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Frankreich

Frühling in der Provence 2018

 

Am Freitag, dem 13. April 2018, machten sich von unterschiedlichen Orten in Berlin 26 Sportfreunde des SCBG und Gäste auf den langen Weg in den Süden von Frankreich. Die Meisten reisten mit dem Auto in zwei Etappen mit einer Übernachtung an, zwei Sportfreunde sogar mit Bahn und Bus. Wir fuhren am Freitag gegen 10.30 Uhr los, und am Samstagmorgen um 3.18 Uhr ging der Motor des grauen Mercedes Bus nach über 16 Stunden Fahrzeit und 1.495 km am Ziel aus. Den Rest der Nacht schliefen wir eingekuschelt in unsere Schlafsäcke zu dritt im Auto. Die Fahrt war lang, aber trotz noch feuchten Wetters in Ruoms und Hochwasser auf der Ardèche sollte sie sich lohnen. Aufgrund des schlechten nassen Wetters in den Wochen vor unserer Ankunft führten die Ardèche und die Nebenflüsse sehr viel Wasser. Es sollte eine Gruppenreise ohne Gruppenzwang werden. Im Vorfeld hatten die Fahrtenleiter für jeden Tag, dank Excel, Listen ausgedruckt. Dort konnte man sich eintragen, ob man paddeln oder wandern wollte, somit war die Planung für Pendelautos einfacher. Oder man trug sich für nichts von beidem ein und relaxte zum Beispiel mit einem guten Buch auf dem Campingplatz.

Am ersten Morgen versammelten sich alle Sportfreunde zur Begrüßung durch die Fahrtenleitung und Übergabe eines nützlichen Frankreich-Souvenirs, was die Fahrtenleitung entwerfen und anfertigen ließ.

16 Sportfreunde haben sich je zu viert ein Mobilhome jeweils auf beiden Campingplätzen geteilt, was über zwei Schlafzimmer, eine kleine Küche und Sanitäreinrichtungen verfügt. Eine schöne Terrasse mit Mobiliar und jeweils ein Gasgrill pro Mobilhome vervollständigten die Einrichtung. Die anderen Sportfreunde schliefen in ihren Bussen bzw. im Zelt.

 

Pünktlich zum richtigen Urlaubsbeginn am Sonntag kam die Sonne heraus. Sie sollte für uns 14 Tage scheinen. Der Großteil unserer Gruppe machte am Sonntag eine Sightseeing-Tour entlang der Ardèche und zu den Kaskaden von Sautadet. Grandiose Ausblicke in eine grandiose Schlucht! Bei 22 Grad im Schatten und purem Sonnenschein konnten wir unseren ersten Urlaubstag in vollen Zügen genießen. Da auch für die nächste Zeit kein Regen mehr angesagt war, sollte das Hochwasser recht gut abfließen können.

Am Montag entschied sich eine kleine Gruppe mutiger Kanuten das Wasser zu testen und fuhr von Joyeuse auf der Beaume, die in die Ardèche fließt, bis zu unserem Campingplatz. Es war ein sehr guter Wasserstand und aufgrund des schönen Wildwassers hatten alle ihren Spaß. Die Wandergruppe wagte sich auf den steinigen und steilen Weg von Salavas über Sampzon auf dem großen markanten Berg und wieder runter zum Campingplatz. Auf diesem Weg kreuzten kleine Bächlein, die die Wanderer aber trockenen Fußes überqueren konnten. Am Wegesrand befand sich überall wunderbar duftender Thymian und viele Schmetterlinge waren schon im Frühlingsrausch.

Am Dienstag starteten die Paddler in Aubenas und paddelten bis Balazuc, die Wanderer starteten in Vogüe, und da es keinen Wanderweg nach Balazuc gibt, wurde erst Vogüe besichtigt und dann mit den Autos nach Balazuc umgesetzt. Beide Städte entzücken durch ihre kleinen und engen Gassen und den wunderschönen alten Häusern aus Natursteinen. Auf der Ardeche ging es immer noch recht flott zu, und die hohen Wellen sorgten immer noch für viel Spass bei unseren Kanuten. Abends haben wir uns alle zum Grillen bei den Mobilhomes getroffen.

