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Die diesjährige Herrentagstour führte uns 25 km südlich von Stettin nach Mescherin an die Oder. Mescherin ist ein netter aufgeräumter Ort mit mehreren Gaststätten, einem kleinem Sportboothafen, keiner Einkaufsmöglichkeit und einem Campingplatz mit einem Restaurant nebenan, wo man gut und preiswert deutsche und polnische Gerichte essen kann.

Bei Mescherin ist die Oder in einen West- und einen Ostarm geteilt, dazwischen liegt ein Poldergebiet, welches schon zu Polen gehört. Auf polnischer Seite befindet sich der Ort Gryfino (Greifenhagen). Der Zugang zum Poldergebiet ist durch etliche alte, nicht mehr in Funktion befindliche, offen stehende Schleusen möglich. Das Poldergebiet wurde nicht kartiert, daher existieren keine genauen Wasserkarten, das Befahren mit Kajaks und Kanus ist geduldet. Für die meisten von uns war es eine „Blaustrichfahrt“, das heißt „Erstbefahrung“. Zwei Sportfreunde hatten schon einmal eine geführte Tour durch das Gebiet mitgemacht. Wir haben unsere Kajaks alle mit einer deutschen Fahne geschmückt, da dieses Pflicht ist, wenn man nach Polen paddelt.

Aussichtsturm

Am Anreisetag Mittwoch waren einige von uns schon mittags vor Ort, und so konnten wir unseren Kurzurlaub in der Gaststätte neben dem Campingplatz mit einem leckeren Essen beginnen. Nachdem im Laufe des Nachmittags die meisten Sportfreunde eingetroffen waren und wir uns häuslich eingerichtet hatten, haben wir noch einen Erkundungsgang durch Mescherin gemacht. An der Brücke nach Gryfino steht ein Aussichtsturm, den wir bestiegen haben, und von dort hatte man eine tolle Aussicht über die Westoder und die Polder.

Sonnenaufgang gegen 5 Uhr

Abends wurde gegrillt, und die letzten Sportfreunde trudelten ein. Es wurde eine kalte Nacht, so dass wir am Donnerstagmorgen einige Zeit brauchten, um wieder warm zu werden. Um 10 Uhr sind wir zu unserer ersten Kanutour aufgebrochen. Es sollte von Mescherin über die Westoder in das Poldergebiet, bzw. durch das Poldergebiet zur Ostoder gepaddelt werden. Bei Gryfino gab es einen kleinen Strand, wo wir Pause gemacht haben. Ein Stück weiter befand sich eine Gaststätte, so dass wir die Auswahl zwischen Picknick und Essen gehen hatten.

Krautsperren im Poldergebiet

Die Fahrt durch die Polder war spannend. Ja, auch verfahren haben wir uns….Es galt drei Krautsperren zu überwinden, die wahrscheinlich im Sommer so zugewachsen sind, das man gar nicht mehr durchkommt. Wir haben alle geschafft, mal mit mehr und mal mit weniger Hilfe von unseren starken Männern. Das Poldergebiet ist Natur pur. Ich habe noch nie so riesige Biberburgen gesehen wie dort, leider jedoch keinen Biber, dafür waren wir wohl zu spät unterwegs. Im Poldergebiet kann und darf man nicht anlegen, also auch dringende Bedürfnisse mussten warten.

Pause bei Gryfino

Am Freitag sind wir von Mescherin wieder in das Poldergebiet hineingepaddelt, jedoch sollte uns unsere Tour diesmal nach Gartz führen. Gartz liegt südlich von Mescherin, dort wollten wir Pause machen, um dann auf der Westoder wieder nach Mescherin zurück zu paddeln. Startzeit war wieder gegen 10 Uhr. Anfangs sind wir den gleichen Weg wie am Vortag gepaddelt, sodass wir im Poldergebiet wieder die drei Krautsperren überwinden mussten. Sie sahen irgendwie ganz anders aus wie am Vortag, und anscheinend haben wir auch einen anderen Weg hindurch gefunden. Das Boot unserer kleinsten und leichtesten Seniorin hatte sich der Fahrtenleiter durch die Krautsperren an sein Boot gehangen, dadurch war es für unsere Sportfreundin etwas leichter, hindurch zu kommen.

