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In diesem Jahr sollte es mal wieder Schweden sein. Es gibt viele Gründe nach Schweden zu fahren. Für Paddler sind es natürlich die ungeahnten Möglichkeiten der schwedischen Paddelreviere, dann ist es die unberührte Natur, die hohe persönliche Sicherheit, keine Kriminalität (außer bei Wallander in Ystad) sowie das vermeintliche schöne Sommerwetter.

Die sieben Teilnehmer der diesjährigen Schwedenfahrt machten sich am 10. Juli 2015 auf unterschiedlichen Wegen auf gen Norden. Vier Sportfreunde (Christine und Holger sowie Marita und Bernd) nutzten die Fähre von Saßnitz nach Trelleborg und drei Sportfreunde (Christel, Sabine und Wolfgang) fuhren über Rostock nach Gedser und dann über die Öresundbrücke von Dänemark nach Schweden.

Die Fahrt über die Öresundbrücke ist schon ein gewaltiges Erlebnis. Leider gibt es keinen geeigneten Parkplatz, um das Bauwerk in Ruhe anzusehen. Die Öresundbrücke ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen- und Eisenbahnverkehr. Sie bildet zusammen mit dem Drogdentunnel und der künstlichen Insel Peberholm die mautpflichtige Öresundverbindung, welche die Hauptstadt Kopenhagen mit Malmö in Schweden verbindet. Die Brücke wurde am 1. Juli 2000 dem Verkehr übergeben. Die Gesamtlänge des Brückenzuges beträgt 7845 Meter. Die Zufahrt zur mittleren Hochbrücke erfolgt über zwei Rampenbrücken. Die westliche Rampenbrücke mit einer Gesamtlänge von 3014 Metern besteht aus 22 Brückenfeldern, die 3739 Meter lange östliche Rampenbrücke besitzt 28 Öffnungen. Dazwischen liegt die 1092 Meter lange Hochbrücke, die eigentliche Öresundbrücke, mit einer Feldspannweite von 490 Metern. Die Pylone bestehen aus Stahlbeton und sind 206 Meter hoch und haben unten die Abmessungen 9,4 Meter × 12,6 Meter sowie oben 2,6 Meter × 5,8 Meter. Der doppelstöckige Überbau hat eine Höhe von 11 Metern und eine Breite von 30 Metern. Er besteht aus einer oben liegenden Stahlbetondecke im Verbund mit dem darunterliegenden stählernen Fachwerkbalken. Auf dem Oberdeck ist die vierspurige Autobahn angeordnet, im darunter liegenden Fachwerkträger befinden sich die zwei Eisenbahngleise. Die Hochbrücke hat bei normalem Wasserstand eine lichte Durchfahrtshöhe von 57 Metern.

Die Fährkosten Rostock – Gedser und die Brückenmaut sind etwa genauso hoch wie die Fährkosten Sassnitz – Trelleborg – ca. 150 €.

Am Sonnabend, den 11.07.2015, trudeln alle im Laufe des Tages am Klarälven in Sysslebäck ein. Hier staunen wir nicht schlecht. Der Klarälven ist breit, breiter als unsere Elbe und rauscht sehr zügig an unserem Zeltplatz vorbei. Aber erstmal sind wir noch faul, sehen uns den Ort an, machen einen Ausflug zu einer Alm mit Ziegen und Pferden und zu einem Bauernhausmuseum. Am Montag (13.07.) fahren wir flussauf bis hinter die norwegische Grenze. Dabei passieren wir zwei Stauseen, einen in Norwegen und einen in Schweden, die reichlich Wasser ablassen (kein Wunder, in Norwegen hat es auch heftig geregnet) und dabei noch Strom produzieren. Die Strecke vom schwedischen Stausee bis Sysslebäck wird als Wildwasser ausgewiesen. Wegen des sehr kalten Wassers haben wir auch keine Lust, es mit unseren Wanderbooten zu probieren.

Am Dienstag (14.07.) starten wir unsere Gepäckfahrt. Ein Zweier und fünf Einer werden zum Fluss gekarrt. Doch vorher heißt es das reichlich mitgeführte Gepäck zu trennen, denn für die Wanderfahrt werden das kleine Zelt, die kleinen Möbel, der kleine Kocher, die wichtigsten Kleidungsstücke, der gefüllte Wassersack, der Spaten, das Klopapier (für die Biwakplätze) und ein paar Lebensmittel gebraucht. Alles andere verbleibt in unseren Fahrzeugen, die wir für wenige Kronen auf einem gesonderten Parkplatz am Zeltplatz abstellen können. Als es endlich aufhört zu regnen, können wir starten. Der Fluss hat an der Einsatzstelle noch eine rasante Strömung, die aber nach einer seenartigen Verbreiterung des Klarälven merklich nachlässt. Aber immer sind es noch 2…3 km/h und das bleibt auch so bis zu unserem Ausstieg nach über 100 km in Edebäck.

