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Am Gründonnerstag haben sich 22 Sportfreunde in Pasewalk beim Lokschuppen Pomerania eingefunden. Zwei Sportfreunde reisten erst am Freitag direkt zum Start in Prenzlau an. Wir bezogen unser Quartier in Salonwagen des ehemaligen Regierungszuges der DDR. Die Schlafabteile waren sehr individuell wieder hergerichtet worden. Ein Waggon war unser Aufenthaltsraum mit Tischen und Stühlen sowie einer Bar mit Geschirr, Besteck, Wasserkocher und Kaffeemaschine. Am Abend war allgemeines Ankommen und geselliges Beisammensein nach Erkundung der Örtlichkeiten.

 

Am Karfreitag gab es um acht Uhr ein reichhaltiges Frühstück, und um neun Uhr war Abfahrt nach Prenzlau. Diesmal ist Holger mit Bootsanhänger gefahren, so dass das Pendeln sich wesentlich einfacher gestaltet hat. Ich bin an diesem Tag nicht gepaddelt, sondern mit Jörg und Christine (klein) zum Wehr nach Nieden gefahren, wo die Mittagspause stattfinden sollte. Jörg hat für die ganze Meute für Freitag und Samstag Eintopf gekocht, den wir in einem Gulaschkessel über einem kleinen Feuerchen heiß gemacht haben. Es gab Irish Stew mit Lammfleisch und frischem Brot. Anja hat sich etwas später auch noch zu uns gesellt, sie ist ebenfalls nicht gepaddelt und hat das Auto von ihrem Bruder Ralf gependelt. Leider war das Wetter nicht so schön, es war bedeckt, windig und ein paar Regentropfen waren gelegentlich auch dabei. Kleine Anekdote:

Kaum hatten wir das Feuer angemacht, kam sogleich die freiwillige Feuerwehr… aber nicht zum Löschen, sondern um Wasser aus der Uecker für das abendliche Osterfeuer zu entnehmen. Unsere Paddler waren pünktlich zur Mittagszeit da und freuten sich über den heißen Eintopf. Nach dem Essen haben wir aufgeräumt, unsere Kanuten sind weiter gepaddelt und wir wieder zum Lokschuppen nach Pasewalk gefahren.

Um 16.30 Uhr haben wir uns für eine Führung durch den Lokschuppen vor diesem eingefunden. Im Lokschuppen war es gefühlt kälter als draußen, so dass wir hinterher ganz schön durchgefroren waren.

Am Samstag sind wir direkt vom Lokschuppen weiter gepaddelt bis nach Torgelow. Unterwegs gab es wieder eine Bootsgasse, die wir alle ohne Probleme gemeistert haben.

Diesmal ist Sven nicht mitgepaddelt und hat Jörg mit dem Eintopf für unsere Mittagspause geholfen. Diese fand an einer Sohlgleite statt, man konnte über eine etwas holprige Bootsgasse nebenan herunterfahren. Es gab ganz leckeren Erbseneintopf mit Gänsefleisch, der wieder in unserem Gulaschkessel über einem Feuerchen heiß gemacht wurde.

Nach dem Essen sind wir weiter gepaddelt, einige haben umtragen, einige sind die Bootsgasse runter gefahren, mit Verlusten! Lisa ist mit ihrem Paddel zwischen zwei Steinen hängen geblieben, so dass das Paddelblatt abgeknickt ist, Petra ist mit ihrem Boot unglücklich gegen einen Stein (von den vielen) gekommen, ihr Boot hat ein Leck, und Anja hat ihre Paddel auch an einer Ecke demoliert. Ich habe mein Boot von Holger herunterfahren lassen und habe mich lieber der Videokamera gewidmet.

Da das Wetter am Samstag einfach wunderschön war, verlief die restliche Etappe sehr gemütlich und ohne besondere Vorkommnisse. Kurz vor Torgelow sind wir am „Ukranenland“ vorbei gepaddelt, das ist ein archäologisches Freilichtmuseum. Torgelow ist ein hübsches Städtchen mit einem weiteren Mittelalterzentrum. Vor dem Stadtwehr befindet sich ein Wasserwanderrastplatz, wo wir unsere Boote ablegen konnten. Da der Platz umzäunt und abgeschlossen war, Holger jedoch die Telefonnummer von dem zuständigen Mann hatte, der uns aufschloss, konnten wir die Boote bis zum nächsten Tag dort liegen und auch den Bootshänger dort stehen lassen.

