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Ach diese Wetterexperten in den Rundfunkstationen, erst prophezeien sie Nieselregen für unseren Wandersonnabend und dann scheint ab Mittag die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Selbst wenn sie orakeln, es regnet Schusterjungen, Sportfreunde, lasst Euch davon nicht beeindrucken – es gibt kein schlechtes Wetter! 21 Sportfreunde ließen sich zum Glück von der Negativprognose nicht beeindrucken und trafen sich gegen halb Elf am Bahnhof Caputh Schwielowsee.

Den 22. trafen wir dann am Bahnhof Caputh, Manfred reiste mit der Bahn an. Unsere Wanderbeate hatte eine Wanderung um den Schwielowsee westlich von Potsdam vorgeschlagen. Aus Urheberrechtsgründen kann ich hier leider keine Kartenskizze einfügen, also müssen wir es bei einer Beschreibung belassen. Der See hat eine Längenausdehnung von 5,4 km und eine größte Breite von 2 km, Daraus ergeben sich eine Fläche des nahezu ovalen Sees von 7,8 km2 und ein Umfang von rund 16 km, zumindest auf dem mit einem roten Strich auf weißem Grund markierten Wanderweg. Wir umrunden den See im Gegenuhrzeigersinn. Nachdem alle endlich auf unterschiedlichen Wegen angekommen sind (ein PKW musste sogar die Fähre in Caputh nutzen, obwohl alle aus Berlin kamen), setzt sich die Truppe in Bewegung. Über die Schwielowseestraße gelangen wir ans Caputher Gemünd und queren die Havel über die mit der Eisenbahn verbundene Fußgängerbrücke, um alsbald die Brücke  über den Wentorfgraben zu erreichen. Der Wentorfgraben verbindet den Templiner See über den Petziensee mit dem Schwielowsee, auf der Tour von Potsdam nach Werder sind wir hier schon entlang gepaddelt. Nach wenigen Metern sind wir an der Baumgartenbrücke angekommen.

Eine Brücke an dieser Stelle hat eine lange Geschichte. Vor dem Bau der ersten Brücke gab es eine Furt, danach lediglich eine Fährverbindung über die Havel. Der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm ließ 1676 eine 120 Meter lange Holzbrücke erbauen. Sie besaß eine Vorrichtung zum Öffnen des Mittelteils, um die Schiffsdurchfahrt zu ermöglichen. Als vielbefahrenes Teilstück der Reichsstraße 1, der heutigen B1  überspannte ab 1909 die erste stählerne Bogenbrücke die Havel. An ihren beiden Bogenenden wurden 1910 Tierfiguren aufgestellt, jeweils rechts ein Fischotter und links ein Windhund. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, am 30. April 1945, sprengten Soldaten der Wehrmacht die Brücke, um den heranrückenden alliierten Truppen den Übergang zu erschweren. Eine nach dem Krieg vorübergehend mit Muskelkraft betriebene Seilfähre ersetzten Pioniere der Sowjetarmee durch eine hölzerne Brücke.

Das Provisorium wurde 1950 wieder entfernt und es entstand die vierte Baumgartenbrücke aus Fachwerkträgern. Die Tierfiguren konnten jedoch nicht mehr aufgestellt werden, da sie nach 1945 demontiert und abtransportiert waren. Dem wachsenden Verkehrsaufkommen hielt die schmale Brücke kaum stand. 1989 wurde sie durch eine breite, sanft geschwungene Spannbetonbrücke ersetzt. Mit Hilfe der Landesregierung Brandenburgs kamen die beiden Skulpturen der Fischotter am 6. September 1994 wieder an ihren historischen Platz am östlichen Havelufer unterhalb der Brücke. Die beiden Figuren der Windhunde sind verschollen. Diese Stelle eignete sich hervorragend für ein Gruppenfoto.

Gegenüber dieser Skulptur befindet sich die historischen Gaststätte Baumgartenbrück -  die Brühlsche Terrasse am Schwielowsee. Das Restaurant befindet sich seit 1826 im Familienbesitz mit herrlich am Wasser gelegenem Biergarten, wo schon Theodor Fontane speiste.  

Über eine Treppe mit dem Warnschild „Unbefugten ist das Betreten der Treppe nicht gestattet!“ gelangen wir aufs Niveau der Baugartenbrücke. Ich versichere den Schilderaufstellern, wir haben an der Treppe nichts zerstört. Wir überqueren die Havel. Im Norden ist in drei Kilometern Entfernung die Inselstadt Werder zu sehen. Nach der Brücke verlassen wir die B1 und wandern nun in westliche Richtung.

