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Am letzten Wochenende im September findet traditionell unsere Pilzsuchfahrt statt, in diesem Jahr zum 32. Mal. Seit über 25 Jahren wird die Fahrt von Marita und Bernd vorbereitet und geleitet. Entsprechend der herbstlichen Jahreszeit organisierten sie jeweils Quartiere in verschiedenen Bungalowsiedlungen in Brandenburg oder Mecklenburg. Denn wichtigster Teil der Unterkunft sollte eine Selbstkochküche sein, um die gefundenen Pilze auch zu einem leckeren Pilzgericht zubereiten zu können. In diesem Jahr war wieder „Ihr Familienpark“ am Kleinen Labus-See bei Wesenberg unser Ziel.

Die Bungalows haben zwei Schlafräume, einen Wohn- und Aufenthaltsraum, eine kleine Küche und einen Sanitärraum. Im Freigelände gibt es eine große Feuerstelle mit einer großen überdachten Sitzfläche.

Am Freitagabend beginnt es beim Abendbrot plötzlich heftig zu regnen, so dass alle in ihren Bungalows blieben. Aber am Sonnabendmorgen weckt  uns ein strahlend blauer Himmel, nachdem die Sonne die letzten Morgennebel weggebrutzelt hat. Im Familienpark gibt es natürlich auch einen hervorragenden Schrippendienst.

Nach dem Frühstück treffen sich alle an der Feuerstelle zur Eröffnung der Fahrt. Die Fahrtenleitung gratuliert als Erstes Manuela, der Frau unseres Musikus Peter, zum 60. Geburtstag sowie Sabine und Dieter, die schon etwas älter wurden. Alle hatten im September ihren Ehrentag.

Dann werden alle Teilnehmer in den Wald zum Pilze suchen geschickt. Nach einer Stunde trudeln alle wieder ein, allerdings mit leeren Körben. Die Trockenheit der letzten Wochen hatten nicht einen Pilz, nicht einmal giftige Pilze, sprießen lassen. Der kurze Regenguss des Vortages hatte da auch nichts mehr bewirken können. Also müssen wir uns wieder aufs nächste Jahr vertrösten lassen.

Anschließend fährt die ganze Autokarawane nach Wesenberg zum Ortsausgang Richtung Neustrelitz. Hinter der Havelbrücke befindet sich linksseitig ein Feldweg, der zu einer geeigneten Einsatzstelle in einer Schilflücke führt. Auch bestehen am Feldrain genügend Parkmöglichkeiten für unsere Fahrzeuge.

Gegen halb zwölf Uhr sitzen wir dann nach dem obligatorischen Gruppenfoto in den Booten und paddeln über den Woblitz-See in Richtung „Camping- und Ferienpark Havelberge am Woblitzsee“.

Jedes Mal, wenn ich hier vorbeifahre, packt mich unendliche Trauer und Wut, handelt es sich doch hier um das ehemalige Kanulager des DKSV. In 44 000 freiwilligen Arbeitsstunden wurden von den Kanusportlern in den sechziger Jahren ein Klubhaus, eine Wohnung für den Heimleiter, Sanitärräume, eine Straße und Fußweg vom Bahnhof Groß Quassow, ein Bootsschuppen, ein Pumpenhaus für die Wasserversorgung und eine Konsum-Verkaufsstelle errichtet. Zusätzlich förderten die Mitglieder den Aufbau durch Spendenmarken von 1,-- und 2,-- Mark. Der Endwert des Objektes wurde auf etwa 1,4 Mio Mark geschätzt, wobei 0,6 Mio Mark durch Eigenleistungen der Mitglieder aufgebracht wurden. Ich selbst habe bei Wasserwanderungen im Sommer 1964, 1965 und 1966 im Kanulager gezeltet. Besonders in Erinnerung ist mir noch der Touristische Mehrkampf 1965, der hier stattfand.

