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Am Freitag, den 22. Februar 2019, treffen sich in der Jugendherberge Bad Sulza 122 begeisterte Winterpaddler aus 13 Vereinen. Dabei kommen 71 Sportfreunde aus den LKV Berlin und Brandenburg, 36 Sportfreunde vom LKV Sachsen-Anhalt, 3 Sportfreunde vom Sächsischen Kanu-Verband, 1 Sportfreund vom Thüringer Kanu-Verband, 2 Sportfreunde vom Hessischen Kanu-Verband, vom LKV Niedersachsen 8 Sportfreunde und vom Kanu-Verband Baden-Württemberg 1 Sportfreund. Dabei kommt der am stärksten vertretene Verein aus Potsdam-Rehbrücke mit 32 Sportfreunden.

 

Die Jugendherberge Bad Sulza

Um bei dieser Fahrt einen Platz zu ergattern, muss man sich schon bis Weihnachten des Vorjahres gemeldet haben. Maßgebend für die große Beliebtheit der Fahrt sind natürlich der schnell fließende Fluss Saale in einer interessanten Landschaft sowie die Rund-um-Versorgung von Freitagabend bis Sonntagfrüh. Dazu findet jeder ein frisch bezogenes Bett in einer warmen Unterkunft vor, was natürlich bei einem zu erwartendem kalten Wetter sehr angenehm ist.

Ein besonderes Highlight am Samstagabend ist die seit 31 Jahren durchgeführte Bierverkostung, meines Wissens eine einmalige Veranstaltung in Deutschland. Dazu spendet (!) jeder Teilnehmer zwei Flaschen Bier aus seiner Heimat. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Spitzenwert waren da schon mal 248 verschiedene Biersorten. Das wurde in diesem Jahr mit „nur“ 204 verschiedenen Biersorten leider nicht erreicht. Der Veranstalter bedankt sich bei allen Sponsoren, die aus ihren Regionen die exotischsten Biere mitbrachten, zwar alle nach dem deutschen (oder bayrischen) Reinheitsgebot, aber kaum noch mit dem typischen Pilsner-Geschmack. Erstaunlicherweise fehlten auch die Null-acht-fuffzehn Biere, wie Jever, Krombacher und Warsteiner.

Zwischen 19.00 und 21.00 Uhr gibt es am Freitagabend ein warmes Abendessen. Aber bis dahin schaffen fast alle die Anreise, denn Bad Sulza liegt sehr zentral in deutschem Lande. Traditionsgemäß gibt es im Anschluss einen Film- und Diavortrag. In diesem Jahr zeigt Cathrin U. vom Kanuverein Junkers Dessau eine Power-Point-Präsentation der vom italienischen Verband organisierten Tiberfahrt von Citta di Castello nach Rom und Holger vom SCBG hat einen nostalgischen Film einer Saalefahrt im Sommer 1978 aus dem Archiv des Fernsehfunks organisiert. In diesem Film sind noch alle Sportfreunde mit Faltbooteinern bzw. Faltbootzweiern unterwegs. Beachtlich ist der hohe Anteil der Kinder und Jugendlichen bei den rd. 400 Teilnehmern. Zum Schluss zeigt Wolfgang vom SCBG noch einem Film ihrer letzten Vereinsfahrt auf dem Tarn und der Mimente im April 2018.

Bei dieser großen Teilnehmerzahl muss wieder in zwei Schichten gefrühstückt werden. Die Ersten stehen also schon 7.15 Uhr am Frühstücksbuffet. Die Nacht war sehr kalt, alle Fahrzeuge sind rundum eingefroren. Gegen 8.30 Uhr setzen sich dann so langsam die Autos in Richtung Jena in Bewegung. Wir bringen ein Fahrzeug für Frank nach Golmsdorf, denn er will nur bis zur Mittagspause paddeln. Erfahrungsgemäß zieht sich die Abrechnung in der Gaststätte zum Gleistal bis 15.00 Uhr hin und er möchte nicht wieder erst im Dunkeln in Bad Sulza sein.

Zum 32. Male bietet uns der Jenaer Kanuverein von Schott freundliche Aufnahme, dafür gebührt dem Sportfreund Olaf W. ein ganz besonderer Dank. Gegen 10.00 Uhr ruft der Fahrtenleiter Frank zur Eröffnung. Nach einigen organisatorischen Hinweisen eröffnet er die Fahrt mit einem kräftigen dreifachen „Sport frei!“.

 

Eröffnung durch den Fahrtenleiter Frank in Jena

Die Hälfte der Teilnehmer macht sich nun auf den Fußweg bis unterhalb des Paradieswehres, um sich die Umtrageplackerei von zwei Wehren zu ersparen. Aber die andere Hälfte schafft auch das.

 

Start in Jena

Trotz des von Frank bestellten Sonnenscheins ist die Luft noch recht kalt, so heißt es sich warm zu paddeln. Immer hübsch anzusehen ist die überdachte Holzbrücke bei Kunitz, die auch ein schönes Fotomotiv bildet.

