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In unserem Sportprogramm steht als erste Aktivität eines neuen Jahres immer ein Treffen der Kanuwanderer am 01. Januar auf dem Gipfel des Fichtelberges. Ja, da haben sich wirklich seit 2008 etwa 10 bis 15 Sportfreunde getroffen, die die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr im Erzgebirge in Rittersgrün, Oberwiesenthal, Crottendorf und Johanngeorgenstadt verbrachten. Diese Treffen sind gewissermaßen ein Relikt unserer zahlreichen Silvesterfahrten zu früheren Jahren. Die erste Silvesterfahrt fand am Jahresende 1978/1979 statt. Vorher war ich einmal zur Silvesterfeier in unserem Tiefbau-Bootshaus gewesen. Allerdings war ich von der nachmitternächtlichen zweistündigen Heimfahrt so genervt, dass ich als Neuerung für die Sektion Kanu eine Silvesterfahrt nach Geising organisierte.

Die erste Fahrt war gleich legendär. Ziel war Geising im Osterzgebirge. Wir waren noch recht problemlos dorthin gelangt. In Geising war alles schnee- und frostfrei, während über das Fernsehen schon die Horrormeldungen von der Ostseeküste und vom Norden kamen. Am Silvesternachmittag hatte die Kaltfront dann auch Geising erreicht. Von Null Grad am Nachmittag fiel das Thermometer bis Mitternacht  auf minus 21 Grad und es schneite heftig. Für die Heimfahrt per Bahn benötigten wir dann den ganzen Neujahrstag, das Land war in eine Winterstarre verfallen.

Als Quartier bestellte ich in all den Jahren eine Jugendherberge. Anfangs gab es in den Herbergen noch keine Verpflegung. Also kauften wir vor Ort ein und bereiteten ein deftiges Silvesterbuffet mit einer Apfelsinenbowle vor. Das mit den Apfelsinen war gar nicht so einfach, aber dank Schalk-Golodkowski haben wir es immer geschafft, einen großen Eimer Apfelsinenbowle zu mixen. In späteren Jahren, als in den Jugendherbergen Verpflegung gereicht wurde, gab es dann auch ein durch die Herbergen ausgerichtetes großes Silvesterbuffet. Trotzdem haben wir unseren Eigenkreationen immer etwas nachgetrauert, aber zur Zeit organisieren wir ja wieder einige Veranstaltungen, wo wir unserer Fantasie freien Lauf lassen können.

Hinsichtlich eines Quartiers musste ich sehr flexibel sein. Nicht immer klappte es mit einem Wunschquartier, und so zogen wir quer durch die ganze Republik, sehr oft waren wir in Köthen (bei Märkisch-Buchholz) und Geising, aber auch in Trassenheide, in Münchehofe, in Jöhstadt, in Königstein, in Prebelow und in Gojatz. Für den Aufenthalt in Trassenheide wurde von mir für jeden eine Flasche Sekt in Aussicht gestellt, der ein freiwilliges Bad in der Ostsee nimmt. Bei Wassertemperaturen um die 4 Grad sind doch tatsächlich sechs Sportfreunde in die kalte Ostsee gestiegen, darunter Ulla und Christel. Großzügig hat man mir dann drei Flaschen Sekt erlassen. Aber wieder war eine Tradition geboren. In den Folgejahren wurde, wenn ein See vorhanden war, immer am 01. Januar von einigen Mutigen angebadet.

Zum Jahreswechsel 1990/1991 waren wir letztmalig in einer Jugendherberge und zwar in Köthen am Köthener See. Danach fuhr nur noch eine kleine Gruppe ins Isergebirge nach Janov, ein Quartier, welches von Heinz K. organisiert wurde. Ich hatte dann für den Jahrtausendwechsel noch einmal die Jugendherberge Köthen bestellt, aber inzwischen gab es dafür keine Interessenten mehr. In den folgenden Jahren feierte jeder entsprechend seines Geldbeutels in einem anderen Ort, die meisten aber zu Hause.