Der Klarälven war der letzte schwedische Fluss, auf dem noch Flößerei betrieben wurde. Als Erinnerung an diese Zeit gibt es zwischen den Orten Branäs und Edebäck Floßfahrten für Touristen. Und an Branäs paddeln wir auch bald vorbei und können am rechten Ufer die meist jugendlichen Touristen beim Floßbau bewundern. Am Strand liegen die 3 m langen Stämme, die man mit Seilen zu einem stabilen Floß zusammenbaut. Man trägt und rollt die Stämme ins Wasser, wo die hölzerne Plattform unter Anleitung eines Instrukteurs zusammengesetzt wird. Drei übereinander geschichtete Lagen Holz ergeben ein stabiles Gefährt. Die Länge des Floßes richtet sich dann nach der Anzahl der Teilnehmer. Jedes Floß führt noch ein Kajak mit. Damit ist es möglich, an Land zu paddeln und das Floß am Strick ebenfalls an Land zu ziehen. Ansonsten lässt man sich viele Stunden gemächlich flussabwärts treiben. Wir hatten den Eindruck, dass die Flöße genauso schnell wie wir das Ziel in Edebäck erreicht haben. Allerdings waren sie viele Stunden länger auf dem Wasser. Der Fluss führt Hochwasser, denn von den zum Zelten und Baden versprochenen Sandbänken ist nichts zu sehen. Auch ist das Wasser eisekalt. Holger, der es versucht hat, beließ es bei zwei Schwimmstößen. Die Strömung und unser Paddelstil, der keine Pausen kennt, bringen uns nach 15 km und zwei Stunden an unser Ziel an einen Biwakplatz in Likenäs.  

Am Mittwoch (15.07.) starten wir mit fünf Einern gegen 10.00 Uhr zu unserer zweiten Etappe. Marita und Bernd verzichten die folgen drei Etappen aufs paddeln. Wir treffen sie aber an unserem heutigen Etappenziel. Wir freuen uns, dass wir wieder trocken einpacken konnten. Denn das Wetter ist weit entfernt vom schönen sonnigen schwedischen Sommer. Zum Glück ist es tagsüber nicht kalt, oder wir haben uns schon akklimatisiert. Auf der linken Seite begleitet uns parallel zum Fluss die Fernverkehrsstraße 62. Aber ob des geringen Verkehrs auf dieser Straße ist der wenige Verkehrslärm nicht weiter störend. Der Klarälven ist etwa 200…300 m breit. Schaut man nach vorn, hat man den Eindruck über einen langgestreckten See zu paddeln. Aber der Fluss ist auch sehr kurvenreich, und die Kurven sind teilweise fast rechtwinklig. Hier unterliegt man der optischen Täuschung, als würde der Fluss plötzlich ganz schmal. Aber mitnichten, ist man inmitten der Biegung angelangt, ist der Fluss weiterhin so breit wie zuvor. Zur Mittagszeit finden wir eine passable Anlegestelle.

Nach 30 km gemütlichem Paddeln nähern wir uns dem Campingplatz Värnäs. Marita und Bernd stehen schon am Ufer und weisen uns ein. Zur abendlichen Mücken- und Gnitzenzeit (diese aufdringlichen Plagegeister quälen uns jeden Abend) sitzen wir am qualmenden Lagerfeuer und lassen uns das Grillfleisch schmecken.

Über uns ein praktisches Dach, welches uns Schutz vor einem kleinen Regenschauer bietet.

Am Donnerstag (16.07.) starten wir gegen dreiviertel zehn zur dritten Etappe. Kurz nach dem Start unterqueren wir die Brücke der E 45, über die wir noch am Sonnabend gefahren waren. Gleich auf der linken Seite hinter der Brücke ist wieder ein großer Bauplatz für Flöße. Anschließend suchen wir einen Ausstieg zum Ort Stöllet um einzukaufen. Plötzlich beginnt es wie aus Eimern zu schütten, und im strömenden Regen suchen wir den Supermarkt, den wir auch bald finden. Sabine und Christel bleiben lieber in den Booten und bibbern still vor sich hin. Nach gelungenem Einkauf paddeln wir uns erst mal warm. Alsbald hört es auch wieder auf zu regnen und einige Male lugt sogar die Sonne hervor. Zur Mittagszeit legen wir am Björkebo Campingplatz an. Der Platz ist riesengroß. Wir lassen uns von einem Schild am Ufer mit der Aufschrift „Cafè“ verführen und landen in der Rezeption des Campingplatzes. Hier stellt sich heraus, dass die Betreiber eine Großfamilie aus Halle ist, die den Campingplatz vor drei Jahren gekauft haben. Wir lassen uns Kaffee und Kuchen schmecken und schwatzen mit der jungen Frau, die sich freut, mal wieder Deutsch reden zu können. Inzwischen scheint auch wieder die Sonne und wir paddeln weiter. Kurz vor einer Brücke der Fernstraße 62 finden wir nach 22 km auf der linken Seite einen schönen Biwakplatz in der Nähe von Åstrand. Auch finden wir in der Nähe ausreichend Holz sowie Birkenrinde für ein kleines Lagerfeuer. Beim leichten Regen und umlaufenden Winden hopsen wir ums Feuer und wärmen uns.

