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Auf der weitläufigen Tanzfläche im Bürgerhaus von Hangelsberg tanzen die Kanuten „atemlos“ nach dem Hit von Helene Fischer. Ich stehe neben dem langjährigen Fahrtenleiter der „38. Winterfahrt auf der Spree“ Jörg Stampe und schwatze mit ihm über seine Fahrt.

Erfunden hatte die Winterfahrt der umtriebige Hilmar Schmidt aus Schwedt, aber nach 10 Jahren und zwei witterungsbedingten Fahrtausfällen wollten er und seine zahlreichen Helfer nicht mehr. Glücklicherweise erklärte sich damals Jörg mit seiner Kanusektion BSG Einheit Berliner Bär bereit, diese Fahrt zu übernehmen.

Der damalige Vorsitzende der Berliner Wanderwarte bestimmte aber sogleich, dass die Fahrt von Mitte Februar auf  Ende November verlegt wird, um dem Risiko von Eis und Schnee zu entgehen. Mir war es recht, konnte ich doch damals mit meiner Winterfahrt auf der Saale  in diese Lücke springen.

Nun leitet Jörg Stampe mit seinen vielen, vielen Mitstreitern von den Berliner Kanubären bereits seit 28 Jahren diese Fahrt. Anfangs wollte er noch den legendären Kanutenfasching retten. Aber so kurz nach Totensonntag oder auf dem 1. Advent kam dann doch nicht die rechte Karnevalsstimmung auf. Aber der früher (Insider werden verstehen, was ich unter „früher“ meine) bei allen Paddelwochenendfahrten übliche Kanutenball wurde beibehalten. Die Fahrt zu organisieren war in all den Jahren nicht einfach, nein, es war sogar kompliziert und aufwendig. Wo haben wir nicht überall geschlafen; in verschiedenen Schulen in Fürstenwalde, in Grünheide, in Erkner, im Kinderferienlager am Störitzsee, in einer Schule in Hangelsberg und nun in der Müggelspreeturnhalle in Hangelsberg. Mancher dreisternehotelverwöhnte Schuldirektor beäugte Jörg misstrauisch, wenn er davon sprach, dass die Sportfreunde ganz bescheiden nur auf Luftmatratze und Schlafsack in seinen Klassenräumen nächtigen wollten. Das hatte wohl den Anschein, als würden wir sonst unter Brücken schlafen. Und so hat er manche Absage erhalten. Dabei haben die Kanuten die Klassenräume immer pikobello gefegt und aufgeräumt verlassen. Das wichtigste bei einer Winterfahrt ist nun mal, am Abend ein festes Dach übern Kopf zu haben. Und heutzutage soll es auch warm sein und man möchte auch noch eine warme Dusche haben. Zum Glück braucht ein Fahrtenleiter sich nicht mehr um die Logistik zu kümmern, das regeln die PKW-bestückten Kanuten unter sich. Wieviel Busse musste Hilmar Schmidt noch organisieren, um die 250 Paddler von und nach Spreeau zu befördern.

Mit der Begegnungsstätte in Grünheide und dem Bürgerhaus in Hangelsberg wurde eine weitere Qualitätsverbesserung eingeführt. Und wenn die Bären so weitermachen, gibt’s vielleicht bald noch Frühstück zum bereits servierten Kaffee und Tee. Aber über einen „Frische Schrippen-Dienst“ könnten sie vielleicht mal nachdenken (Dass das funktioniert, machen uns Sigrid und Axel bei der Saalefahrt vor). Nein, ich will nicht kritisieren, im Gegenteil spreche ich, und das bestimmt im Namen aller Teilnehmer, ein großes, großes Lob an die Berliner Kanubären aus. Fast der ganze Verein kümmert sich rührend um die Beköstigung der Kanuten.

Zur Eröffnung begrüßt der Fahrtenleiter Kanuten von sechs Berliner Vereinen aus dem Spree-Dahme-Revier, vom LKV Brandenburg Kanuten aus Brandenburg, Briesen, Eisenhüttenstadt, Potsdam, Milower Land, Rehbrücke, Schwedt, Wusterwitz und Wustermark, vom LKV Hessen Kanuten aus Kassel, vom LKV Mecklenburg- Vorpommern Kanuten aus Greifswald und Rostock, vom LKV Sachsen Kanuten aus Dresden, vom LKV Sachsen-Anhalt Kanuten aus Schönburg und vom LKV Thüringen Kanuten aus Jena. Die weiteste Anreise hatten Sportfreunde aus Jena und Mühlhausen. Warum die Paddler von der Berliner Havel in eine halbjährliche Winterstarre verfallen, will sich mir nicht ganz erschließen. Ihr wisst gar nicht, was ihr alles verpasst. Bei unserer Winter-Saale-Fahrt kommen die Paddler inzwischen aus allen vier Himmelsrichtungen. Etwas neidvoll schaute Jörg dann auf unsere Teilnehmerzahlen, die inzwischen die Kapazität des Quartiers übersteigen.