Dann öffnete sich das Poldergebiet jedoch wieder in eine seenartige Landschaft, und das Paddeln fiel leichter, der Wind jedoch frischte auf. Jetzt mussten wir nur noch den Ausgang aus dem Poldergebiet finden, um in Gartz an Land zu gehen. Das hat dann auch geklappt, und nach dem Verzehr von unserem mitgebrachten Imbiss haben wir noch in der dortigen Eisdiele ein sehr leckeres Eis gegessen. Hinterher hat Jörg mit uns einen Stadtrundgang gemacht. Erstaunlich, was so ein kleines Städtchen an Geschichte vorzuweisen hat. Zurück ging es recht zügig auf der Westoder nach Mescherin. Unterwegs hat uns noch ein kleiner Regenschauer eingeholt, also Spritzdecke und Regenjacke angezogen. Mit dem Regen hatte auch der Wind aufgehört. In Mescherin guckte dann schon wieder die Sonne hervor.

Altes Stadttor in Gartz

Am Abend wollten wir wieder gemeinsam über dem Gulaschkessel kochen. Also haben wir alle wie verrückt Kartoffeln geschält, das ging bei so vielen Händen ruckzuck. Jörg hatte schon zu Hause einen speziellen Gulasch vorbereitet, den wir zu den Kartoffeln mit Gurken und roter Beete aßen. Das war schon sehr lecker.

Am Samstagmorgen lachte die Sonne vom Himmel, es war jedoch windig, aber für unsere geplante Tour sollte es nur Rückenwind sein. Heute musste auch gependelt werden. Wir sind auf der Westoder bis kurz vor Stettin gepaddelt und haben einige Abstecher in das polnische Poldergebiet gemacht. Das hat gut geklappt, nur einmal mussten wir umkehren, da wir doch in eine Sackgasse, aber  in eine sehr schöne Sackgasse, hinein gepaddelt sind. Ansonsten durch eine Schleuse hinein und durch die nächste Schleuse wieder hinaus. Alle Schleusen wurden vor über 100 Jahren gebaut und dienten zur Regulierung des Poldergebietes. Jetzt stehen alle offen, sodass es bequeme Ein- und Ausfahrten in das Poldergebiet gibt.

 

113 Jahre alte Schleusen als Ein- und Ausfahrten ins Poldergebiet

Riesige Biberburgen im Polderbgebiet

Mittags haben wir in einem kleinen polnischen Ort Mittagspause gemacht. Auf der Suche nach einem Eis sind wir in das Städtchen hinein gelaufen, und haben einen Tante Emma Laden gefunden, wo es Stiel- und Tüteneis gab. Unser Werner hat uns eingeladen, da wir nicht mit Euro bezahlen konnten, sondern nur mit Zloty. Fünf Eis für umgerechnet 2,50 €, ob sich die Dame in dem Laden wohl verrechnet hat?

Nach unserer Mittagspause sind wir nochmals ins Poldergebiet hinein gepaddelt. Da Stettin immer näher kam, war auch schon etwas mehr Betrieb auf dem Wasser. Im Poldergebiet haben wir also andere Paddler sowohl sitzend in Kajaks als auch stehend auf ihren Boards getroffen. An einer großen Auto- und Eisenbahnbrücke haben wir ausgesetzt. Dort hat Jörg bereits auf uns gewartet, der mit drei Booten und vier Autofahrern zurück nach Mescherin gefahren ist. Wir haben es uns gemütlich gemacht, gelesen und gequatscht, bis die Autopendler wieder zurück waren. Dann wurden die Boote verladen, und alle fuhren zurück nach Mescherin.

Das war nun schon wieder unser letzter Abend, und außer der ersten Nacht war es nicht mehr so kalt. So konnten wir bis spät draußen sitzen, und die Tage Revue passieren lassen. Am Sonntag wurde nicht mehr gepaddelt, wir haben gefrühstückt und dann unseren Sachen gepackt. Die Zelte waren schön trocken. Einige sind noch nach Stettin gefahren, wir jedoch Richtung Heimat. Das erwies sich als gut, denn es herrschte schon reger Rückreiseverkehr. Mescherin hat uns sehr gefallen, wir werden bestimmt wiederkommen. Zum Paddeln sollte man das Frühjahr bevorzugen, denn im Sommer werden viele Kanäle zugewachsen sein, aber man kann dort auch Fahrrad fahren oder wandern. Ein schönes Gebiet, wenn man es ruhig haben möchte!

Geschrieben von Christine Born

 

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