Am Freitagmorgen (17.07.) werden wir von der Sonne und einem strahlend blauen Himmel geweckt. So können wir unser Zelt gut getrocknet verpacken, denn für den Rest des Urlaubs wird es nicht mehr gebraucht. Gegen halb 10 Uhr starten wir zur letzten Etappe unserer Gepäckfahrt nach Ekshärad. Nach drei Stunden und 23 km landen wir in Byns Camping gleich nach der Brücke der Fernstraße 932 auf der linken Seite an. Wir karren die Boote an eine höher gelegene Stelle und markieren mit ihnen einen gewünschten Platz. Danach marschieren wir in den Ort. Ekshärad ist recht groß mit vielen Gaststätten. Bald finden wir eine uns genehme und lassen uns in der Sonne die Köttbullar schmecken. Irgendwie überbrücken wir die Zeit bis 16.46 Uhr, da fährt unser Bus flussaufwärts. Und kurz nach 18.00 Uhr haben wir den Campingplatz in Sysslebäck erreicht, wo wir unsere Fahrzeuge wohlbehalten wieder vorfinden.

Am Sonnabend (18.07.) legen wir einen Ruhetag ein. Das kleine schwedische Örtchen Ekshärad liegt am Riksväg 62, der von Karlstad bis zur norwegischen Grenze führt. Bekannt ist Ekshärad vor allem durch seine Kirche und dem Friedhof. Die alte Holzkirche wurde in der Zeit von 1686-88 erbaut. Der älteste Einrichtungsgegenstand der Kirche ist der Taufstein aus norwegischem Speckstein aus dem 13. Jahrhundert. Aber auch der Altarschrank aus dem 17. Jahrhundert ist durch seinen guterhaltenen Zustand sehr sehenswert. Es gibt in der Kirche sogar eine Audio-Führung in verschiedenen Sprachen, unter anderem auch in Deutsch.

Das Besondere am Friedhof von Ekshärad sind seine Gräber, die mit einem Eisenkreuz geschmückt sind, an denen teilweise ein Laubkranz oder einzelne Birkenblätter aus Eisen befestigt sind. Die Kreuze spiegeln lebende Bäume wider, die von den "losen Blättern" des Laubkranzes umspielt werden und huldigen dem unzerstörbaren Leben. Die Kreuze haben eine sehr lange Tradition in Ekshärad, die ältesten sind aus der Mitte des 18. Jahrhundert. Es gibt ungefähr 500 verschiedene Grabkreuze, die jeweils eine unterschiedliche Gestaltung aufweisen.

Die Kirchenställe waren früher ein Rastplatz für die Pferde der Kirchenbesucher. Heute sind in ihnen den Sommer über verschiedene Kunsthandwerksläden untergebracht, in denen man traditionelles schwedisches Kunsthandwerk erwerben kann. Die Ställe stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind weitestgehend im Originalzustand belassen. Natürlich stöbern auch wir in den kleinen Läden und lassen uns zum Kaufen verführen.

Holger erkundet am Nachmittag noch eine geeignete Ausstiegsstelle in Edebäck, zu der wir am Sonntag (19.07.) unsere Fahrzeuge bringen. Die letzte 16 km lange Etappe paddeln wir mit leeren Booten. Und schon nach zwei Stunden haben wir, obwohl ganz gemütlich gepaddelt, unser Ziel erreicht. 200 m vor der Brücke nach Edebäck führt auf der linken Seite ein schräger Weg zur Straße. Auch für die Flöße ist hier Schluss, denn auf dem restlichen Weg bis Karlstad sind einige Hindernisse zu bewältigen. Die Flößer müssen ihr Floß wieder selbst demontieren. Die losen Baumstämme schwimmen in einen „Trichter“ und werden dann von einem Hebezeug aus dem Wasser gehievt, um dann wieder zu ihrem Ausgangsort transportiert zu werden.

Der Klarälven hat uns sehr gut gefallen. Die oftmals nahe Reichsstraße 62 fanden wir nicht so störend und auch die wenigen Flöße waren eher eine interessante Abwechslung. Trotz der vielen Regenschauer haben wir immer trocken auf- und abgebaut. Auch ist der Klarälven der einzige Fluss in Schweden, der über 100 km hindernisfrei zu befahren ist. Belastend war nur der abendliche Gnitzen- und Mückenüberfall, der nur mit ausreichen Mückentötulin zu überstehen ist.

Am Montag (20.07.) verlassen wir den Klarälven und fahren etwa 370 km Richtung Osten zu den St. Anna-Schären. Dort wollen wir einige Etappen in dem weit verzweigten Schärengarten paddeln. Während der Fahrt war anfangs noch schöne Sonne, aber die letzte Stunde während der Fahrt gießt es in Strömen. Am Zeltplatz angekommen, klart es bis zum völlig blauen Himmel auf. Der Zeltplatz in Mon ist natürlich rappelvoll und uns wird der entfernteste Platz zur Einsatzstelle zugewiesen. Wir sind an der Ostsee und hier weht ständig eine steife Brise. Diesen Wind können wir natürlich in den Schären überhaupt nicht gebrauchen.