2003 waren Marita, Bernd und ich mit dem SCBG im Januar zu einem Wintertrainingslager in Johanngeorgenstadt und waren von den dortigen Möglichkeiten für den Skilanglauf total begeistert. Allerdings dauerte es dann noch drei Jahre, bis wir endlich in das „Hotel an der Kammloipe“ einziehen konnten. Seit dem sind wir „gelistet“ und konnten uns auch immer mehr ausbreiten, denn über Silvester sind alle Quartiere auf dem Kamm des Erzgebirges ausgebucht. Von den neunmal, an denen wir jetzt in Johanngeorgenstadt waren, lag allerdings dreimal kein Schnee und so leider auch in diesem Jahr. Aber da in ganz Deutschland bis in Höhen von 1500 m kein Schnee lag, war das zu verschmerzen.

Einen Tag nach Weihnachten trafen fast alle Teilnehmer der diesjährigen Fahrt, also Marita und Bernd, Beate und Jan, Ralf und Andy, Nicole und Anja mit Lilly, Sabine und Wolfgang, in Johanngeorgenstadt ein. In drei bis vier Stunden ist die etwa 300 km lange Anfahrt zu schaffen. Unser Hotel hat einen schönen Gemeinschaftsraum, wo wir am Abend den mitgebrachten Wein trinken und am Spieltisch ordentlich zocken können.

Am Montag wandern wir über die Kammloipe nach Weitersglashütte. Die ersten 800 m geht es von unserem Hotel stetig bergan. Aber das ist gerade bei guten Schneeverhältnissen das Schöne, man fährt zum Abschluss einer Skitour praktisch bis vor sein Bett. An der „Dreckpfütz“ hat man eine Höhe von ungefähr 930 m über NN erreicht. Danach geht es über den Butterweg und den Hirschleckenweg ständig ganz leicht bergan und bergab. Der höchste Punkt ist am Abzweig der Anschlussloipe zum Restaurant Sauschwemme mit 950 m üb NN erreicht. An der nächsten Kreuzung führt die Anschlussloipe nach links zum Skigrenzübergang in Richtung Tschechien nach Jeleni und nach rechts abwärts nach Oberwildenthal.

Aber wir halten uns weiter gerade aus. Alsbald erreichen wir die einzige etwas steilere Abfahrt. Hier war in den vergangenen Jahren mal eine römische Zwei angebracht, in diesem Jahr gab’s nur noch ein gelbes Ausrufezeichen. Die Abfahrt ist etwa 250 m lang mit einem schönen Auslauf. Bei sehr schnellem Schnee kann man diese Strecke auch mal abschnallen. Alsbald sehen wir rechtsseitig einen kleinen See, denn wir bei Schnee und Eis noch nie wahrgenommen haben.

Danach erreichen wir nach rd. 7 km auch schon Weitersglashütte und das Restaurant „Zum Kranichsee“. Die Siedlung entstand um eine 1624 gegründete Glashütte an der Frühbußer Passstraße.  Die Glashütte hatte in der Folgezeit viele Besitzerwechsel. In der Glashütte wurde zum Ende zu vor allem Tafel- und Nutzglas hergestellt. Ab 1907 ruht der Betrieb der Glashütte. 1913 erwirbt das im benachbarten Carlsfeld ansässige Glashüttenwerk die Weitersglashütte, ohne die Öfen jedoch wieder in Betrieb zu nehmen. Bis 1937 erfolgt der vollständige Abbruch der Hüttengebäude. Das Hotel „Zum Kranichsee“ befindet sich auf den Grundmauern der ehemaligen Glashütte.

Nach dem Mittagessen geht es auf den Rückweg. Ralle findet auf dem Smartphon einen angeblichen parallelen Rückweg, der sich dann aber als ganz gemeiner steil auf und ab führender Zick-Zack-Weg erweist. Aber schließlich landen wir wieder an der „Dreckpfütz“  und sind alsbald nach 15 km wieder an unserem Quartier angekommen.

Am Dienstag fahren wir mit dem Auto nach Weitersglashütte und setzen unsere Wanderung auf der Kammloipe fort. Nach einem längeren Aufstieg sind wir wieder auf dem Kamm, wo es dann gemütlich weitergeht. Beim vierten Abzweig nach Carlsfeld verlassen wir die Kammloipe und über den Sachsenberger Weg  wandern wir weiter parallel zum Ufer bis zur Staumauer der Talsperre Carlsfeld.

