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Unsere Osterfahrt war ja bereits Ende März. Und Himmelfahrt wird 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag. Der frühestmögliche Termin ist der 30. April; der spätestmögliche der 3. Juni. In diesem Jahr fiel also Himmelfahrt bereits auf den 5. Mai, zusammen mit einem Brückentag und dem folgenden Wochenende suchten wir ein Paddelrevier für vier lange Tage. Unser Wanderwart hatte dafür auf dem Wasserwanderrastplatz in Fresenbrügge (bei Grabow) an der Müritz-Elde-Wasserstraße Plätze für fünf Schlafautos und fünf Zelte bestellt. Im Laufe des Mittwochnachmittag und des Donnerstagmorgen reisten 18 Sportfreunde erwartungsvoll in für uns paddlerisches Neuland.

Die Müritz-Elde-Wasserstraße ist ein gut schiffbares Gewässer, welches sich über den Bereich der Müritz, die anschließenden Seen und den Verlauf der Elde erstreckt. Die Fließgeschwindigkeit ist eher gering, so dass man auch mit dem Kajak sehr gut flussaufwärts fahren kann. Die ursprüngliche Elde wurde bereits ab dem 14. Jahrhundert Schritt für Schritt immer mehr schiffbar gemacht wurde. Ab 1575 war sie dann durchgängig nutzbar. Eines der größten Probleme, neben den politischen Wirren jener Zeit, war der enorme Höhenunterschied zwischen Müritz und Elbe. Dazu war der Bau zahlreicher Schleusen zwischen Malchow und Dömitz notwendig. Deren Anzahl hat sich im Laufe der Jahrhunderte auf Grund besserer technischer Möglichkeiten immer wieder geändert.

Heute dient die Wasserstraße allerding nicht mehr vorrangig für den Transport von Handelsgütern, sondern als schiffbares Gewässer für den Freizeitsport. Dabei nehmen Umweltschutzgesichtspunkte einen großen Stellenwert ein, deshalb erscheint die Müritz-Elde-Wasserstraße an vielen Stellen eher naturbelassen. Die Schleusenanlagen aber sind sehr modern und zumeist auf Automatikbetrieb umgestellt worden. Die Länge der Müritz-Elde-Wasserstraße besitzt eine Gesamtlänge von 120,8 km  zwischen der Elbestadt Dömitz und Plau am See.

Die Regionen rund um die Müritz-Elde-Wasserstraße zählen mit zu den am dünnsten besiedelten Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern. Entlang unseres Weges prägt der Fluss die Landschaft und das Hinterland. Größere und kleinere Flussläufe aus dem Hinterland fließen in die Müritz-Elde-Wasserstraße. Teilweise ist parallel noch die Alte Elde erhalten und lädt zu reizvoller Befahrung ein. Wir waren überrascht von der Vielfalt der Landschaftsbilder und der Artenvielfalt entlang des Flusses. Wiesen und Weiden, beiderseits Wälder, Erlen und Weiden säumen die Ufer und im Rückstau der Schleusen können auch die Paddler über die Ufer hinausschauen.

Auf dem Weg von Dömitz an der Elbe bis hinauf zum Plauer See müssen 17 Schleusen mit einem Gesamthöhenunterschied von 49 m überwunden werden. Das erfordert ungewöhnliche Hubhöhen von durchschnittlich 2-3 Metern pro Schleuse. Eine Schleusung kann 10-20 Minuten und länger dauern! Die Pegeldifferenzen der Schleusen sind ausreichend, um Turbinen zur Stromerzeugung anzutreiben. Diese Schleusen haben wir genutzt:

  • Neustadt-Glewe (km 46,2): 2,20 m
  • Hechtsforthschleuse (km 34,8): 3,20 m (ältestes Wasserkraftwerk Mecklenburgs (1921), bis heute mit der Erstausstattung arbeitend)
  • Grabow (km 30,8): 1,97 m
  • Güritz (km 22,7): 3,06 m
  • Eldena (km 18,0): 1,40 m
  • Malliß (km 9,5): 1,96 m