Am Dienstag (21.07.) starten wir zur ersten Paddeltour in den Schären. Wir halten uns auf Kurs Südost und erreichen nach etwa 6 km Tyrislot, einen Campingplatz mit zwei Zugängen zum Schärengarten. Der Platz gefällt mir besser als Mon, denn er hat einige kuschlige windgeschützte Ecken. Auch die Schären sind bei Westwind besser zu paddeln, da ebenfalls windgeschützter. Alsbald beginnt es leicht zu regnen, und so paddeln wir auf einer etwas nördlicher gelegenen Route, aber bei starkem Gegenwind wieder zurück nach Mon.

Was ist bloß in diesem Jahr mit dem schwedischen Wetter los. Als es Mittwochmorgen (22.07.) wieder kräftig weht und der Himmel voll dunkler Wolken ist, verzichten wir aufs Paddeln und fahren nach Söderköping.

Söderköping ist eine mittelalterliche schwedische Stadt, die im 13. Jahrhundert zum ersten Mal in schriftlichen Quellen genannt wurde. Söderköping war vom 13. Jahrhundert bis Ende des 16. Jahrhunderts einer der führenden schwedischen Häfen für den nationalen und internationalen Handel mit bedeutenden Kontakten zur Hanse und ein Machtzentrum in Schweden. 1302 wurde König Birger Magnussen in Söderköping gekrönt und Johan III. ließ in der Stadt ein Haus für sich errichten. Doch führte die skandinavische Landhebung dazu, dass der Hafen ab Ende des 16. Jahrhunderts für größere Schiffe nicht länger schiffbar war. Söderköping verlor an Bedeutung, und im 18. Jahrhundert wohnten nur etwa 700 Menschen in der Stadt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Söderköping zum Kurort. Die industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts ging weitgehend an Söderköping vorbei. Söderköping gehört zu den am besten bewahrten mittelalterlichen Städten Schwedens. Abgesehen von den mittelalterlichen Gebäuden wie der St.-Laurentius-Kirche oder dem Haus Johans III. dominieren Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert das Bild der Innenstadt. Der Göta-Kanal verläuft am Nordrand der Stadt am Fuße des Ramunderberges. Die Schleuse und die Promenade entlang des Göta-Kanals sind natürlich Anziehungspunkt für die zahlreichen Touristen. Besonders gestaunt haben wir über die 100 m lange Schlange an einer Eisdiele. Diese Eisdiele mit ihren 120 Eissorten muss wohl in allen Reiseführern stehen und im ganzen Land bekannt sein, sonst würden hier die Schweden nicht so geduldig anstehen. Christine und Holger haben sich etwas vorgeschummelt und ganz schnell ihre zwei Kugeln Eis in einer Tüte bekommen.

Am Donnerstagmorgen (23.07.) ist es etwas windstiller und wir starten zu einer etwas längeren Schärenfahrt in nordöstlicher Richtung. Hin und wieder scheint auch die Sonne, die uns kurzzeitig zum Ausziehen des T-Shirts verführt. Dank Holgers GPS-Gerät finden wir uns problemlos durch die verwirrend zahllosen Inseln. Hoffentlich fällt das Gerät nicht aus, sonst würden wir noch heute wie der Fliegende Holländer über die Ostsee irren. Zur Mittagszeit finden wir eine Insel, wo man einigermaßen problemlos anlegen kann. Später weist das GPS-Gerät eine Lücke zwischen zwei Inseln aus, die aber vollkommen verschilft ist. Anfangs probieren wir noch einen Weg durchs Schilf zu finden, aber schließlich geben wir auf und nehmen den längeren Weg um die Insel herum. Allmählich hat auch der Westwind wieder erheblich aufgefrischt, und wir nutzen jeden Windschatten der kleinen Inseln aus. Aber zum Schluss müssen wir doch die etwa 2 km lange freie Wasserfläche zum Zeltplatz überwinden. Aber je näher wir dem Land kommen, umso weniger werden die Wellen und der Wind. Da die IPads keine Wetterbesserung versprechen, beschließen wir, auf weitere Schärenbefahrungen zu verzichten und die Flucht ins Landesinnere anzutreten.

Am Freitag (24.07.) fahren Marita und Bernd an den Åsnen-See, die fünf anderen nach Horn an das Ende des Stångan bzw. an den Beginn des Kinda-Kanals. Natürlich scheint heute die Sonne und lässt uns schon zweifeln, ob wir die richtige Entscheidung gefällt haben. Die rund 140 km lange Fahrt ist nach gut zwei Stunden bereits beendet und zur Mittagszeit treffen wir auf dem Campingplatz in Horn ein. Hier gibt es an der Rezeption auch ein gut besuchtes Restaurant. Wolfgang entscheidet für sich und Sabine für Lyx, das ist ein riesen Berg Shrimps auf einer Weißbrotstulle, Christine und Holger bleiben bei Köttbullar und Burger. Am Nachmittag spazieren wir entlang des Stångan in den Ort und kaufen im Supermarkt ein.  