Wegen ständiger Querelen zwischen den Nutzern, den Kanuten, sowie dem Heimleiter und dem Kanulagerbeirat, wies der Vorsitzende des DTSB 1972 den DKSV an, das Kanulager als zentrale Sportstätte aufzugeben. Den endgültigen Todesstoß erhielt das Kanulager, als es 1978 von der Campingplatzorganisation „Haveltourist“ übernommen wurde. Nach 1990 bemühte sich der damalige Generalsekretär des DKSV Werner Lempert bei der Treuhandanstalt sowie später der DKV um die Rückübertragung der von den Kanuten geschaffenen Anlagen. Da der DKSV aber nie als Eigentümer von Grund und Boden eingetragen war, blieben diese Bemühungen erfolglos. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Userin war nicht für eine Zusammenarbeit mit dem Kanuverband zu gewinnen. Das gesamte Gelände wurde dem Campingpark „Havelberge Groß Quassow übereignet.

Wir legen für unsere Mittagspause direkt gegenüber dem Campingpark auf der linken Havelseite an. Das kategorische Verbotsschild haben wir beflissentlich übersehen. Nach einer Stunde setzen wir unsere Fahrt über die Havel fort. Alsbald ist die Ausfahrt zum Großen Labus-See erreicht.

Der Wind hatte erheblich aufgefrischt und kommt bei der Fahrt zum Kleinen Labus-See ganz fies von der Seite, so dass die Hinterfrauen im Zweier erheblich nass werden (Ja, bei uns sitzen die Männer vorn und fahren auf Schlag). Alsbald wird der Kleine Labus-See erreicht. Vor rund 70 Jahren hätten wir am DKV-Kanuheim angelegt, welches sich hier bis 1945 befand.

DKV-Kanuheim, später Internationale Jugendherberge der FDJ

Als die Verbandsleitung des DKSV das Heim weiter nutzen wollte, konnte sie sich gegenüber der FDJ nicht durchsetzen, die das Heim als internationale Jugendherberge beanspruchte. Ich selbst habe vor 60 Jahren vom 28. zum 29.07.1956 in dieser Jugendherberge während einer Radtour durch Mecklenburg übernachtet. Ich erinnere mich noch, dass in der Jugendherberge eine rumänische Jugendgruppe anwesend war, mit denen ich kleine Münzen getauscht habe.

Der Antrag des DKV auf Rückgabe des DKV-Heimes beim Amt für offene Vermögensfragen in Neustrelitz versprach mit den vorhandenen Eigentumsnachweisen Erfolg. Jedoch stellte der DKV 1992 seine Bemühungen ein, weil der Unterhalt  des Kanuheims einschließlich der Renovierungskosten zu teuer würde. Aus heutiger Sicht muss man allerdings einschätzen, dass diese Entscheidung vielleicht zu kurzsichtig gedacht war, da sich Mecklenburg inzwischen als außerordentlich beliebtes Ziel der Kanuwanderer aus ganz Deutschland entwickelt hat. Profitieren tut davon der kleine Verein Union Wesenberg, der nun von den Kanuten als einziger Kanuverein im Herzen der Mecklenburger Seenplatte nahezu überrannt wird.

Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte unseres Verbandes kehren wir wieder in die Neuzeit und den Ferienpark zurück. Einige zurückgelassene  Fahrzeuge bringen die Kraftfahrer zur Einsatzstelle in Wesenberg zwecks Zurückholung der Bootstransporter.

