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Freitagabend um dreiviertel sechs stehen die ersten Teilnehmer der diesjährigen Winterspree bereits im Bürgerhaus in Hangelsberg am Tresen, zischen das erste Bier und warten, dass der Fahrtenleiter den Start auf die Müggelspreeturnhalle freigibt, denn noch tobt dort eine Sportveranstaltung. Aber pünktlich um 18.00 Uhr gibt Jörg den Start frei und geht zur Einweisung mit in die Turnhalle. Zeitiges Kommen sichert natürlich für jeden eine Turnmatte, aber ich glaube, am Ende haben die Matten für alle gereicht, zusammen mit der eigenen Thermarest-Matte ist das dann fast ein Boxspringbett.

Die Besatzung hinterm Tresen

Einige beehren noch den Hangelwirt zum Abendessen, finden sich aber alsbald wieder zu den moderateren Preisen im Bürgerhaus ein. Bis 21.00 Uhr trudeln auch die Letzten zur Begrüßung durch den Fahrtenleiter ein. Im Anschluss zeigt Wolfgang vom SCBG einen Film von der 39. Wildwasserfahrt des LKV Berlin. Mit einer Mischung von Filmen zweier Helmkameras sowie  von spektakulären Standorten am Ufer bekamen die Zuschauer einen guten Eindruck  der interessantesten Wildwasserstrecken der Flöha, der Zwickauer Mulde und der Chemnitz (An dieser Stelle seien alle Wildwasserinteressenten zur 40. Fahrt auf erzgebirgischen Wildflüssen zum ersten Aprilwochenende 2017 eingeladen). 

Danach bittet Jörg die Gruppenfahrtenleiter zur Obleutebesprechung.  Außer den wichtigsten organisatorischen Hinweisen und Belehrungen erhalten sie  für ihre Gruppe auch einen Aufkleber fürs Boot und Fahrtenbuch sowie die Wertmarken für die Verpflegung an der Großen Tränke. Die meisten Teilnehmer kennen sich von vielen gemeinsamen Fahrten und so gibt es viel zu erzählen. So gegen halb zwölf wankt dann auch der Letzte in Richtung Müggelspreehalle.

Aber am Sonnabend kann man etwas länger schlafen. Ab 08.00 Uhr ist das Bürgerhaus wieder zum Frühstück geöffnet, frisch gebrühter Kaffee und heißes Wasser für die Teetrinker stehen bereit. Einige haben sich auch frische Schrippen (und Kuchen) beim Bäcker geholt. Da man schon am Vorabend sein Boot im Ruderbootshaus in Fürstenwalde ablegen konnte, fahren wir heute ganz ökologisch gegen 10.00 Uhr mit der Bahn zum Startort. Ein herzlicher Dank sei an dieser Stelle an die Deutsche Bahn gerichtet, da sich in Hangelsberg kein Fahrkartenautomat befindet, sponsert sie immer die Fünf-Minuten-Fahrt nach Fürstenwalde.

 Jörg eröffnet die 39. Winterfahrt auf der Spree

Zur Eröffnung um 11.00 Uhr begrüßt der Fahrtenleiter Jörg über 70 Sportfreunde, dabei sind Kanuten von sieben Berliner Vereinen aus dem Spree-Dahme-Revier, vom LKV Brandenburg Kanuten aus Brandenburg, Eisenhüttenstadt, Milower Land, Potsdam, Rehbrücke und Schwedt, vom LKV Mecklenburg-Vorpommern Kanuten aus Greifswald und Rostock, vom LKV Sachsen Kanuten aus Görlitz  und vom LKV Thüringen Kanuten aus Jena und Sömmerda. Die weiteste Anreise hatten Sportfreunde aus Jena und Rostock. Warum die Paddler vom Berliner Havelrevier diese tolle Wochenendfahrt ignorieren, will sich mir nicht ganz erschließen. Ihr wisst gar nicht, was ihr alles verpasst.

Nach einigen organisatorischen Hinweisen ertönt endlich das dreimalige „Sport frei!“ und wir starten spreeabwärts in Richtung Große Tränke.

Eröffnungzeremoniell

Heute ist es kalt, nasskalt und knapp über Null Grad, dazu weht uns ein kalter West-Nord-West entgegen. Da helfen nur Pudelmützen, Paddelpfötchen und Fließpullover unterm winddichten Anorak sowie sich auf den anschließenden 5 km ordentlich warm zu paddeln. Aber das gehört schließlich zu einer ordentlichen Winterfahrt dazu. Bei km 69 des Oder-Spree-Kanals wird der Abzweig der Müggelspree am Wehr an der Großen Tränke erreicht.

Hier müssen wir sowieso aussteigen und auf der rechten Seite erwarten uns seit 39 Jahren ein Mittagsimbiss und heiße Getränke.

Am Grillstand

Am Tee- und Glühweinstand

Als sich alle aufgewärmt und auch schon wieder abgekühlt haben, heißt es weiterfahren. Der Wasserstand ist heute sehr gut. Die Fischtreppe zur Umgehung des Wehres ist fahrbar. Als erstes fahren ein paar Zweier nur mit den Steuerleuten abwärts und dann trauen sich auch die ersten Einer.

 

  

Bei dem heutigen Wasserstand ist die Fischtreppe ohne jegliche Grundberührung absolut sicher befahrbar und sollte eigentlich von jedem Kanuten beherrschbar sein. Na gut, die auf den Fotos abgebildeten, sind alle schon mal auf wilden Wassern gepaddelt.