Für den Sonnabend (25.07.) zeigen drei verschiedene Wetterapps drei verschiedene Wetter an. Wir entscheiden uns für die App mit dem längsten Sonnenschein und starten Stångan aufwärts. Bereits nach drei Kilometern ist ein größeres Wehr beim Kraftwerk Blomsfors ca. 200 m umzutragen, aber wozu haben wir unsere Bootswagen dabei. Der Fluss schlängelt sich kurvenreich durch eine Wald- und Wiesenlandschaft. Manchmal sind am Ufer spektakuläre Felsformationen und bieten einen schönen Hintergrund für hübsche Paddlerfotos. Leider verdunkelt sich der Himmel immer mehr und nach 8 km beginnt es ganz leicht zu regnen. Nach gut 10 km kehren wir um und finden alsbald einen geeigneten Rastplatz mit Tisch und Bänken für die Mittagspause. Unter den Bäumen kommt zum Glück nur wenig von dem Regen an. Als uns schließlich kalt wird, setzen wir die Fahrt fort. Der Regen wird immer stärker. Aber mit Regenjacke und Spritzdecke gut verpackt, lässt es sich schon ein paar Kilometer aushalten. Unangenehmer trifft es da schon ein Canadierpärchen, das frierend unter einer Brücke hockt. Weniger angenehm ist da für uns die Umtragerei am Kraftwerk Blomfors. Dann lässt der Regen bis zu unserem Zeltplatz etwas nach. Als wir endlich die schützenden Dächer über unseren Köpfen wieder erreicht haben, schüttet es wie aus Eimern, na, Glück gehabt. Aber zum Glück ist es im Auto schön warm und alles kann trocknen. Nur für die arme Christel spielt sich alles im Zelt ab.

Am Sonntag (26.07.) ist es wieder arg windig. Damit sind unsere Pläne für einen Paddeltag auf dem großen und weitläufig verzweigten Åsundensee auch hinfällig. Keiner hat Lust, wieder gegen Wind und Wellen zu kämpfen. Deshalb fahren wir nach Vimmerby. Dieses Mal besuchen wir aber nicht Astrid Lindgrens Värld mit Pippi Langstrumpf und den Geschichten von Michel in Katthult sondern besichtigen das Geburtshaus von Astrid Lindgren. So gelangen wir in eines der schwedischen rotbraunen Häuser, wie sie zu Tausenden im Lande zu sehen sind. Eine sehr ambitionierte Erklärerin erzählt uns bei einer deutschen Führung von Astrid und ihrem Leben in ihrem Elternhaus. Sie macht das so anschaulich, dass Wolfgang vermutet, sie hat in ihrer Jugend die Lina (sie heißt auch so) in den Michelgeschichten mitgespielt.

Es war hier in Näs, wo der Limonadenbaum immer noch im Garten steht und Astrid mit ihren Geschwistern im Haus und in den Holzschuppen spielte, wo sie ins Heu gesprungen sind und den Geschichten der Köchin Kristin lauschten. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Quelle von Astrid Lindgrens fantastischen Schriften sich hier im Geburtshaus in Näs abspielten. Ihr Elternhaus ist noch intakt, wie es war, als Astrid ein kleines Mädchen war. Es war Astrid selbst, die den ursprünglichen Zustand wieder hergestellt hat. Die meisten der Original-Möbel und Gegenstände sind noch vorhanden, so dass wir einen tollen Einblick in das absolut einzigartige und echte Elternhaus von Astrid Lindgren bekommen. Vor wenigen Jahren hat man vor das Geburtshaus einen Eingangstrakt mit Museum und dem unvermeidlichen Shop gestellt. Hier können wir, ausgestattet mit Kopfhörern, die Biographie von Astrid Lindgren miterleben.

Im Anschluss fahren wir zu einer Ausflugsgaststätte mitten im Wald in der Nähe von Vimmerby und landen natürlich wieder bei Köttbullar. Gibt es wirklich kein anderes typisch schwedisches Gericht? Das Beste am kulinarischen skandinavischen Norden ist das Kaffeeangebot. Meistens gehört es ganz selbstverständlich zum Essen und immer kann man sich eine zweite Tasse nehmen. Und wer die Milch sucht, die steht sehr oft im Kühlschrank.

Zu guter Letzt fahren wir noch nach Katthult, da wo Anfang der siebziger Jahre die Filme über den småländischen Lausejungen Michel (In Schweden „Emil“) gedreht wurden. Das Dorf Katthult liegt ca. 25 km von Vimmerby entfernt. Hier kann man zwischen den verschiedenen Gebäuden Katthults spazieren und die Atmosphäre der Michel-Filme am eigenen Leib spüren. Der Katthulthof heißt in Wirklichkeit Gibberyd und ist seit dem 19. Jahrhundert in Familienbesitz. Es war ein ganz normaler Bauernhof, bis 1970 ein Filmteam auftauchte und bat, die Michel-Filme auf dem Hof drehen zu dürfen. Niemand konnte damals ahnen, was sich daraus entwickelte. Der Hof war ein idealer Drehort für die Katthultfilme. Wie in den Büchern über Katthult fanden sich dort Weiden, Zäune, Häuser, Hütten und andere Gebäude. Das einzige Gebäude, welches fehlte, war der „Tischlerschuppen”. Der wurde dann vom Filmteam gebaut. Ein Vorteil war die alte, traditionelle småländische Bauweise des Hofes. Verschiedene Gerätschaften konnten vom Filmteam verwendet werden, so z.B. Karren, Sensen, Körbe und vieles mehr. Da der Hof bewohnt und bewirtschaftet war, gab es Katzen, Kühe und Pferde vor Ort. Viele der Statisten aus den Michel-Filmen sind Småländer aus dem Ort, die eine Chance sahen, sich in den Kleidern ihrer Eltern und Großelter zu zeigen. Ein Teil der Aufnahmen konnten in den Scheunen und Gebäuden des Hofes gedreht werden. Das Wohnhaus hingegen war modern und bewohnt, so dass die meisten Innenaufnahmen in einem Studio gedreht wurden. Nach den Dreharbeiten kamen dann die ersten Besucher, und der Besucherstrom wurde immer größer, heute gehören wir dazu.