Auf der linken Seite befindet sich nunmehr der riesige Hotelkomplex des  Resort Schwielowsee in Petzow.  Die Betreibergesellschaft „Theodor Fontane Besitz- und Betriebsgesellschaft“ war in die Schlagzeilen geraten, als Resort-Chef Axel Hilpert im Jahr 20111 auf offener Straße verhaftet wurde. Dabei geht es in einem Rechtsstreit mit der Gesellschaft um die Rückzahlung der vor rund zehn Jahren gewährten 9,2 Millionen Euro Fördermittel. Aber das Hotel ist immer noch in Betrieb, zumindest ist der Parkplatz mit vielen PKW gut ausgelastet.

Endlich verlassenen wir die befestigten Straßen und biegen auf einen Feld- und Waldweg ein. Mittlerweile ist es gegen 12.00 Uhr und für einige Sportfreunde ist dringend die Mittagszeit angebrochen. Also wird am Seeufer eine kleine Pause zum Verzehr eines Imbisses eingelegt. 

Nach dieser kurzen Pause gelangen wir südlich des Dorfes Petzow in den von Peter Joseph Lenné gestalteten Schlosspark. Diese Gartenanlage liegt direkt am Schwielowsee und gibt den Blick frei auf das Schloss Petzow, ein Bau im Stilmix aus Tudor- und anderer Neogotik. Es gehörte der Adelsfamilie von Kähne, die auch die umliegenden Ländereien besaß und hier mehrere Ziegeleien betrieb.

Der Park wird an seiner westlichen Seite durch die beiden Schilftürme begrenzt und ist Teil des von Lenné erstellten Gesamtkonzeptes für den Park in den Jahren 1820 bis 1850. Die im Stile einer mittelalterlichen Wehrbefestigung gehaltenen Bauwerke haben auffällige Ähnlichkeiten mit dem Nauener Tor in Potsdam. Von hier aus führte früher ein Steinwall  bis zum Ortseingang von Petzow.

Über Löcknitz, Mittelbusch und Neue Scheune gelangen wir in das alte Fischerdorf Ferch. Immer wieder gibt es einen schönen Ausblick auf den Schwielowsee. Langsam klart der Himmel auf, die Wolken verziehen sich immer mehr und geben den Blick frei auf die Frühlingssonne.

Schon Theodor Fontane war auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg fasziniert vom Schwielowsee und schrieb darüber:

Der Schwielow ist gutmütig, so sagten wir; aber wie alle gutmütigen Naturen kann er heftig werden, plötzlich, beinahe unmotiviert, und dann ist er unberechenbar. Eben noch lachend, beginnt ein Kräuseln und Drehen, nun ein Wirbel, ein Aufstäuben, ein Gewölk – es ist, als führe eine Hand aus dem Trichter, und was über ihm ist, muß hinab in die Tiefe.... Es gibt ganze Linien, wo die gescheiterten Schiffe liegen…. die Sonne stand hinter einem Gewölk, so daß alles Glitzern und Blenden aufhörte, und nach links hin lag jetzt in Meilentiefe der See. Ein Waldkranz, hier und da von einzelnen Pappeln und Ziegelessen überragt, faßte die weiten Ufer ein; vor uns, unter Parkbäumen, Petzow und Baumgartenbrück, nach links hin, an der Südspitze des Sees, das einsame Ferch ...“

Ferch liegt am Südende des Schwielowsees am Rand der Zauche, einer hügeligen, waldreichen Moränenlandschaft. Die höchste Erhebung Ferchs und gleichzeitig der Zauche bildet mit 124,7 Metern ü. NN der Wietkiekenberg. Der Ort wurde 1317 als Verch erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf Verch gehörte zu jener Zeit zum Besitz des Klosters Lehnin. Gegen 1375 ging Ferch in den Besitz der Adelsfamilie von Rochow über. Ab 1804 bis in das 19. Jahrhundert waren die Fercher der Plessower Linie der Familie von Rochow lehnspflichtig.  Am 8. November 1881 wurden alle Verpflichtungen, die die Fercher Bewohner gegenüber dem Patronatsherrn von Rochow hatten, aufgehoben. 1878 wurde das Dorf von dem Maler Hagemeister entdeckt, der hier Motive für seine Landschaftsmalerei fand. Die damalige Abgeschiedenheit und die vielseitige Natur um Ferch lockten die Künstler an den Schwielowsee und begründeten damit eine Malerkolonie.

Nach 1999 wurde von Ferch bis Caputh ein Uferwanderweg gebaut, den wir heute entlang wandern können. Damit können wir jetzt durch ganz Ferch den freien Blick auf den Schwielowsee genießen.

An diesem Uferweg treffen wir gegen halb Zwei auf die von Beate angekündigte Gaststätte – die Bootsklause. Ein passender Name für hungrige Kanuten.

Gut gesättigt schaffen wir auch noch den Rest des Weges, und nach knapp 16 km haben wir am Bahnhof Caputh Schwielowsee unseren Rundweg beendet. Vielen Dank an die Fahrtenleiterin Beate. Wir sind schon alle auf die nächste Frühjahrswanderung gespannt, aber jetzt wird endlich gepaddelt.

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