wir Mittagspause gemacht. Es gab einen leckeren Linseneintopf mit bereits geschnittener Bockwurst, der im Startgeld mit enthalten war. Nach der Stärkung ging es flott auf der Oder weiter, die einen guten Wasserstand von knapp 4 m über Normal hatte, und nach insgesamt 28 km erreichten wir gegen 13.30 Uhr Eisenhüttenstadt. Dort konnten wir die Boote bei einem Fahrradhändler in einem abgeschlossenen Gelände über Nacht liegen lassen. Ein Shuttleservice brachte uns von dort wieder zum Bootshaus.

Die Autofahrer pendelten sofort, denn um 16 Uhr hatte Peter G. eine Führung im Stahlwerk organisiert. Kurz zuvor trafen Anne und Thomas ein, die auch an der Führung teilnehmen wollten. Mit unseren eigenen Autos fuhren wir auf das Gelände vom Stahlwerk. Dort standen uns vier Führer zur Seite, alles ehemalige Stahlwerker, die jetzt mit Begeisterung diese Führungen machten und mit Enthusiasmus erzählten, wie aus Eisenerz Stahl wird.

Zuerst bekamen wir eine theoretische Einführung in die Gesamtheit des Werkes und der Stahlproduktion. Da eine Besichtigung des ganzen Werkes ca. 6 Stunden dauern würde, wir aber nur 3 Stunden zur Verfügung hatten, wurde alles etwas komprimiert. Mit Stolz wurde uns berichtet, das im Stahlwerk der komplette metallurgische Zyklus vollzogen wird, von der Gewinnung von Stahl aus Eisenerz, über das Gießen von Stahlbrammen, die direkt in das Warmwalzwerk geliefert werden können, und in weniger als 8 Stunden wird aus dem heiß glühenden Roheisen ein fertiges Warmband-Coil.

Dann ging es mit unseren Autos weiter über das Betriebsgelände. Wir haben uns zuerst das Stahlwerk angesehen. Eine riesige Halle, die innen noch größer erscheint als von draußen und sehr heiß ist. Unsere Führer brachten uns über eine Treppe auf 11 Meter Höhe, von wo wir auf einer umlaufenden Galerie die beste Sicht auf die Produktion hatten. Die Berichterstatterin hatte zuerst etwas Bedenken, da sie nicht schwindelfrei ist, aber die Führung war so spannend, dass sie alles andere vergessen hat. Endprodukt ist die Stahlbramme*, die weiter an das Warmwalzwerk geliefert wird. Das haben wir anschließend besichtigt. Dort wird aus der Bramme, die ca. 12 m lang und 225 mm dick ist, in 8 (!) Minuten ein Fertigband von 1,8 bis 8 mm Dicke hergestellt und zu einem Coil* aufgewickelt, der bis zu 34 t schwer sein kann. Es waren spannende und aufregende 3 Stunden, und wir möchten nochmals Peter G., selber Stahlwerker, danken, dass er das organisiert hat.

Wieder im Bootshaus, klang der Tag mit einem gemeinsamen Grillabend aus.

Samstag, den 01.11.2012, Tag 2

Heute hieß es früh aufstehen, denn 64 km lagen vor uns. Holger ist schon um 6 Uhr zum Bäcker gegangen, um uns mit frischen Brötchen zu versorgen. Nach ausgiebigem Frühstück sind wir mit Thomas´ Auto, der 2er war ja noch auf dem Dach, zur Einsatzstelle gefahren. Thomas hat sein Auto dann wieder zum Bootshausgelände gebracht und ist mit dem Shuttle zurückgekommen. Etwa um 8.15 Uhr saßen wohl alle im Boot und es ging bei herrlichem Wetter, Sonne satt, 15 Grad und Südwind los... und das Anfang November. Wir sind gut vorangekommen, haben Frankfurt passiert, nicht ohne uns zwischendurch mit Annes selbst gebackenen Haferkeksen zu stärken. Anne meinte schon beim Einstieg, dass wir „heiße" Männer als Partner haben, denn sowohl Thomas als auch Holger sind kurzärmelig gepaddelt, Holger sogar mit kurzen Hosen, wohlgemerkt im November. Zur Mittagszeit erreichten wir nach 40 km Lebus. Wir legten am Ufer zwischen Kuhfladen an, mitten auf einer Weide, wir sahen aber keine Kuh. Dort im Anglerheim, welches extra für uns geöffnet hatte, gab es Mittagessen. Und wieder lecker Linseneintopf, diesmal mit ganzen Bockwürsten.