Am Montag (27.07.) wollen wir endlich Elche sehen und fahren dazu in einen Elchpark, der sich ebenfalls in der Nähe von Vimmerby befindet. Wir sind die ersten Besucher zur Öffnungszeit und so gehören wir auch zum ersten Touristenschwung, der mit einer Art Bahn, die von einem Trecker gezogen wird, in das weitläufige Elchgelände gezogen wird. Die Betreiber verteilen an die Besucher viele Lekkerli zum Füttern der Tiere. Dazu gehören Laubzweige, Kartoffel- und Apfelscheiben. Kaum sind wir auf die Elchwiese eingefahren, kommen die Elchkühe, deren Kälber und der Elchbulle Harald auch schon angelaufen und betteln das Futter ab. Christine traut sich sogar, sich vom Elch Harald knutschen zu lassen. Über eine halbe Stunde dürfen wir die neun Tiere füttern, streicheln und natürlich fotografieren. Als das Interesse der Elche am Futter erlahmt (immerhin wiederholt sich das Procedere noch mindestens fünfmal) und wir alle Fotos im Kasten haben, fährt die Fuhre wieder nach draußen. Das Gelände hat sich inzwischen reichlich gefüllt und die zuletzt Angekommenen müssen jetzt bestimmt mehrere Stunden warten, bis sie die Elche knutschen dürfen. Es gibt natürlich auch einen großen Shop mit hunderten Elch-Souveniren, dem auch wir nicht widerstehen können. Das war ein tolles Erlebnis, trotzdem fehlt mir nach insgesamt 15 Wochen Schweden immer noch die Elchbegegnung in freier Wildbahn.

Zur Mittagszeit fahren wir nach Frödinge. Hier befindet sich eine Produktionsstätte des berühmten schwedischen Ostkaka mit einem angeschlossenen Cafè. Ostkaka ist ein schwedischer Käse- (bzw. Quark-) kuchen, der seine Wurzeln in Småland hat. Der Kuchen wird traditionell warm oder lauwarm mit Marmelade und Sahne, Früchten oder Eiscreme gegessen. Ostkaka wird durch Zugabe von Lab zur Milch hergestellt. Zudem lässt man dazu Kasein gerinnen. Danach wird der Kuchen im Ofen gebacken und warm serviert. Seit 2004 wird in Schweden jedes Jahr am 14. November der Tag des Ostkaka gefeiert. Er wurde eingeführt und bekannt gemacht von den Ostkakans vänner (Freunden des Ostkaka), einem gemeinnützigen Verein, der im Frühjahr 2003 gegründet worden ist. Ich darf versichern, der Kuchen (das schwedische Wort klingt für deutsche Ohren etwas vulgär) hat uns ausgezeichnet geschmeckt. Selbstverständlich lassen wir uns auch zum Kauf eines weiteren Kuchens verführen. Sabine und Wolfgang entscheiden sich für einen echten Blauberkuchen, also mit Blaubeeren, die auch die Zunge blau färben.

Am Dienstag (28.07.) sind wir auf die Insel Öland gefahren. Wir zelten ziemlich weit im Süden in der Nähe von Stenåsa an der Ostküste. Das Wetter hat sich etwas gebessert, aber der hässliche kalte Wind ist leider geblieben, so dass wir unsere großen Busvorzelte bei Abwesenheit ganz schön sichern müssen. Obwohl wir hier unmittelbar an der Ostsee sind, reizt das Wetter, auch bei Sonnenschein, nicht zum Baden. Auch sind der Insel keine Schären vorgelagert, so dass wir hier nicht paddeln werden.

Öland ist eine schwedische Ostseeinsel. Mit 137 km Länge und einer maximalen Breite von 16 km besitzt sie eine Fläche von etwa 1.347 km². Öland ist die zweitgrößte Insel Schwedens und zugleich die kleinste historische Provinz des Landes. Die Insel ist seit 1972 mit der auf dem Festland gelegenen Stadt Kalmar durch die sechs Kilometer lange Ölandsundbrücke verbunden. Die Insel ist eine Hochebene mit einer höchsten Erhebung von 57 m über Meereshöhe. Oberflächengesteine sind Sandstein, Schiefer und Kalkstein. Da die Erdschicht aufgrund von Erosion nur dünn ist, bestehen große Teile der Insel – vor allem im Süden – aus einer Karst- - und Heidelandschaft (Stora Alvaret) mit entsprechender Fauna. Charakteristisch für Öland ist die ungewöhnlich große Zahl von Windmühlen. Im 19. Jahrhundert hatte sich der Besitz einer Mühle zum bäuerlichen Statussymbol entwickelt. Die entstandenen Mühlen, überwiegend vom Typ der Bockwindmühle, dienten ausschließlich dem Eigenbedarf des jeweiligen Hofes. Die Zahl der Windmühlen stieg bis auf 2.000 an. Auf eine Windmühle kamen statistisch nur etwa 10 bis 20 Einwohner. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verloren die Mühlen an Bedeutung und verfielen. Ein großer Teil wurde abgerissen. Etwa 400 sind jedoch erhalten und werden heute bewahrt.

