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Die 39. Wildwasserfahrt auf erzgebirgischen Wildflüssen fand in Abstimmung mit dem Sächsischen Kanuverband vom 01.04.bis 04.04.2016 statt. Die LKV-Fahrt stand unter Leitung des Sportclubs Berlin-Grünau mit der Fahrtenleiterin Anne F. Der Ausschreibung waren 8 Vereine, Einzelmitglieder der LKV und Nichtorganisierte mit insgesamt 32 Sportfreunden gefolgt (davon 23 Sportfreunde vom LKV Berlin und vom LKV Brandenburg, 3 Sportfreunde vom LKV NRW, 4 Sportfreunde vom LKV Sachsen-Anhalt und 2 Sportfreunde vom LKV Bayern). Die gesamte Mannschaft war in der Jugendherberge Warmbad Wolkenstein untergebracht.

Am Sonnabend erhalten wir von der Talsperre Rauschenbach ein Zuschusswasser von 4,42 m3/s. Die angereisten Sportfreunde absolvieren mit großer Begeisterung die Flöha auf der 13,1 km langen Strecke vom Fuß der Talsperre Rauschenbach bis eingangs Olbernhau. Der kleine Parkplatz an der Natzschungmündung war leider wegen einer Baustelleneinrichtung gesperrt. Auf Hinweis der Magdeburger Sportfreunde finden wir dann eine geeignete Aussatzstelle rund 600 m vorher. Leider muss so auf die Befahrung des letzten Wehres verzichtet werden.

Vor Fahrtbeginn informiert uns ein Mitarbeiter der Landes-Talsperren-Verwaltung von Sachsen über die Rauschenbach-Talsperre. Sie wurde als wichtige Wasserbaumaßnahme der DDR von 1960 bis 1968 errichtet und dient der Trinkwasserversorgung von Chemnitz sowie dem Hochwasserschutz. Die Staumauer ist 346 m lang und bis zu 47,9 m über der Gründungssohle hoch. Sie staut die Flöha auf eine Länge von ca. 3 km an und hat ein Fassungsvermögen von 15,2 Mio. m³, davon fließen für unseren Sport ca. 40 000 m³ (2,6 %) ab. Die Staufläche beträgt insgesamt 11,458 km2, davon entfallen 9,943 km2 auf die deutsche und 1,515 km2 auf die tschechische Seite. Einige dürfen auch einen kurzen Blick in die Kontrollgänge innerhalb der Schwergewichtsmauer werfen. Beeindruckend sind die Messeinrichtungen, die die horizontalen Bewegungen der Sperrmauer registrieren. An der Mauerkrone beträgt dieser Wert je nach Stauzustand bis zu 2 cm.

Das Wasser kommt aus den Grundablässen und hat zu allen Jahreszeiten eine Temperatur von 4o Celsius. Auf den 13,7 km (bis zur Natzschungmündung) geht es 87,9 Höhenmeter bergab, das entspricht einem durchschnittlichen Gefälle von 6,4 %0.

Nach diesen informativen Erläuterungen geht es zur offiziellen Eröffnung der Fahrt. Als erstes taufen Frank, Jenny, Holger und Ralf zünftig ihre neuen Wildwasserboote. Wir wünschen ihnen allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Durch Wolfgang gibt es noch einige Hinweise zum Fluss und besonders zur Gefällstufe unter der Straßenbrücke in Neuhausen. Endlich war die lange Eröffnung vorbei und die Fahrt kann durch Anne mit dem Schlachtruf „Sport – Frei!“ der neuen Bundesländer eröffnet werden.

Auf dem ersten Streckenabschnitt bis Neuhausen ist der Fluss recht schmal, Büsche und Bäume reichen teilweise recht weit in die Fahrrinne hinein und man muss ständig auch mit umgestürzten Bäumen rechnen. Aber dieses Mal geht es glatt durch. Bald grüßt der Kirchturm von Neuhausen, und wenn dieser in greifbare Nähe gerückt ist, folgt die Gefällstufe unter der Straßen- und Eisenbahnbrücke. Was den Paddler hier erwartet, kommt völlig überraschend.