Dank des hohen Wasserstandes fließt auf der folgenden 10 km-Strecke bis zum Ziel in Hangelsberg die Müggelspree recht flott zu Tale und nach einer guten Stunde dürfen wir bereits unsere Boote auf dem Gelände vom „Kanusport Erkner“ ablegen.

Die Paddler beziehen wieder ihr Quartier in der Müggelspreehalle, können warm duschen und sich mit einem kleinen Mittagsschläfchen auf die lange Nacht vorbereiten.  Im Bürgerhaus bereiten die Kanubären inzwischen das große Abendbüffet vor. Jörg hat es geschafft, fast alle seine Vereinsmitglieder in die Vorbereitung mit einzubeziehen. Bei den meisten Fahrten, die ich kenne, hat der Fahrtenleiter nur ein, zwei Mitstreiter, aber hier müssen alle ran. Und nun wird geputzt, geschnippelt, gemixt und gerührt. Gegen halb sieben ist alles geschafft, und Jörg bedankt sich bei den phantasievollen Köchinnen und Köchen.

Dank an die phantasievollen Köchinnen und Köche

Bevor kurz vor 19.00 Uhr die Kanuten den Saal stürmen, gelingt es mir noch, die Köchinnen und Köche hinter ihren Kreationen zu positionieren. Es werden jedes Jahr mehr Suppen, wie da sind: Gockelsuppe, Feuerexplosion, Hier ist nur gesundes Zeug drin, Mittelmeerallerlei, Orangen-Großkugel-Suppe, Polizeifingersuppe, Russische-Reste-Realität, Saunasuppe und Sojustopf. Für die Mäkelfritzen sowie für die in Mode gekommenen Vegetarier und Veganer steht auf der Rückseite der Schilder, welche Zutaten wirklich verwendet wurden.

Aber auch für Diejenigen, die keine Suppen mögen, steht ein reichhaltiges kaltes Büffet mit Nudelsalat, Lachs, gefüllten halben Eiern und einer riesen Schüssel Obstsalat  zur Verfügung.

Der Fahrtenleiter begrüßt nochmals alle Teilnehmer und eröffnet das Büffet, mit den zuletzt angereisten Kanubären sitzen inzwischen an die 89 hungrige Paddler im Saal. Ruhig und wohlgesittet wird danach das Büffet erobert. Ich erinnere mich noch an eine Schlacht am kalten Büffet im Ferienlager am Störitzsee, wo nach 10 Minuten die Tafel ratzekahl leergefegt war. Aber hier ist für alle überreichlich da. Jeder Suppenkasper bemüht sich, nur eine kleine Kelle voll zu nehmen, die Meisten schaffen aber nur 5 oder 6 Suppen. Mein Favorit ist dieses Mal die Feuerexplosion, ein Chili con carne, gekocht von einer ehemaligen „Tiefbauerin“, danke Ilka.

Endlich sind alle platzesatt, es wird das Licht gedimmt, und bei Kerzen-Schummer-Licht zieht der DJ seine Regler bis 120 Dezibel hoch, und es darf bis weit nach Mitternacht getanzt werden.

Die Nacht ist wieder sehr kalt, aber in der warmen Turnhalle und im Daunenschlafsack muss keiner frieren. Trotzdem braucht man einen guten Schlaf, um die vielen nächtlichen Schlafwandler einigermaßen zu überstehen. Am nächsten Morgen treffen die Ersten schon gegen 07.00 Uhr im Bürgerhaus ein, sind doch heute noch 24 km bis Erkner zu paddeln und dann liegt auch noch eine weite oder kürzere Heimreise vor uns.

Die Wetterapps versprechen ab 09.00 Uhr Sonnenschein. Und tatsächlich, nachdem wir unsere Fahrzeuge nach Erkner gebracht haben und mit dem Zug wieder in Hangelsberg ankommen sind, reißt der Himmel auf und übern Horizont strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Da macht natürlich, auch wenn es immer noch kalt und leicht windig ist, das Paddeln viel mehr Spaß.

 Gruppenfoto der Teilnehmer vom SCBG vor dem Start 

An den Ufern ist wieder das Werk der fleißigen Biber zu bewundern. Von der Großen Tränke bis Neu Zittau finden wir ihre Spuren. Es gibt kaum noch ein Gewässer, welches wir in den letzten Jahren gepaddelt sind, wo noch keine Biber die Bäume angeknabbert haben. Im Land Brandenburg werden die Tierchen bereits zur Plage der Wasserwirtschaft und der Landwirte, schaffen sie es doch mit ihren Wasserbauten Felder unter Wasser zu setzen und ganze Fließe abzuriegeln.

 

Nach 2½-Stunden sind wir Punkt 12.00 Uhr an der Jägerbude angekommen. Wir vertreten uns kurz die Beine. Einige Sportfreunde gehen hier essen oder beenden ihre Fahrt. Wir paddeln noch eine Stunde bis Erkner und setzen kurz vor der Eisenbahnbrücke in Erkner auf der rechten Seite aus.

Der Chronist dieses Berichtes an der Jägerbude

Vielen Dank an den Fahrtenleiter Jörg und seine fleißigen Helfer von den Berliner Kanubären. Das war wieder eine tolle Fahrt zum Jahresende, aber für die nächsten Jahre würde ich mir noch frische Schrippen zum Frühstück wünschen, das müsste doch zu machen sein.

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