Nach eiskalter Nacht weckt uns eine Sonne vom strahlend blauen Himmel. Auch versprechen die Wetterapps für die nächsten Tage sommerliches Frühlingswetter. Am Vater-, Herren- oder Himmelfahrtstag soll natürlich nicht Auto gefahren werden, und so bietet sich ab Fresenbrügge eine sehr schöne Rundtour an. Mit dem Bootswagen karren wir unsere Boote etwa 300 m bis zur Alten Elde. Vor dem Start eröffnet der Fahrtenleiter Holger die Tour mit einem „wönzigen Schluck“ Rum für die Herren und einem Schluck Likör für die heute (aber gern) geduldeten Damen. Da haben sich einige junge Männer an der Einsatzstelle ganz anders mit mehreren Kästen Bier eingedeckt, aber noch sind sie ganz friedlich.

Wenige Meter nach dem Start erreichen wir die Baustelle der A14. Für eine Baustraße liegen hier drei große Röhren im Wasser, die aber ohne Schwierigkeit durchfahren werden können, nicht mal den Kopf braucht man einzuziehen. Von der künftigen Autobahnbrücke stehen derzeit erst einige Pfeiler. Da die Autobahn künftig in höchstens 200 m Entfernung am Wasserwanderrastplatz vorbei führt, ist es nach Inbetriebnahme (vsl. 2017) mit der Ruhe dort vorbei.

Die Alte Elde ist nur etwa 10 m breit und ist von allerlei Gehölz an den Ufern bewachsen, auch weist sie eine leichte Strömung aus. Das zwingt uns meist hintereinander zu paddeln, zumal die zahlreichen ständigen Kurven besonders für unsere vier Zweierkajaks nur mit zusätzlicher Paddeltechnik zu meistern sind.

Aber für ein kleines „Prosit“ unserer Herren gibt es trotzdem einige gerade Streckenabschnitte, damit ein paar Boote zwecks Flaschenaustauschs längsseits gehen können. Nachdem wir bereits einige vom Biber angenagte Bäume erspäht haben, schwimmt die Bibermama plötzlich mit mehreren ihrer Jungen neben uns. Liebe sperrwütige Naturschützer, lasst uns bitte diesen Streckenabschnitt. Der Biber ist vor allem ein nachtaktives Tier, da hat er von uns Paddlern wenig zu befürchten.

Auf der rechten Seite ist nach 7 km in einiger Entfernung bereits die Schleuse Güritz zu sehen. Alsbald mündet die Alte Elde nach vielen Kurven in die Müritz-Elde-Wasserstraße und wir wenden uns flussaufwärts. Bis zur Schleuse Güritz ist es nicht weit. Wir haben Glück und können auch sofort in die Schleuse ohne vorherige lange Wartezeit einfahren. Aber ehe die über 3 m Hubhöhe überwunden sind, dauert es doch geraume Zeit. Hinter der Schleuse legen wir an und machen unsere Mittagspause. Danach sind es bis zur Kaffeetafel in Fresenbrügge nur noch 5 km. Insgesamt betrug die heutige gemütliche Tour nur insgesamt rund 13 Kilometer.

Am Freitag fahren nach dem Frühstück (Dank an Ute für den Frische-Schrippen-Dienst) drei hochbeladene Autos nach Hohe Wisch nördlich von Neustadt-Glewe. Vier Zweier- und vier Einerkajaks setzen in die Alte Elde ein. Wieder verspricht es ein schöner Tag zu werden. Nach 2 km mündet die Alte Elde in den Eldekanal und wenig später unterqueren wir die Autobahn A24. Vor uns eine lange Gerade, aber beidseitig stehen viele Büsche und Bäume, so dass der Fluss nie langweilig wirkt. Nach weiteren 3 km ist die Schleuse Neustadt-Glewe erreicht. Auch hier können wir relativ schnell passieren, da der Schleusenpegel am Oberwasser ist. Nach der Schleusung winkt auf der rechten Seite die Burg von Neustadt-Glewe. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Burg datiert aus dem Jahre 1331. Leider nehmen wir uns für die Burg und die Altstadt keine Zeit, sondern paddeln weiter flussabwärts.