Sie wurde von 1926-29 für den Hochwasserschutz und zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung erbaut. Einst befand sich an der Stelle des heutigen Stausees ein weites Wiesengelände, die "Weiterswiese", mit insgesamt acht Häusern, die 1926 abgerissen wurden. Das gestaute Gewässer ist die Wilzsch, ein Nebenfluss der Zwickauer Mulde. Die Talsperre hat bei Vollstau einen Wasserinhalt von 3 Mio. m3 und eine Wasseroberfläche von 46,7 ha. Die Bruchsteinmauer ist bis zu 31,8 m hoch und an der Krone 206 m lang.

Wir überqueren die Staumauer und halten uns danach rechts in Richtung Weitersglashütte, das wir zur Mittagszeit erreichen. Nach dem Mittagessen fahren wir nach Eibenstock mit dem Ziel der dortigen Badegärten. Allerdings ist der Andrang so gewaltig, dass wir gleich wieder umkehren und nach Morgenröthe-Rautenkranz weiterfahren. Im Geburtsort von Sigmund Jähn, dem ersten deutschen Raumfahrer, besuchen wir das Raumfahrtmuseum. Am interessantesten ist der eingangs gezeigte Film, der einen Flug zur Raumstation ISS und das Leben auf dieser Raumstation zeigt.

Im Ausstellungsbereich der bemannten Raumfahrt werden hauptsächlich die Flüge mit deutschen Kosmonauten und Astronauten dokumentiert. Natürlich wird der Flug des ersten deutschen Kosmonauten Dr. Sigmund Jähn besonders hervorgehoben. Neben Originalraumanzügen und Forschungsgeräten gibt es viele interessante Exponate, die vom ganz alltäglichen Leben in der Schwerelosigkeit berichten und wie die Ergebnisse der Flüge in Medizin, Biologie, Industrie und im täglichen Gebrauch genutzt werden. Beeindruckt haben mich besonders die überaus lobenden Worte der westdeutschen Astronauten über Sigmund Jähn, der ihnen wohl manchen Weg im russischen Sternenstädtchen geebnet hat.

Für den Mittwoch schlage ich einen Ausflug nach Karlsbad vor, da unser letzter Besuch bereits acht Jahre zurück liegt. Über den Grenzübergang von Johanngeorgenstadt nach Potůčky (Breitenbach) ist die Fahrtstrecke weitaus kürzer (Geöffnet seit dem 16. Januar 2008 für Fahrzeuge) als damals noch über Oberwiesenthal. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir bereits in Karlsbad angekommen und haben allerdings als erstes das Problem, 100 Kronen in Münzen für den Parkplatz aufzutreiben. Aber unsere Euro nimmt jeder Kiosk gern an. Anschließend bummeln wir entlang der Tepla bis zum Hotel Pup und auf der anderen Flussseite wieder zurück.

Wir sind begeistert von den vielen alten Bauwerken aus der Gründerzeit, erbaut zwischen 1875 und 1915, sowie den vielen Kolonnaden, die dem Kurbetrieb dienen. Natürlich haben wir das Karlsbader Wasser probiert. Auch wenn es gesund sein soll, es schmeckt grässlich, besser ist da schon der Becherovka. Einige gönnen sich ein Mittagessen, vier Mann landen in einem kleinen Biedermeiercafè mit einem hervorragenden Kuchenangebot.

Nach Ablauf der Parkzeit treffen sich alle wieder an den Fahrzeugen zur Rückfahrt.

Donnerstag, Silvestertag. Da es an Silvester immer schwierig ist, in Johanngeorgenstadt ein Mittagessen zu bekommen, wandern wir entlang des Bergbaulehrpfades nach Potůčky (Breitenbach). Erste Station ist der Pferdegöpel. Der 1946 abgerissene Pferdegöpel wurde nach der Wende wieder errichtet und am 30. Oktober 1993 mit einer Bergparade feierlich wieder eingeweiht. Entlang des Bergbaulehrpfades finden wir viele Zeugnisse des alten Silberbergbaus sowie der Wismut-Zeit. Besonders interessant sind natürlich die ehemaligen Mundlöcher der alten Stollen, dazu finden wir Schacht Weiße Taube, Freiberger Glück Stolln, Gegenglück Stolln und zum Schluss das Schaubergwerk Frisch Glück.