Am Mittwoch brachen die Paddler nach Balazuc auf – dort, wo die Paddelstrecke gestern endete. Da die Strecke von Balazuc bis zum Campingplatz etwas leichter ist, nahmen zwei mutige Männer ihre Frauen im Topoduo mit. Auch die Bootsgasse am Wehr in Ruoms war durch den merklich gesunkenen Wasserstand wieder befahrbar geworden. Wir sprechen von einem Anfangspegel bei Ankunft am Samstag von 308 m³/sec auf der Ardeche, von 170 m³/sec am Dienstag, am Mittwoch war dieser bei 155 m³/sec. Die normale Hochwassergrenze befindet sich bei 80 m³/sec. Landschaftlich ist diese Strecke von Balazuc zum Campingplatz herrlich! Erstbefahrer erfahren eine Sinnestäuschung, da an einigen Stellen die Einkerbungen der steilen Felsen leicht nach oben gehen und das Wasser sanft nach unten abfällt, so entsteht der Eindruck, dass hinter der nächsten Kurve ein riesiger Wasserfall wartet.

Die Wanderer haben die Paddler am Pont d´Arc erwartet.

Für Donnerstag war die Kanutour durch die große Ardèche-Schlucht von Vallon Pont d´Arc bis Sauze über 31 km geplant – die landschaftlich beeindruckenste Strecke! Wir hatten immer noch einen immens hohen Wasserstand und einen Pegel von 140 m³/sec, so dass es keine Slalomstrecken durch Steine gab, sondern nur Wellen und Spaß. Nicht nur unsere Topoduos sondern auch unser Faltbootzweier, der wie ein ruhender Pol zwischen all den bunten Kajaks wirkte, kamen ohne Grundberührung durch. Trotz zwei Pausen haben wir die wunderschöne Schlucht mit ihren grandiosen Felsformationen recht flott durchfahren können und wurden am Ziel von unseren Wanderern empfangen. In Saint-Martin gönnten wir uns noch ein leckeres Eis, bevor wir die lange Strecke zu unserem Campingplatz wieder zurückfuhren. Es war ein schöner Tag!

Am Freitag war Halbzeit, und wir schlenderten gemütlich über den Markt in Ruoms und haben uns hübschen Schmuck, schimmlige Wurst und Käse (eine besondere Spezialität), duftende Seife und saftige Erdbeeren gekauft. Abends hat ein Sportfreund seinen runden Geburtstag mit uns nachgefeiert, es gab bunten Salat, den wir in Gemeinschaftsarbeit am Nachmittag gemacht hatten, sowie französische Salami, Käse und Baguettes, und natürlich Wein – rot, weiß, rose – was will man mehr! Mit Gesang und Gitarre ging dieser schöne laue Abend zu Ende und somit die erste Woche!

Am Samstag verlief die Fahrt nach Florac am Tarn, wo wir die zweite Woche verbrachten, reibungslos. Früh am Morgen jedoch der nächste Geburtstag, der mit einem Ständchen von uns allen und vielen Glückwünschen, Blümchen und Geschenken begann. In Florac wollten wir bis zum Ende unseres Urlaubs bleiben. Ein kleiner Ausflug am Nachmittag in die engen Gassen von Florac sollte unser Highlight werden, denn wir sind mitten in ein buntes Straßenfest gestolpert.

Am Sonntag starteten die Wanderer und die Paddler in St.Julien. Es wurde auf der Mimente und dem Tarnon bei einem sehr guten Wasserstand von 70 cm gepaddelt. Der Wanderweg führte auf einer alten Eisenbahnstrecke entlang der Mimente, so dass die Wanderer unsere verwegenen Kanuten immer im Blick hatten. Obwohl die Strecke nur kurz war, kamen wir alle recht erschöpft am Ziel an. Die Sonne drückte, die Paddler hatten mächtig zu tun an den schwierigen Stellen, und die Wanderer bangten mit ihnen und jubelten ihnen zu.