Unterhalb von Neustadt - Glewe passieren wir noch das Industriegebiet und finden uns bald in schöner Landschaft wieder, beidseitig Kiefernwald, Sandboden und interessante Ufer, die teilweise strandartig ausgespült sind. Links erscheint die Einmündung des Brenzer Kanals, der im Sommer ziemlich zuwächst und wenig Wasser führt. Heute legen wir bei seiner Mündung an einem sandigen Ufer an und suchen für die Mittagspause ein schattiges Plätzchen. An der Mündung des Brenzer Kanals wurde mit EU-Mitteln eine langgezogene Fischtreppe errichtet, die allerdings nur mit Wildwasserbooten fahrbar erscheint.

Die Sonne brennt ordentlich vom Himmel, kein Wölkchen ist zu sehen. Da heißt es die sonnenentwöhnten Körper ordentlich zu schützen. Alsbald legen Frank und Antje wieder ein ordentliches Tempo vor und können wieder als Erste die Hebel der Selbstbedienung an der Hechtsforthschleuse bedienen. Diese Rationalisierung mag zwar für das Wasserstraßenamt (hier Lauenburg) sehr wirtschaftlich sein, aber von uns Kanuten erfordert es sehr viel Geduld. Alle erforderlichen Bewegungen der Schleusentore und der Schütze erfolgen quasi in Zeitlupe. Über eine elektrische Anzeigentafel werden wir über die jeweils erforderlichen Maßnahmen in Kenntnis gesetzt. Aber wir verhalten uns vorbildlich und akzeptieren exakt die Rot-Grün-Signalisierung. Über den Schleusen hängt auch eine Fernsehkamera, und wir wollen schließlich nicht über die Lautsprecher abgemahnt werden. Endlich ist nach über 3 m der Unterpegel erreicht. In einer langgezogenen Linkskurve geht es wieder in südliche Richtung und nach 3 km erreichen wir die Schleuse Grabow. Wieder dauert es sehr lange, ehe wir in die Schleusenkammer einfahren können. Selbst wenn keine Boote in der Schleuse sind, verhindert die Automatik eine schnelle Füllung der Schleusenkammer. Wir fahren durch Grabow.

Links und rechts sind hohe Mauern, die bei der Rekonstruktion mit einem tollen Plattenmosaik verkleidet wurden. Hinter Grabow ist es zunächst noch ein wenig vorstädtisch, rechts und links der Elde verläuft ein regelmäßig benutzter Wanderweg, rechts sind auch noch ein paar bunte Kleingärten anzutreffen. Dann wird es wieder natürlich, und in der Ferne sehen wir schon die blaue Brücke von Fresenbrügge. Nach rund 24 km landen wir gegen 16.00 Uhr an unserem Wasserwanderrastplatz an.

Heute soll mal nicht gegrillt werden, sondern es soll eine Gulaschsuppe gekocht werden. Holger hat alle erforderlichen Zutaten eingekauft, hier das Rezept für 18 hungrige Kanuten:

  • 2 kg Rindergulasch
  • 2,5 kg Kartoffeln
  • 1 kg Zwiebeln
  • 1 kg Möhren
  • 1 kg Petersilienwurzel
  • 6 große Paprikaschoten
  • 2 l Rinderbrühe
  • Gewürze, wie Salz, Pfeffer, Paprika, Lorbeerblatt, Pfefferkörner