Am Mittwoch (29.07.) fahren wir nach Norden und besichtigen die Schlossruine Borgholm. Das Borgholmer Schloss ist aus einem Wehrturm des 12. Jahrhunderts entstanden und wurde mit seiner strategischen Bedeutung in den Kriegen der Schweden gegen die Dänen ständig erweitert. Aus der ursprünglichen Burg entwickelte sich unter Johann III. in der Renaissance ein wehrhaftes Schloss mit mehreren Flügeln. Im 17. Jahrhundert wurde das Schloss zu einer bedeutenden Barockanlage umgebaut. Die bis dahin zum Teil solitär stehenden Gebäudeteile wurden zu vier großen Flügeln ausgeweitet und unter ein gemeinsames mächtiges Dach gestellt, die Ecktürme mit kuppelartigen Hauben bedeckt. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts verlor das Schloss an Bedeutung. Die Grenze zu Dänemark, die ehemals durchs südliche Schweden verlief, war an die Südküste der skandinavischen Halbinsel verlagert und die Festung hatte keinen strategischen Nutzen mehr. Zudem entstanden um und in Stockholm neue, modernere Schlösser und die alte Borgholmer Burg verlor für das Königshaus an Reiz. Das Schloss verfiel, nachdem nur noch eine Wachmannschaft die Gebäude bevölkerte. Am 14. Oktober 1806 brach ein Brand aus und zerstörte das Schloss vollständig, nur die mächtigen Mauern überstanden das Feuer. Die Ruine ist bis heute erhalten und für Besucher auf verschiedenen Ebenen zugänglich. Im Inneren des Schlosses erkennt man noch heute die Lage der ehemaligen Festsäle, und auch das mächtige Treppenhaus ist erhalten und benutzbar. In den Überresten des Schlosses ist ein Museum untergebracht, welches der Geschichte des Gebäudes gewidmet ist. Im Innenhof werden zudem Konzerte, Theateraufführungen und ähnliche Veranstaltungen abgehalten.

Ganz in der Nähe der Ruine liegen die Gartenanlagen von Schloss Solliden. Diese nach italienischen Vorbildern gestaltete Villa wurde 1906 auf Veranlassung Königin Viktorias errichtet. Das Gebäude dient heute als Sommersitz der schwedischen Königsfamilie, die Gärten sind jedoch für Besucher zugänglich. Der Park mit seinen Wasserspielen bietet einen reizvollen Kontrast zu der benachbarten, von der öländischen Steppe umgebenen Ruine. Obwohl am Fahnenmast die schwedische Fahne flattert, ist natürlich von Familie „König“, richtiger Bernadotte, nichts zu sehen. Eigentlich schade, Hunderte schwedische Besucher würden die Mitglieder des Königshauses bestimmt frenetisch begrüßen, denn Kronprinzessin Victoria feiert dort jedes Jahr im Juli ihren Geburtstag. Drohende Regenwolken veranlassen uns, schleunigst nach Borgholm zurück zu gehen. Beim Mittagessen (ich glaube, es gab wieder Köttbullar) sitzen wir den kurzen Regenschauer aus.

Anschließend besuchen wir das Öland-Museum Himmelsberga für Kunst und Kulturgeschichte. In diesem Freilichtmuseum wird das am besten erhaltene zweizeilige Straßendorf Ölands für Besucher zugänglich gemacht. Das Museum umfasst mehrere am originalen Standort befindliche Vierseitenhöfe, die im 18. oder 19. Jahrhundert gebaut worden. In den Gebäuden wird die typische Ausstattung der Häuser aus dieser Zeit gezeigt. Es finden sich sowohl eingerichtete Wohnhäuser, eine Windmühle als auch landwirtschaftliche Gebäude und Gerätschaften. In einer zum Museum gehörenden Kunsthalle werden aktuelle Werke öländischer Künstler ausgestellt.

An der Nordseite des Museums, nahe dem Eingang, befinden sich Stallanlagen die noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts als Stall für Ochsen in Benutzung waren. Die einzelnen Boxen der Tiere sind durch Platten aus Kalkstein voneinander getrennt. Das Gebäude selbst besteht aus Kalkstein und Holz. Beide Baumaterialien waren in der Umgebung Himmelsbergas vorhanden. Weiter im Süden Ölands bestehen Wirtschaftsgebäude, wegen der dort bestehenden Holzknappheit, aus Stein. Öländische Wohnhäuser wurden aber überwiegend aus Holz errichtet.