Am Abend haben wir beim Lokschuppen gegrillt und ein Feuer in einer großen Feuerschale angemacht. Bei Gitarrenmusik von Manuel und allgemeinen Gesang von unserem sportlichen Chor ging der Tag sehr entspannt zu Ende. Das Außengelände des Lokschuppens ist wirklich sehr schön gestaltet, mit Spielplätzen für die Kleinen und Feuerstellen und Grillplätzen für die Großen.

Der Ostersonntag … ja, der fing schon bei uns abenteuerlich an, da ja die Uhrzeit umgestellt wurde, und Holger und ich morgens völlig durcheinander waren, weil wir nicht wussten, ob sich unsere Uhren nun alleine umgestellt hatten oder nicht. Letztendlich waren alle pünktlich beim Frühstück, außer Christel, die saß in ihrem Abteil und hat gelesen. Dann ging es los nach Torgelow. Während die Autos mit Bootsanhänger gependelt wurden, haben die Gebliebenen die Boote getreidelt.

Es gab dort eine Treidelstrecke, die sehr gut gemacht war, aber man von der Ausstiegsstelle zum Treidelanfang nicht gut hinkam. Paddeln ging nicht, Boote schieben ging wegen der Strömung nicht, also hat Anne in einem Boot gesessen und die anderen Boote von einer auf die andere Seite geschoben, von dort mit einem Seil weiter auf die nächste Seite unter eine Brücke durch bis zur Treidelstrecke… das kann man nicht erklären!

Aber es hat dann doch nach anfänglichen Schwierigkeiten alles geklappt, und als die Männer vom Pendeln kamen, waren alle Boote am Ende der Treidelstrecke angekommen. Dort haben wir dann eingesetzt und mussten ein Stück weiter noch über eine Bürsten-Bootsrutsche. Da wurden die Boote dann auch von unten sauber!

Die weitere Strecke war bei schönem Wetter problemlos. Einige wollten in Ueckermünde aufs Haff hinaus paddeln, aber es war ziemlich windig, so dass wir alle an der ursprünglichen Ausstiegsstelle angelandet sind. Dort wurden die Boote auf den Anhänger und auf die Autos verladen, anschließend sind wir zum Essen an den Hafen in ein nettes Restaurant gegangen, welches Anja erkundet hatte. Es war ein bisschen Meeres-Urlaubs-Feeling, und deshalb haben wir nach dem Essen einen Spaziergang ans Haff gemacht. Dort hat uns ein schöner Strand empfangen und Pavillons mit Souvenirs und Kaffee. Abends wurde im Lokschuppen noch einmal ein Feuer gemacht.

Am Ostermontag hat Jörg mit uns eine Stadtführung in Pasewalk entlang der alten Stadtmauer, die leider nur noch in kleinen Teilen besteht, gemacht. Wie immer gut vorbereitet, hat Jörg uns einen Einblick in die mittelalterliche Stadt mit ihren Besonderheiten gegeben. Noch einmal möchten wir uns im Namen aller Sportfreunde bei Jörg für die köstliche Verpflegung an zwei Tagen bedanken sowie für die immer sehr abwechslungsreichen Stadtführungen. Danke, Jörg!

Auch dieses abwechslungsreiche Osterfest ging zu Ende, und wir sind mittags alle wieder von Pasewalk nach Berlin zurückgefahren. Es war ein schönes verlängertes Wochenende auf einem uns unbekannten Fluss, der gut als Kanuwanderstrecke in den letzten Jahren ausgebaut wurde. Wir kommen bestimmt wieder.