Als alle wieder beisammen sind, lädt uns Manuela anlässlich ihres runden Geburtstages zum Kaffeetrinken ein. Natürlich gibt es auch einen Begrüßungssekt und selbstgebrauten Holunderlikör. Anschließend folgen die Pilzfestspiele. Die Sieger des Vorjahres, Manuela und Peter, haben sich wieder allerhand einfallen lassen. Peter spielt uns nacheinander zehn Vogelstimmen vor und wir sollen aus drei Möglichkeiten jeweils den richtigen Vogel erraten. Verblüffender weise haben alle mindestens sieben Richtige, einer hat sogar neun Vogelstimmen richtig erkannt (oder richtig geraten). Danach müssen zwei Teams ein Faltboot RZ 85 auf- und wieder abbauen. Natürlich werden dafür Sportfreunde benannt, die noch nie ein Faltboot aufgebaut haben, da sie nur unsere Plasteboote kennen. Zur Unterstützung dürfen sie sich einen Berater dazu wählen.

Alle anderen stehen drum herum und sparen nicht mit guten Ratschlägen. Gleichzeitig werden die alten Geschichten aufgewärmt, z. Bsp. als bis zur Abfahrt des nächsten Zuges in Richtung Heimat nur noch eine halbe Stunde Zeit war. Andere können die Erzählungen mit gebrochenen Holzteilen, verschluderten Flügelmuttern, versenkten Steuerstiften oder gebrochenem Steuersteven ergänzen. Der nostalgische Faltbootaufbaut erwärmt unsere Kanutenherzen ähnlich wie eine Begegnung mit dem legendären Trabbi, den fast jeder der alten Kanuten mal gefahren ist.

Zum Schluss hat Peter uns noch ein Musikquiz zu Rock-Bands, Rocksängern und deren Liedern vorgelegt, das kaum einer beantworten konnte. Auch das „Googeln“ half da nicht, im Ferienpark gibt es nämlich fast kein Netz. Gewonnen haben am Ende Max und Lisa. Wir ahnen schon, was uns da im nächsten Jahr erwartet. Wir sollten schon mal den von Max angebotenen Survival-Kurs besuchen.

Der Pilzwettbewerb fällt in diesem Jahr sehr mager aus, einfach, weil wir gar keine Pilze gefunden haben. Aber einer hat es doch geschafft, uns den kleinsten Pilz zu präsentieren. Versucht mal, ihn zu erkennen.

Am Abend entfacht der Objektleiter Herr Olaf Vogt das vorbereitete Feuer, nachdem wir uns an den köstlichen frisch geräucherten Forellen satt gegessen haben. Christiane, Andy und Peter greifen zu ihren Gitarren und bieten uns ein tolles Konzert, bei dem wir auch bei vielen Liedern kräftig mitsingen können. Als das Feuer fast herunter gebrannt ist, öffnet Svenni seinen Bus und zum Vorschein kommt noch ein ganzer Kubikmeter bestes Abfallholz aus seiner beruflichen Tätigkeit.

Am nächsten Morgen fährt die Autokolonne mit neun Fahrzeugen und vielen Booten auf den Autodächern zur Fleether Mühle.

Wir starten heute im Gegenuhrzeigersinn zu der 16 km langen Rundfahrt über Vilz-See, Labus-See, Dollbek, Gobenow-See, Drosedow-Bach und Rätz-See. So geraten wir nicht in die Mittagszeit der Schleuse Diemitz, die der Schleusenwärter auch penibel einhält. An der Schleuse ist der übliche Andrang großer Motorboote, darunter auch etlicher Leihboote. Der Schleusenwärter ist aber mit uns gnädig und wir dürfen neben den Motorbooten liegen, und so können wir gleich mit der nächsten Talschleusung abwärts fahren.

Auf den Seen haben wir heute wieder den Ostwind gegen uns, aber in der Dollbek und im Drosedow-Bach ist es fast windstill und sommerlich warm. Nach gut drei Stunden haben wir die Runde absolviert. Die meisten gönnen sich am Kiosk an der Fleether Mühle noch ein Mittagessen bevor leider wieder ein schönes Wochenende vorbei ist.

Vielen Dank an die Fahrtenleiter Marita und Bernd. Wir freuen uns nun schon aufs nächste Jahr und hoffen allerdings mal wieder auf reichen Pilzfund.

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