Links und rechts sind hohe Stützmauern. Erst nach einer Linkskurve ist in der darauf folgenden Rechtkurve das starke Gefälle mit dem gewaltigen Schwall in Flussmitte erkennbar. Am besten ist es, man fährt genau in diesen Schwall hinein. Zwar nass, aber ungekentert und ohne Grundberührungen kamen bisher alle (außer zwei Ausnahmen) über diese Stelle hinweg. Heute kentert leider Frank, nachdem er bereits alles überstanden hatte.

Beim Sturzwehr in Dittersbach ist in diesem Jahr wieder der links befindliche Schütz gezogen. Fast alles Wasser fließt hier durch, damit ist das Wehr fast trocken. Somit entfällt der starke Rücklauf, auf den bei der Einweisung noch hingewiesen wurde. Das nächste Wehr in der Nähe des Bf Seiffen wurde vor drei Jahren abgerissen, nur eine kleine Schwallstrecke erinnert noch an dieses Wehr. Nur die Mutigsten trauten sich damals rechtsseitig durch den gezogenen Schütz. Die Meisten rutschten über das nur feuchte Schrägwehr. Alsbald mündet von links die Schweinitz. Ab hier befindet sich auf der linken Seite Tschechien. Und dann ist auch schon nach 1,5 km das heutige Tagesziel erreicht. Unser Serviceteam empfängt und hilft uns beim Anlanden. Gegen 14.00 Uhr haben alle die 13,1 km bei herrlichem Sonnenschein geschafft.

Wolfgang hatte uns bereits im Gasthof Hilmersdorf avisiert und nach 15.00 Uhr fallen 32 hungrige Kanuten im Gasthof ein und werden wie jedes Jahr hervorragend und vor allem schnell verköstigt.

Nach dem Abendbrot bekommen alle bereits das Video des Tages zu sehen, einmal die Aufnahmen von einem Standort außerhalb des Flusses und dann noch den Mitschnitt der Helmkamera von Ralf von vielen Unterwegsstrecken. Beide Filme werden später noch zusammen geschnitten und dann kann jeder wieder eine DVD der 39. Wildwasserfahrt bei Wolfgang erwerben.

Für den Sonntag versprechen die IPads viel Sonnenschein und schönes warmes Wetter. Um 09.30 Uhr startet die kleine Autokolonne in Richtung Blauenthal. Im Zschopautal angekommen, gibt es allerdings eine unliebsame Überraschung. Die B 101 Richtung Annaberg ist gesperrt und wir müssen eine große Umleitung fahren. Unser Vorsprung der halbstündigen früheren Abfahrtszeit ist damit aufgebraucht. Weit nach 10.00 Uhr kommen wir in Blauenthal an. Es folgt das übliche Startprocedere: Umziehen, alle Autos nach Aue bringen, die Kraftfahrer wieder zurück fahren und nach 11.00 Uhr starten wir als letzte Gruppe in Blauenthal. Wir bekommen heute von der Talsperre Eibenstock 9,94 m3/s Zuschusswasser (übrigens über 1 m3/s mehr als im vorigen Jahr).

Von der Talsperre Eibenstock bis Aue ist die Mulde ein teilweise schwerer Wildfluss und ist nur mit entsprechender Wildwasserausrüstung zu befahren. Von den 10 Wehren bis Aue müssen vier Wehre umtragen werden. Infolge der stark schwankenden Wasserstände gibt es auch ständige Veränderungen im Flusslauf. So muss gleich das erste Schrägwehr linksseitig befahren werden. Der gesamte rechte Durchfluss ist durch Geschiebe unfahrbar geworden.

Auch das Wehr der Blaufarbenwerke Blauenthal hat sich durch Abbrüche etwas verändert. Es muss die zweite Öffnung von rechts im linken Drittel befahren werden (s. Foto fast ohne Wasser). Die zweite Öffnung von links wäre ebenfalls ganz rechts befahrbar. Aber unterhalb des Wehres muss sofort nach rechts eingeschwenkt werden, wenn man nicht auf den dortigen Felsen knallen will.