Christine Born

Nun ein Bericht von Wolfgang über den Karfreitag

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Na mit Eis war in diesem Winter nicht viel und der Frühling wollte sich Ende März auch noch nicht so richtig zeigen. So ist es zu Ostern immer besser, auf einem kleinen Fluss zu paddeln, als über große Seen mit ihrem noch recht kalten Wasser. Wir hatten uns für dieses Ostern deshalb mal nicht für den Spreewald sondern für die Ucker/Uecker entschieden. Eigentlich ist es derselbe Fluss, aber in Brandenburg heißt er Ucker und in Vorpommern Uecker. Auch sollte das Standquartier in der Jugendherberge Prenzlau sein. Die war aber bei der Anmeldung bereits belegt. Unser Wanderwart Holger hat dann in Pasewalk ein fast preislich gleichwertiges Quartier gefunden, aber vom Charakter her eine völlig andere Unterkunft. Die ehemaligen Eisenbahner von Pasewalk haben nach Abwicklung ihres Eisenbahnstandortes einen Verein gegründet und vermarkten nun das Bahnbetriebswerk (Bw) als Eisenbahnmuseum (http://www.lokschuppen-pomerania.de/), darüber hinaus haben sie fünf Salonwagen des ehemaligen Regierungszuges der DDR übernommen. Diese werden nun als Schlafwagen vermietet. In jedem elektrisch beheizten Abteil befinden sich ein Doppelstockbett und ein kleiner Schrank. Ein Waggon ist nur mit Tischen und Stühlen möbliert, und er kann am Abend als Aufenthaltsraum genutzt werden. Frühstück gehört zur Übernachtung dazu, das gibt es in einem Raum des Bw und nicht in dem ebenfalls vorhandenen Speisewagen.

Der Karfreitagmorgen ist grau und trübe, auch regnet es einzelne Tropfen. Nach dem reichhaltigen Frühstück fährt die Autokolonne gegen neun Uhr in Richtung Prenzlau zum Wasserwanderrastplatz an der Ucker.

Der Platz ist von der Straße aus nicht einfach zu finden. Man erreicht ihn über einen Feldweg, der von der Triftstraße abzweigt. Die Autos wurden dann auf einem Parkplatz in der Nähe einer Autowerkstatt an der Triftstraße abgestellt. Um 10.22 Uhr eröffnet Holger unsere Osterfahrt auf der Ucker am Kilometer 3,2; denn noch sind wir in Brandenburg. Der Fluss führt einen mittleren Wasserstand, das heißt, wir haben keinerlei Grundberührungen zu befürchten. Trotzdem liegt der Wasserspiegel etwa 2 m unter Geländeoberkante. Links und rechts wächst überall Schilf, noch ist es herbstlich braun, vom frischen Grün ist noch nichts zu sehen.

Aber mehr sehen wir bis zur Mittagspause am Wehr in Nieden auch nicht, nur Schilf, Schilf und wieder Schilf. Dafür hat der Fluss hier eine ordentliche Strömung, und mit unserem leichten Wanderschlag kommen wir locker auf 8 bis 9 km/h. Am linken Ufer befinden sich blaue Schilder mit der Kilometrierung und so haben wir an Hand der Kilometertafeln und unserem Wasserwanderatlas eine einigermaßen gute Orientierung. Nach 12 km unterqueren wir die Eisenbahnbrücke der Strecke Berlin – Stralsund. Von den in der Karte gewarnten Steinen ist nichts zu merken. Gleichzeitig überqueren wir die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern, ab hier heißt unser Fluss nun Uecker. Von hier sind es nur noch drei Kilometer, etwa eine halbe Stunde, bis zum Wehr in Nieden. Hier wartet schon Jörg mit einem großen Kessel Irish Stew. Holger hat dafür extra ein Dreibein, einen Kessel und reichlich Holz für ein Kochfeuer mitgebracht. Jeder kramt nun seine Essschüssel und einen großen Löffel hervor. Mit drei Kellen Suppe und einer Kelle als Nachschlag sowie einer Scheibe Brot werden alle satt. Aber bald drängt es uns wieder in die Boote, trotz heißer Suppe wird uns langsam erbärmlich kalt. Immer noch tröpfelt es leicht bei etwa 9…10 Grad. Aber beim schnellen Paddeln wird uns bald wieder warm. Nach dem Einsetzen queren wir die Straßenbrücke von Nieden – Nechlin. Konnten wir anfangs nur hintereinander paddeln, wird der Fluss langsam etwas breiter, neben zahlreichen Meliorationsgräben münden in den Fluss die Quillow, der Dauergraben, der Steinfurther Bach, der Seegraben und die Schiefe Möhne. An schilfbewachsenen Ufern schlängelt sich die Uecker an Schmarsow vorbei. Vom Ort selbst sehen wir jedoch nichts, da die Ufer hier wieder sehr hoch sind. Ab und zu gibt es ein paar Büsche. In der Nähe führt immer mal dichter, mal weiter entfernt, die Bahnstrecke an der Uecker entlang, auf der wir alle halbe Stunde einen Zug vorbeirauschen hören. Sonst ist es ziemlich still, bis wir am Kilometer 23 die Brücke der A20 erreicht haben: Diese Brücke überspannt das gesamte Tal auf wohl einem Kilometer. Mal schmal, mal etwas breiter fließt die Uecker nun auf die Steinwurf-Sohlschwelle Papendorf zu, wo es den Planern und Ausführenden gelungen ist, eine paddelbare Bootsgasse zu bauen.