Nach einer Stunde Pause sollte es weiter gehen. Allerdings fanden die neugierigen Kühe unsere Boote sehr interessant und scharten sich drumherum. Da war guter Rat teuer, denn es waren viele Kühe. Ich ging auf sie zu, zwischen uns der Elektrozaun, sie beäugten mich ausgiebig, anbrüllen nutzte nichts, aber das Wedeln mit meiner raschelnden Regenjacke erschreckte sie dann doch, und sie verschwanden, nicht ohne noch mehrere Kuhfladen zu hinterlassen, Gott sei Dank nicht in eines unserer Boote.

Ab Mittag belästigte uns auf dem Wasser der Altweibersommer. Es flogen Spinnweben samt Spinnchen auf dem Wasser umher, die uns angegriffen haben. Soviel Altweibersommer im November hatte ich noch nie, hatte ich überhaupt noch nie erlebt. Mit einigen Kekspausen kamen wir dann nach Passieren der Festung Küstrin und insgesamt 64 km gegen 15.30 Uhr in Bleyen an. Dort hatten Holger und ich bereits im Frühjahr ein Zimmer gemietet. Die anderen schliefen im Gemeindehaus. Abends gab es in der Pension „Wagenrad" Gulasch mit Kartoffeln und Rotkohl satt. Wir haben alle zu viel gegessen, aber es schmeckte hervorragend, einfache Hausmannskost, gut gewürzt und eigentlich wollten wir noch mehr essen, wenn wir gekonnt hätten. Danach verdauten einige Sportfreunde mit Ratzeputz. Im Hof hatte der Wirt ein Feuer angefacht und so klang ein schöner Tag aus.

Sonntag, den 02.11.2014, Tag 3

Um 7.30 Uhr frühstückten wir alle in der Pension „Wagenrad" und bereits gegen 8.15 Uhr saßen wir bei herrlichem Frühnebel im Boot. Heute waren es ja nur noch 45 km bis nach Hohenwutzen, da konnten wir uns Zeit lassen. Es wurde wieder ein schöner, eigentlich ein Spätsommertag im November bei 15 Grad und Sonnenschein. Wir wurden heute nicht von Spinnenfäden angegriffen und paddelten ruhig in Richtung Hohenwutzen. Vorbei an Groß Neuendorf, wo Eisenbahnwaggons am Ufer stehen, in denen man schlafen kann. In einem Eisenbahnwagen ist ein kleines Theater für 12 Personen. Dann paddelten wir unter einer alten Eisenbahnbrücke durch. Von Deutschland aus kann man bis zur Flussmitte mit einer Draisine fahren, weiter jedoch (noch) nicht. Dort machten wir auch unsere letzte Kekspause, denn es waren nur noch 10 km bis Neuglietzen. Noch vor der Brücke von Hohenwutzen setzten wir an der Gaststätte „Fuchsbau" um 12.30 Uhr aus.

Einige Shuttle-Busse waren schon da, aber unser Shuttle-Dienst sollte erst etwas später kommen. So zogen wir uns um und setzten uns in die Gaststätte für einen kleinen Imbiss. Es dauerte aber nicht lange und wir konnten unsere Boote auf den Bootshänger laden und mit unserem Shuttle nach Eisenhüttenstadt zurück fahren. Dieters Auto hatten wir ja dort stehen gelassen, so dass er gleich Richtung Berlin fahren konnte. Anne, Thomas, Holger und ich hatten noch eine gemütliche Fahrt zurück nach Eisenhüttenstadt und nach Umladen der Boote und des Gepäcks weiter nach Berlin. Wir haben unser Boot zum SCBG gebracht und uns dann mit Thomas und Anne bei Ute getroffen, um dort den anderen Zweier einzulagern.

Es war ein einfach geniales Wochenende, an dem alles gestimmt hat, Wetter, Wind, Wasserstand. Ein ganz großes Dankeschön auch wieder an den Organisator Peter G. von der SG Aufbau Eisenhüttenstadt, es hat alles perfekt geklappt, und wir kommen gerne zur 40. Nebel-Oder-Fahrt wieder.

*Anmerkung:  Mit Bramme wird ein Block aus gegossenem Stahl bezeichnet, dessen Länge und Breite ein Mehrfaches seiner Dicke beträgt. Als Coil bezeichnet man ein aufgewickeltes Stahlband
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