Nach der offiziellen Eröffnung und dem Start beim Fürstenwalder Ruderverein paddeln die 76 Teilnehmer der diesjährigen Fahrt über den Oder-Spree-Kanal und finden sich nach fünf Kilometern alle am Wehr Große Tränke ein. An der Tränke gab es in diesem Jahr eine kleine Schwierigkeit. Der Fußgängersteg übers Wehr wird rekonstruiert und war damit gesperrt. Also mussten alle am rechten Ufer aussteigen, denn hier stand der Grill mit den Steaks und den Bratwürsten sowie der der Jahreszeit und der Witterung angepasste Glühweinstand. Und während wir nach den ersten anstrengenden Kilometern noch die Pause genießen, beginnt es leise zu schneien, Meine Kritik vom Vorjahr wurde beherzigt, danke Sportfreunde, es geht doch. Aber die Sache ist noch steigerungsfähig, gebt euch mal Mühe, das war noch zu viel Schneeregen.

Die Sache mit dem Rechtsanlegen hatte noch einen Vorteil. Nach Besichtigung und Vorfahrt einiger Sportfreunde trauten sich fast alle über die rechtsseitig angelegte Fischtreppe zu fahren. Dank des guten Wasserstandes waren alle Hindernisse überspült und man konnte ganz gemütlich das Wehr Große Tränke umfahren. Bis Hangelsberg sind nur noch 10 km zu paddeln. Einige paddeln bei dem nasskalten Wetter noch bis  Spreeau, aber das müssen sie, denn dort stehen ihre Autos.

Gegen 14.00 Uhr landen wir an und dürfen unsere Boote auf dem Gelände vom „Kanusport Erkner“ ablegen. Im Übrigen wird dieser Kanuanbieter und Kanuverleiher seinen Standort in Erkner aufgeben und gänzlich nach Hangelsberg umziehen. Die Paddler beziehen wieder ihr Quartier in der Müggelspreehalle und die Kanubären bereiten im Bürgerhaus das große Abendevent vor.

Jörg Stampe hat es geschafft, fast alle seine Vereinsmitglieder in die Vorbereitung mit einzubeziehen. Bei den meisten Fahrten, die ich kenne, hat der Fahrtenleiter nur ein, zwei Mitstreiter, aber hier müssen alle ran. Und nun wird geputzt, geschnippelt, gemixt und gerührt. Kurz bevor die Kanuten gegen halb sieben den Saal stürmen ist alles geschafft und Jörg bedankt sich bei den phantasievollen Köchinnen und Köchen.

Dann ist es so weit, nach Begrüßung durch Jörg ist das Buffet eröffnet. Für alle Geschmachsrichtungen ist etwas dabei. Sogar die in Mode gekommenen Veganer und Vegetarier werden bedacht. Mein Favorit ist wie im vergangenen Jahr wieder die Saunasuppe. Nun bin ich schon etwas älter und habe noch die unsäglichen Steckrübensuppen der Nachkriegszeit in Erinnerung. Ich habe die Steckrübensuppe aber trotzdem probiert und war überrascht, wie gut sie geschmeckt hat. Es war aber auch sehr viel Fleisch darin. Ich glaube, das hat vor 60 Jahren gefehlt. Einige versuchen wirklich, sich durch alle Suppen  durchzuprobieren, es war nicht zu schaffen. Auch ich habe mich gebremst, um zum Dessert noch Heikes Waffeln mit reichlich Eierlikörsahne zu probieren. Als alle endlich platzesatt waren, wurde das Licht gedimmt und bei Kerzen-Schummer-Licht zog der DJ seine Regler hoch und es durfte bis weit nach Mitternacht getanzt werden.

Auf dem Heimweg schien noch der Mond am klaren Himmel, aber irgendwann öffneten sich die Schleusen und es goss wie aus Eimern, dazu wehte ein stürmischer Wind, dass ich schon ans Kneifen dachte. Aber mit dem erwachenden Tag hörte es endlich auf und hielt sich auch bis gegen 14.00 Uhr. Frühstück gab’s wieder im Bürgerhaus, dazu frisch gebrühten Kaffee und Heißwasser von den eifrigen Kanubären.

Anschließend geht es also wieder in die Boote. Gut verpackt in Fleecepullover, Anorak, mit Pudelmütze und Paddelpfötchen und unter der Spritzdecke ist es heute wirklich nicht kalt. Allerdings paddeln wir auch recht zügig, um uns warm zu halten.

Wir stauen wieder über die fleißigen Biber. Sie haben es sogar geschafft, dass einige Bäume gefällt wurden. Wenn die so weitermachen, stehen in zehn Jahren an der Alten Spree keine Bäume mehr.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir an der Jägerbaude angekommen und legen eine kleine Pause ein. Leider ist der Wirt durch eine große Gesellschaft leicht überfordert und nach Blick ins Wetterradar, fahren wir nach einer halben Stunde lieber ohne Mittagessen weiter. Nun hat sich auch der Wind etwas gelegt, so dass über den Dämeritz-See nur noch ein leichter Rückenwind weht. Zum Glück scheinen die Erkneraner Politessen am Sonntag nicht zu arbeiten, unsere Autos am Kurzzeitparkplatz an der Sparkasse sind noch unbezettelt. Kaum haben wir unsere Boote verladen, fängt es auch wirklich an zu regnen.

Vielen Dank an die Veranstalter von den Berliner Kanubären. Das war wieder eine tolle Fahrt zum Jahresende, aber behaltet das mit dem Schnee und den Schrippen mal im Auge.

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