Das Wohngebäude des Hofs entstand 1842 auf einem Sockel als Saalgebäude. Das Gebäude ist doppelt so lang wie breit. Es bestehen sechs Zimmer. Während sich Flur und Saal in der Mitte befinden, liegen das Wohnzimmer und die Küche auf einer Giebelseite. In der anderen Giebelseite befinden sich zwei weitere Kammern. Der nicht beheizbare Saal diente repräsentativen Zwecken und zur Durchführung von Festen. Diese Bauform fand sich bei den wohlhabenderen Bauernhöfen auf Öland verstärkt zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Bewohnt war das Gebäude bis in das Jahr 1950. Der Bauer schlief im Wohnzimmer, die Magd auf der Küchenbank. Der Knecht hatte eine nicht beheizbare Kammer auf dem Dachboden des Hauses.

Bemerkenswert ist noch eine Alterswohnung. Das einfache Altenteil besteht aus Flur, Küche und Kammer. Bei der Übernahme des Gehöfts durch die Kinder, wurde üblicherweise ein Altersvertrag geschlossen, in dem die Rechte und Pflichten der Generationen geregelt wurden. Die Eltern zogen in dieses kleine Haus. Die Kinder sicherten bestimmte Mengen an Lebensmitteln, Holz, Stallplatz für die Tiere, aber auch Fahrdienste im Falle von Gebrechlichkeit zu.

Im Museum befindet sich, wie in allen musealen Einrichtungen, auch ein Cafè, wo wir zum Abschluss dieses Besichtigungstages die schwedische Gastfreundschaft noch einmal genießen.

Am Donnerstag (30.07.) sind wir am Vormittag in der Burg Eketorp in der Stora Alvaret, eine ca. 2000 Jahre alte Burg, die seit 1964 komplett wieder aufgebaut wurde und 1974 vom König eröffnet wurde. Die Burg sieht so ähnlich aus wie die Slawenburg Raddusch.

Die erste Burganlage in der unwirtlichen Gegend im Süden Ölands wurde am Beginn der Germanischen Eisenzeit (etwa 300 n. Chr.) errichtet, bis ins 13. Jahrhundert in drei Phasen um- und ausgebaut und zur Zeit der Christianisierung aufgegeben.

Die Burg aus dem 4. Jahrhundert war eine runde Anlage mit einem Durchmesser von lediglich 57 Meter, von der im Wesentlichen die Ringmauer und eine radiale Innenbebauung gesichert sind. Im 5. Jahrhundert wurde sie abgerissen und um das alte Zentrum eine neue Ringmauer mit einem Durchmesser von 80 Meter errichtet. Es gab innerhalb dieser Ringmauer ungefähr 50 Zellen, die teils an der Innenseite der Mauer später auch im Zentrum standen.

Ende des 7. Jahrhunderts wurde diese zweite Anlage aufgegeben und blieb etwa 300 Jahre ungenutzt. Im 11. Jahrhundert wurde die Ringmauer wieder aufgebaut, die ehemals steinerne Innenbebauung jedoch durch Holzhäuser ersetzt. Dafür gab es einen zweiten äußeren Ringmauersektor, durch den der Zugang zur Anlage geregelt wurde.

Die Ringmauer und die mit Zinnen versehene Brustwehr wurden nach der Art der zweiten Siedlung wiederaufgebaut. Die Innenbebauung besteht aus Steinhäusern der zweiten und Holzhäusern der dritten Nutzungsphase. Im Museum innerhalb der rekonstruierten Häuser der Anlage wird eine Auswahl der 26.000 bei den Ausgrabungen gemachten Funde gezeigt.

Die Kinder konnten Fladenbrot backen sowie mit alten Ritterrüstungen kämpfen. Auf dem Gelände laufen schwarze Schweine frei herum. Die "Eingeborenen" tragen mittelalterliche Kleidung.

Anschließend fuhren wir an die südlichste Spitze von Öland. Dort befindet sich das Naturschutzreservat Ottenby. Man kann dort viele Vögel und Wasservögel beobachten. Besonders bekannt ist es als Rastplatz vieler Zugvögel. Neben einem Vogelmuseum gibt es eine Vogelwarte, die zu den bekanntesten Schwedens zählt. Museum und Warte sind in der Nähe des Leuchtturms Långe Jan angesiedelt. Im Restaurant haben wir erstmalig Fisch bekommen und nicht die ewigen Köttbullar. Wolfgang aß eine Fischsuppe und Sabine gebratenen Hering mit Kartoffelbrei. Am Buffet kann man sich noch Salat holen und der Kaffee gehört selbstverständlich zum Essen dazu.

Nach diesem schönen Tag sitzen wir ab 17.00 Uhr in unseren Zelten, der Wind stürmt von West und bringt einen gewaltigen Regenschauer vom Festland. Aber nach einer halben Stunde ist alles vorbei, nur der Wind bleibt. Hauptsache Freitagmorgen ist's trocken zum letzten Zeltabbau.

Am Freitag (31.07.) reisen Christel, Sabine und Wolfgang ab. Sie fahren auf einen Zeltplatz in der Nähe von Malmö, um die Fähre Gedser – Rostock am Sonnabend rechtzeitig zu erreichen. Christine und Holger bleiben noch einen Tag auf Öland, da ihre Fähre ab Trelleborg erst Samstagabend fährt und das ist von hier bestens zu schaffen.  

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