Aber alle Mundlöcher sind verschlossen, obwohl eine abenteuerliche Besichtigung natürlich reizt. Nach Mündung des Jugelbachs in den Breitenbach, bildet dieser die Grenze zu Tschechien. Auf der anderen Uferseite sehen wir die Straße, auf der wir am gestrigen Tag nach Karlsbad fuhren. Kurz nach dem Schaubergwerk biegen wir nach rechts ab und stehen auch schon am Grenzübergang. Ein Schritt und wir sind in Tschechien im Ort Potůčky (Breitenbach). Potůčky ist seit Sommer 1991 durch seine zahlreichen Straßenläden und Verkaufshallen vornehmlich vietnamesischer  Inhaber sowie nach Eröffnung des Grenzübergangs für PKW ein vielbesuchter Ort für deutsche Einkaufstouristen geworden. Man traut sich kaum, eine der vielfältigen Auslagen zu bestaunen, da wird man schon zum Kauf animiert. Wir schlendern durch die große, aber heute sehr zugige und kalte Verkaufshalle bis wir endlich gegen 12.00 Uhr das Restaurant Breitenbach ansteuern. Außer Nicole finden alle ein passendes Essen und es hat auch geschmeckt. Auf dem kürzesten Weg geht es anschließend bergauf. Alle wollen vor der Silvesterfeier noch etwas Vorschlafen.

Unser Hotel organisiert für seine Gäste eine schöne und auch nicht allzu teure Silvesterfeier. Beginnend mit einem Drei-Gänge-Menü und weiterführend mit einer zünftigen Disco, bei der auch wir ordentlich abrocken können, vergeht die Zeit bis Mitternacht recht kurzweilig. Im Gegenteil, einmal schafft es unser „Tanzkreis“ sogar, alle anderen von der Tanzfläche zu verdrängen. Ich möchte aber nicht wissen, was die sächsischen Gäste da über „die Berliner“ gedacht haben. Pünktlich 24.00 Uhr lässt der DJ seinen Tusch für den Jahreswechsel ertönen und wir wünschen uns ein gesundes und interessantes Kanutenjahr 2016. Danach strömen alle ins Freie, und nun wird geballert, was der Handel so hergibt (Wir haben die Warnungen beherzigt und nichts in Tschechien eingekauft!). Am Nachmittag hat es auch leicht zu schneien begonnen und inzwischen liegen etwa 2 cm Schnee. Nach der Knallerei gibt es noch einen herzhaften Mitternachtsimbiss, dem eifrig zugesprochen wird. Gegen 02.00 Uhr ist dann aber langsam Schluss und einer nach dem anderen wankt die eine Treppe hoch zu seinem Bett, wie angenehm.

Das Frühstück am Neujahrstag beginnt für uns erst um 09.30 Uhr. Eigentlich sind alle wieder erstaunlich frisch. Sechs Frau/Mann fahren danach nach Oberwiesenthal, vier Sportfreunde wandern ins Steinbachtal und auf den Auersberg. Um 15.30 Uhr finden wir uns dann auf dem Fichtelberg mit Regina und Dieter zu unserem seit vielen Jahren traditionellen Treffen ein.

Heute scheint übern Fichtelberg die Sonne, es ist bei einer dünnen Schneedecke fast windstill. Nur im Nordosten ist weit unter uns eine dicke Wolkenschicht zu sehen, in früheren Jahren wehte hier meist ein eisiger Wind.

Nach zwei Stunden fahren wir wieder zurück nach Johanngeorgenstadt und können das abendliche und bezaubernde weihnachtliche Flair der mit zig beleuchteten Schwibbögen in allen Fenstern der Orte Tellerhäuser, Rittersgrün und Breitenbrunn bewundern.

Am 02. Januar 2016 ist der Kurzurlaub schon wieder vorbei und nun freuen wir uns auf die vielen Wanderfahrten des neuen Jahres.

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