Am Montag wollten einige wieder eine Sightseeing-Tour machen, und einige wollten wandern gehen. Wir entschieden uns für Sightseeing, was im Nachhinein wohl die bessere Entscheidung war, wie sich am Abend herausstellen sollte. So fuhren wir entlang des Tarn, guckten uns Ein- und Aussatzstellen für die kommenden Tage an, fotografierten den entzückenden Wasserfall in St.Chely du Tarn, bestellten in der Pizzeria in La Malene Plätze für Mittwoch und fuhren dann auf die Hochebene, wo wir wie schon vor vier Jahren die Przewalski Pferde gesucht und wieder nicht gefunden haben. Die Wanderer sind auch auf der Hochebene gewesen  und in Kiefernwäldern gelaufen, wo sich ein Kieferprozessionsspinner breit gemacht hat, der leider bei den Wanderern für einen bösen allergischen Ausschlag gesorgt hatte, der dann auch mit Medikamenten behandelt werden musste.

Dienstag führte die Paddeletappe von Florac nach Montbrun über 19 km. Die Wanderer wurden durch die Pendelfahrzeuge in Ispangnac herausgelassen, einem süßen kleinen Dorf, was durchaus sehenswert war. Nach einigen Irrwegen zu Beginn der Wanderung haben wir aber dann doch den richtigen Weg nach Montbrun gefunden und waren lange vor den Paddlern am Ziel, was uns aber nicht störte, denn es war ja wieder ein wunderbar sonniger Tag.  Abends haben wir ein großes Spaghetti-Essen veranstaltet. Es bildeten sich kleine Grüppchen, jedes Grüppchen kochte für sich Spaghetti und eine eigene Sauce. So konnten wir viele leckere verschiedene Saucen ausprobieren. Wir haben alle viel zu viel gegessen!   

        

Gemeinsamer Grillabend an der Ardèche und Spaghetti-Essen in Florac.

Am Mittwoch starteten die Paddler in St.Enemie. Auch die Topoduos und die Faltbootfraktion waren wieder dabei. Der Wasserstand war immer noch ausgezeichnet, und so ging es auf dem Tarn auf einer landschaftlich schönen Strecke über 15 km unterbrochen von einigen Schwallstrecken Richtung La Malene. Das kleine Wehr kurz vor dem Ziel ließ noch einmal alle Herzen höherschlagen und die vorne im Topo sitzenden Frauen duschen. Die Wanderer machten eine motorisierte Bootstour von La Malene durch die Schlucht nach Les Baumes Hautes und warteten dann sehnsüchtig auf die Paddler, denn ab 15 Uhr hatten wir bereits die Pizzeria in La Malene reserviert.

Am Donnerstag schlenderten wir über den Markt in Florac und kauften die letzten Souvenirs für Freunde, Familie und Katzensitter zu Hause. Am Nachmittag begannen die Ersten schon ihre Zelte abzubauen und ihre Taschen zu packen, denn einige wollten schon am Freitag Richtung Heimat aufbrechen. Eine kleine Handvoll Paddler haben am Nachmittag noch den Tarn oberhalb von Cocures bis zum Campingplatz gefahren, es waren nur 5 km, aber die haben so viel Spaß gemacht, dass zwei von unseren Kanutinnen sich nochmals nach oben bringen ließen, um das Stück zum zweiten Mal zu paddeln.

Freitag – Rückreise. Wir hatten zwei unbeschreiblich schöne und intensive Wochen in der Provence. Das frühsommerliche Wetter hätte nicht besser sein können – vereinzelt ein paar Wölkchen am Himmel, aber sonst Sonne pur. Ein paar unserer Näschen hat es ganz schön verbrannt. Laut Wetterbericht gab es vor unserer Anreise über mehrere Wochen nasskaltes Wetter und in den kommenden Tagen soll die Temperatur wieder auf 10-15 Grad sinken. Mit uns hat der Wettergott es sehr gut gemeint. Auch das Hochwasser zu Beginn unseres Urlaubs floss recht schnell ab, aber gab uns genügend Wasser, um alle Flüsse zu befahren, die wir wollten.

Wir sind am Freitagvormittag Richtung Berlin gefahren – wie immer in einem Rutsch, Dauer: 17 Stunden und 30 Minuten mit 3 Stopps. Alle anderen Sportfreunde sind in den nächsten Tagen gesund und munter mit hoffentlich schönen Erinnerungen wieder in Berlin gelandet.

Weitere Bilder werdet Ihr demnächst auf unserer Fotogalerie vom SCBG-Kanuwandern finden.

Geschrieben von Christine Born und Lisa Renger

 

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