Christine und Jörg haben schon etwas vorgearbeitet und den Gulasch mit den Zwiebeln angebraten. Die Sportfreundinnen helfen noch beim Putzen und Schnippeln des Gemüses. Danach kommen alle Zutaten in den großen Kessel und es wird mit Rinderbrühe und reichlich Wasser (die Sportfreunde haben Hunger) aufgefüllt. Holger hat an der offiziellen Feuerstelle bereits ein kleines Kochfeuer entfacht und das Dreibein aufgestellt. Alsbald köchelt die Suppe, hin und wieder umgerührt von Jörg mit einem riesigen Kochlöffel.

Nach einer halben Stunde Kochzeit ist es so weit: „Bolle, bolle, bolle. Der Tisch ist so volle. Der Bauch ist so leer. Hunger, Hunger, Hunger. Guten Appetit“. Jeder kann nun seinen Teller mehrmals füllen und löffeln, bis er satt ist und das alles für den Spottpreis von 2,30 €. Den Rest des Abends sitzen wir ums Lagerfeuer.

Am Sonnabendmorgen werden wir wieder mit Sonne von einem strahlend blauen Himmel geweckt. Heute hat Holger den Schrippendienst übernommen. Nach dem Frühstück bringen wir drei Autos nach Neu Kaliß. Nachdem die Kraftfahrer zurück sind, karren wir unsere Boote wieder zur Alten Elde. Wenn die Strecke auch etwas länger ist, paddelt sie sich doch viel interessanter, außerdem haben wir so die Schleuse Güritz umgangen. Gegen Mittag erreichen wir Eldena. Wenige Meter nach der Schleuse befindet sich rechts ein kleiner Hafen mit einer Rampe und guten Anlandemöglichkeiten für einen Zeltplatz. Aber was wichtiger ist, der im Atlas verzeichnete Kiosk entpuppt sich als kleine Gastronomie in einem neuen Blockhaus und bietet  eine Bewirtung auf der Terrasse mit Kaffee, Kuchen, Eis und Getränken, die dankbar von uns angenommen werden. Noch liegen 12 km vor uns und so müssen wir uns wohl oder übel alsbald von dem schönen Plätzchen trennen.

 Weiter geht es zur Schleuse Malliß. Hier darf mal Sabine am Selbstbedienungsstab drehen. Wieder dauert es sehr lange, da vor uns erst eine Bergschleusung stattfindet. Aber nach einer dreiviertel Stunde (!) sind wir endlich durch. Links und rechts befindet sich nun Wald, der teilweise auch etwas Schatten wirft. Denn Schatten haben wir dringend notwendig, die viele und erste Sonne in diesem Jahr hinterlässt bereits ihre ersten Spuren. Einige paddeln schon recht unlustig dem Ziel in Neu Kaliß entgegen. Aber schließlich ist das auch geschafft. Da der Betreiber des Wasserwanderrastplatzes nur für das Ausbooten eine Gebühr verlangt, was wir etwas unverschämt finden, fahren wir bis zur Schleuse vor und gehen dort nach rund 24 km an Land.

Bei der Rückfahrt finden wir am späten Sonnabendnachmittag auch in MeckPomm noch geöffnete Supermärkte vor, sodass der heutige Grillabend gesichert ist.

Am Sonntag ist allgemeine Aufbruchstimmung. Trotzdem nehmen sich einige Sportfreunde noch die Zeit, um die Fachwerkstatt Grabow, Ludwigslust mit seinem Schloss oder Neustadt-Glewe mit seiner Burg sowie die Altstadt zu besuchen.

Ein herzlicher Dank an den Wanderwart und Fahrtenleiter Holger, hat er uns doch wieder zu einem uns unbekannten Gewässer geführt. Aber zwischen Plau und Neustadt-Glewe gibt es noch 70 km Neues zu entdecken, das sollten wir in den nächsten Jahren unter die Paddel nehmen.

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