Von etwa einem Kilometer unterhalb der Sohlgleite Papendorf bis kurz vor der Bundesstraßenbrücke 109 in Pasewalk wurde im Zuge von Renaturierungsmaßnahmen der alte Ueckerverlauf wieder hergestellt. Sowohl der begradigte als auch der renaturierte Ueckerarm sind ohne Probleme befahrbar. Vor der betonierten Furt fahren wir nach rechts in den renaturierten Abschnitt. Erstaunlicherweise ist hier der Pflanzenbewuchs bereits recht weit fortgeschritten. Dieser Streckenabschnitt ist der schönste des Tages, sehr kurvenreich windet sich der Fluss durch die Landschaft.

Nach Unterquerung der B 109 sind wir bereits in Pasewalk. Rechts befindet sich ein Wasserwanderrastplatz. Wir paddeln nur noch ein kurzes Stück weiter zum Mühlenwehr Pasewalk. Das Wehr muss rechts umtragen werden. Dafür schleppen wir unser Boote wenige Meter über die Mühlenstraße, bis wir es unterhalb des Wehres an einer Pfahlreihe rechts wieder in die Uecker einsetzen können. 200 Meter weiter passieren wir die Brücke der Bahnhofstraße in Pasewalk. Wir nehmen die rechte Durchfahrt und genießen einen kleinen Schwall.

Nach 300 Metern setzen wir links vor dem nächsten, neu restaurierten Wehr an einem Schwimmsteg aus, oder einige sausen gleich die folgende Bootsgasse hinab, unten gibt es auch wieder einen Schwimmsteg zum komfortablen Einsteigen. Nach 28 km haben wir unser heutiges Tagesziel so gegen halb Vier erreicht.

Über einen Wiesentrampelpfad erreichen wir auf kurzem Weg unser Quartier am Lokschuppen. Hier hat Holger zu 16.30 Uhr eine Führung bestellt. Ein ehemaliger Eisenbahner erzählt uns nun etwas über den früheren Eisenbahnknotenpunkt Pasewalk und sein Bahnbetriebswerk (Bw). Das Bw ist für die Wartung und Instandhaltung der Lokomotiven zuständig. Dazu gehören die Anlagen für das Betriebswasser (Wasserturm, Wasserkräne) die Besandungs- und Bekohlungsanlage  und die Instandhaltung (Werkstätten und Grubengleise). Hauptgebäude ist der Halbrundlokschuppen mit der 23 m-Drehscheibe. Im Lokschuppen selbst befinden sich viele historische eisenbahntypische Anlagenteile sowie Eisenbahnwagen und eine Lokomotive der Baureihe 50. Am nächsten Morgen macht Wolfgang noch eine Spezialführung zu dieser großen Lok und erklärt uns die Hauptteile, wie Feuerbüchse, Dampfkessel, Rauchkammer, Dampfzylinder, Treib- und Kuppelachsen und Windleitbleche. Zum Schluss klettern wir alle in den Führerstand, den die Wenigsten von uns schon mal betreten haben. Auch hier zeigt uns Wolfgang die wichtigsten Bedienelemente. Am meisten beeindruckt uns die schlechte Sicht des Lokführers nach vorn.

Bildnachweis: MehlaugeDR-Baureihe 50 3521-7CC BY-SA 3.0

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