Die zweite Öffnung von links wäre ebenfalls ganz rechts befahrbar. Aber unterhalb des Wehres muss sofort nach rechts eingeschwenkt werden, wenn man nicht auf den dortigen Felsen knallen will.

Die ehemalige Eisenbahnstrecke Chemnitz – Adorf wurde zwischen 2010 und 2013 von Aue nach Wolfsgrün zum Muldetalradweg ausgebaut. Mit dem Fahrrad kann man die Paddler in unmittelbarer Nähe begleiten, sehr viel besser, als das mit dem Auto geht.

Kurz nachdem linksseitig der Radweg aus dem ehemaligen Eisenbahntunnel kommt, befindet sich das Auerhammerwehr 1. Obwohl über die Fischtreppe fahrbar, untersagt das der private Wehrbetreiber, bei Nichtbefolgung hat er auch schon mal die Polizei verständigt.

Zwei Kilometer vor Aue beginnt die Wildwasserstrecke III. Das Serviceteam quält sich den Steilhang von der Straße zum Radweg hinunter, um von dort aus die besseren spektakulären Fotos und Filme zu machen. Aber heute meistern alle die oft zu Schwimmeinlagen verführende Eingangsstufe.

Am nächsten Wehr – Auerhammer 2, heißt es links aussteigen. Nur die ganz Mutigen lassen hier ihr Boot liegen, alle anderen tragen das Wehr und den danach folgenden „Kachelofen“ um. Der gewaltige Kachelofen ist eine felsige Naturstufe Wildwasser IV. Nach ausgiebiger Besichtigung fahren diese Stufe Holger und Ralf. Trotz Umbau und Kombination mit einem Kraftwerk ist der Weg zum Umtragen nicht besser geworden. Wieder wurde hier eine günstige Gelegenheit zum Bau einer Einstiegsstelle vertan.

Nur 200 Meter weiter ist das Klappenwehr in Aue (Auf dem Foto mal ohne Wasser). Auch hier wurde vor Jahren ein Kraftwerk eingebaut. Der Kraftwerksbetreiber hat für die Zeit von 13.00 bis 14.00 Uhr das Klappenwehr abgesenkt. Nur mit dieser Maßnahme kann das Wehr auf der linken Seite umgetragen werden. Holger, Ralf und Sven haben keine Lust, sich auf der glitschigen Umtragestrecke die Beine zu brechen und fahren das Wehr und gelangen sicher nach unten. Im Prinzip gibt es im Unterwasser nur eine Linie, und die muss man treffen.

Aber Wehre sind ja kein Wildwasser. Das kommt aber noch mal auf den anschließenden 200 Metern mit hohem Gefälle und hohen Wellen. Hier heißt es wieder, voll in den höchsten Wellenberg hineinzufahren. Alle, außer Tilman, der aber sofort die Kenterrolle ansetzen und vollenden kann, meistern die Durchfahrt. Danach ist das „Schlimmste“ vorbei. Am Pennymarkt befinden sich nach 12,5 km das Ziel sowie die trockenen und warmen Sachen. Inzwischen sind aber die Temperaturen auf über 20 Grad geklettert.

Nachdem alles wieder verladen ist haben wir natürlich Hunger. Und gegen 15.00 Uhr sind wir im „Ferienhotel Markersbach“ am Unterbecken des Pumpspeicherwerks Markersbach. Obwohl wir eigentlich zur Kaffeezeit einfallen, bekommen wir doch, zwar mit erheblicher Wartezeit, wieder ein prima Mittagessen. Auf der Rückfahrt umgehen wir die lange Umleitung, in dem wir direkt über Wolkenstein fahren.