 

An der Kunitzer Hausbrücke

Nach der Vorbeifahrt am Dorf Kunitz kündigt sich bereits  das Porstendorfer Wehr durch seinen Rückstau an. Das „Blaue Band“ der Saale führt nun leider nach links durch den Mühlgraben Lache (hier ein Campingplatz sowie ein Wehr), damit wurde keine Ausstiegshilfe auf der rechten Seite eingerichtet. Ich bin jedes Mal heilfroh, wenn ich das hohe Ufer unbeschadet erklommen habe. Aber dafür entschädigt den Paddler die flotte Strömung auf der alten Saale. Selbst im trockenen Sommer 2018 reichte dafür noch die Durchflussmenge. Alsbald ist die im vorigen Jahr neu erbaute Straßenbrücke erreicht. Stützenfrei überspannt sie die Saale. Die zwei Stützen in der Saale, Ursache mancher Kenterung, sind durch den Neubau verschwunden.

Seit 22 Jahren (der 10. Fahrt) kocht uns Herr Zeutschel in seiner Gaststätte „Zum Gleistal“ ein hervorragendes regionales Mittagessen mit echten Thüringer Klößen. Innerhalb kürzester Zeit schafft er es jedes Mal die über 100 Essen aus der Küche zu bringen. Mit einem kräftigen „Sport Frei!“ bedanken sich die Sportfreunde für seinen Einsatz.

 

Die SCBG-Mannschaft beim Mittagessen

Nach dem Mittagessen liegen noch 14 km vor uns. Alsbald grüßen von links die Dornburger Schlösser. Da die Saale hier mehrmals die Talseiten wechselt, bleibt uns dieser Anblick lange erhalten.

 

Die Dornburger Schlösser

In Dorndorf ist das vierte Wehr des Tages zu umtragen. Dazu muss man bis ans Ende des Kraftwerkskanal fahren. Wie schön wäre hier ein Kanu-Fischpass am Wehr, schließlich war dieses Wehr zu Faltbootzeiten noch fahrbar. Es schließt sich das für mich langweiligste und wegen des langen Rückstaus auch anstrengendste Teilstück des Tages an. Aber endlich ist auch das geschafft und die Paddler können heute am Döbritschener Wehr alle problemlos den Kanu-Fischpass auf der rechten Seite nutzen. Ja, so kraftsparend kann man auch ein Wehr überwinden, warum nicht allen Wehren so. Die letzten 3 km bis zum Ausstieg am Camburger Wehr schaffen wir auch noch. Gerade als wir gegen halb Vier anlegen, kommt Frank angefahren; hat sich die Abrechnerei in Golmsdorf doch wieder recht lang hingezogen.

Das war auch unser Pendelauto. Rechtzeitig sind wir wieder in der JH Bad Sulza. Bis zum Abendbrot ist noch ausreichend Zeit für eine heiße Dusche und ein kleines Nickerchen. Ab 19.00 Uhr gibt es Abendbrot, traditionell Thüringer Bratwürste und Rostbrätel frisch vom Grill mit Kartoffel- oder Nudelsalat. Und um 20.00 Uhr wird die Bierverkostung eröffnet sowie das Lagerfeuer angezündet.

 204 Biersorten, einige doppelt und dreifach

Alle süffeln sich jetzt durch die 204 verschiedenen Biere, ohne aber alle zu schaffen, da müsste man sich wohl bloß einen Fingerhut voll eingießen. Die standhaftesten Verkoster räumen auch noch etwas auf, bloß am Lagerfeuer…, Leute. Leute, Leute. Im nächsten Jahr mach ich davon ein Foto. Aufgeräumt hat dort dann der Hausmeister am nächsten Tag. Leider wurden auch ca. 80 Flaschen nicht wieder zurückgenommen. Jetzt weiß die JH nicht, wie sie die Pullen los kriegen soll, denn in Bad Sulza gibt es keinen Supermarkt, der alle Flaschentypen zurück nimmt. Dafür werden aber die Zimmer besenrein verlassen.

Fast alle fahren jetzt nach Bad Kösen. Um 09.19 Uhr bringt uns unser Zug pünktlich in acht Minuten nach Camburg, wir schaffen die Rückfahrt nicht mal in 80 Minuten. Frank macht noch eine kurze Eröffnung und verabschiedet uns mit allen guten Wünschen bis zur 33. Winter-Saale-Fahrt am 28.02. bis 01.03.2020. Unter https://www.scbg.de/index.php/de/kanu/wandern/wintersaale findet ihr zeitnah die neuesten Informationen.

Diese 17 km lange Etappe ist die schönste. Heute ist kein Wehr zu umtragen, dafür fließt die Saale flott dahin und bietet auch einige kleine Schwallstrecken. Kommen dann Rudelsburg und Saaleck in Sicht, fühlt man sich fast wie in Südfrankreich, links und rechts wird das Tal von hohen Kalksteinfelsen gesäumt.

Die Rudelsburg

 

Unter der Rudelsburg

Ab der langen Stützmauer vor Bad Kösen beginnt dann der Rückstau des Kösener Wehres. Aber die Fahrt endet für uns an der Fußgängerbrücke oder am Parkplatz am Kurgarten. Einige fahren anschließend noch zum Mittagessen in die Berggaststätte „Himmelreich“ und genießen die herrliche Aussicht ins Saaletal und zu den Burgen Saaleck und Rudelsburg.

 

Blick vom Himmelreich ins Saaletal

Bleibt uns nur noch, uns beim ausrichtenden Verein Sportclub Berlin-Grünau und seinem Fahrtenleiter Frank recht herzlich zu bedanken.

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