Am Montag, der dritte Tag unserer „Wildwasserfahrt auf erzgebirgischen Wildflüssen“, weisen die Pegel immer noch keine fahrbaren Wasserstände auf. Aber verblüffender weise finden wir einen Fluss, der noch paddelbar ist – die Chemnitz. Keine Ahnung, woher auf diesem Bach das Wasser kommt. Von den paar Zentimetern Schnee, die hier am Freitagmorgen lagen, aber längst getaut sind, kann es wohl kaum sein. Aber auf der Pegelliste sind 9,36 m3/s verzeichnet, ein ausreichender Wasserstand. Nur noch 18 Sportfreunde, alle anderen sind bereits am Sonntag wegen des „drohenden“ Wanderangebots nach Hause gefahren, fahren in Richtung Taura nördlich von Chemnitz. Wir wollen aber nur die beiden Wildwasserstrecken im Schweizerthal und bei Mohsdorf befahren. Es ist bereits einige Jahre her, dass wir das letzte Mal auf der Chemnitz waren. Wegen einer neuen Umgehungsstraße in Flöha verfährt sich Wolfgang im Führungsfahrzeug gleich gewaltig und landet doch in Chemnitz, was er eigentlich vermeiden wollte. Aber am Ende lots er doch alle sicher über alle Ampeln und nach 10.00 Uhr kommen wir in Taura an. Auch unsere „alte“ Einsatzstelle hat sich verändert. Die ehemalige stille Seitenstraße gibt es nicht mehr, also stellen wir uns auf den breiten Fußweg. Beim Pendeln stellen wir noch fest, dass auch das Eingangswehr am Schweizerthal abgerissen wurde.

Kurz vor 11.00 Uhr startet die erste Gruppe und trifft kurz danach in der mit vielen Felsen ver-blockten Stelle des Schweizerthals ein. Fast 500 m geht es nun zwischen und um die Felsen im Fluss herum. Immer wieder heißt es die Kehrwasser zu nutzen, um die nächste Durchfahrt zu erkunden. Leider legen Tilmann und Anne eine kleine Badepause ein. Aber heute ist es wieder sehr warm (der Filmer rennt nur im T-Shirt rum), auch kommt das Wasser eher aus einem Klärwerk und nicht aus einer Talsperre und ist deshalb etwas wärmer.

Am Ende des verblockten Schweizerthals wird nach 500 weiteren Metern das Wehr Diethendorf erreicht. Mit dem Bau des rechtsseitig abzweigenden Kraftwerkskanal wurden die vorhandene fahrbare Fischtreppe und das Wehr total verschandelt. Bei diesem Wasserstand können die Paddler ihr Boot über die Wehrkrone heben, müssen aber anschließend den Fluss durchwaten und ihr Boot noch 200 m weiter schleppen, um endlich wieder einsetzen zu können. Aber auch hier ist es noch recht mühsam, bis endlich der Kraftwerkskanal wieder in die Chemnitz mündet. Der aufwendige Umbau dieses Wehres war bestimmt nicht billig, ein simpler Kanu-Fisch-Pass wäre preiswerter gewesen, aber davon hat man anscheinend in Sachsen noch nichts gehört. Dafür hat man in den letzten 25 Jahren mit über 250 Kleinkraftwerken die sächsische Flusslandschaft mit ihren Biotopen nachhaltig zerstört und den Kanusport auf die wenigen Hochwasserzeiten verbannt.

Drei Kilometer nach dem Wehr Diethendorf macht die Chemnitz eine scharfe Biegung nach rechts und unterquert eine alte Eisenbahnbrücke. Danach schließt sich wieder eine kleine Gefällstrecke mit einigen kleineren Felsen im Fluss an. Hier sollte die rechte Durchfahrt gewählt werden. Nach einer Besichtigung kann man sich auch in der linken Durchfahrt, die aber schwieriger ist, versuchen. Einer nach dem anderen saust alsbald die Gefällstufe abwärts, aber mit großen Abständen, so dass der Videofilmer jeden Paddler auf der ganzen Strecke gut verfolgen kann. Nach dieser letzten Wildwassereinlage beenden wir nach 5,8 km an der Straßenbrücke der S 240 unsere diesjährige Wildwasserfahrt im Erzgebirge. Alle Neulinge waren stark beeindruckt, welche wildwassertechnischen Schwierigkeiten unsere Flüsse zu bieten haben, die es durchaus mit einigen Alpenflüssen aufnehmen können. Wenn nur mal wieder ordentlich Schnee liegen würde mit einer anständigen Schneeschmelze, dann hätten wir noch mehr Asse im Ärmel.

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