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Christine: Eigentlich wollten wir ja in Frankreich sein, und zwar an der Loire. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Wegen dem aktuellen Pandemie Geschehen haben wir es vorgezogen im Lande zu bleiben. So starteten am Donnerstag, den 30.7. um 10 Uhr sieben Sportfreunde zur Märkischen Umfahrt. Wir wollten uns 9 Tage inclusive einem Ruhetag Zeit für diese ca. 190km lange Umfahrt lassen.

Bettina: Da ich erst seit einem Jahr dabei bin, ist es für mich die erste längere Paddel- und damit auch Gepäckfahrt. Die Tage vor der Abreise waren ausgefüllt mit den letzten Besorgungen und dem Versuch das Gepäck zu optimieren. Die Gepäckliste habe ich bestimmt 100xmal überprüft. Zum Glück sagte der Wetterbericht warmes Wetter voraus- so habe ich nur einmal warme Sachen zur Sicherheit eingepackt. In der Nacht vorher war ich sehr aufgeregt und habe mich immer wieder gefragt: Wird alles in mein Boot passen, werde ich vier Tage hintereinander paddeln können? (Für alle Fälle habe ich mir auch extra Handschuhe besorgt.)

Christine: Am ersten Tag lachte die Sonne schon vom Himmel und wir starteten gegen 10 Uhr vom SCBG Richtung Bindow. Es ging über die Dahme, den Zeuthener See über Wildau und Niederlehme nach Königs Wusterhausen, wo wir unsere erste Schleuse „Neue Mühle“ durchfahren haben. Direkt am Anfang des Krüpelsees machten wir auf der linken Seite Pause in einem schönen Eiscafe und Strandbad, wo man auch Kleinigkeiten zu essen bekam.

Bettina: Nachdem die erste Anspannung verflogen ist und alles in das Boot gepasst hat, war es eine sehr schöne Tour und gerade als begann anstrengend zu werden, haben wir auch schon Pause gemacht. Das hat sich übrigens so durch alle vier Tage gezogen.

Christine: Weiter ging es über den Krüpelsee und der Dahme nach Bindow, wo wir im dortigen Bootshaus unser erstes Quartier nach 23,8km bezogen haben. Es gab dort eine schöne Zeltwiese, Toilette, Dusche und ein kühles Bier. Nach Aufbau der Zelte haben wir gegrillt und den Abend mit einem Glas Wein ausklingen lassen.

Bettina: Und wieder eine Premiere: Das erste Mal seit langer Zeit im Zelt schlafen, die Zeltwiese mit der Sicherheitsbeleuchtung gab mir ein gutes Gefühl und als am nächsten Morgen auch noch der Gaskocher perfekt funktionierte, begann mein Urlaubsgefühl.

Christine: Am zweiten Tag unserer Fahrt wollten wir bis zum Biwakplatz Märkisch Buchholz paddeln. Gegen 10 Uhr nach einem guten Frühstück und einem erfrischenden Bad in der Dahme sind wir gestartet. Zelte abgebaut, alles wieder in den Booten verstaut und los gings. Weiter die Dahme entlang über den Dolgensee bis nach Prieros, wo wir die Boote mit einer Bootsschleppe umtragen haben, da der Schleusenwärter zu faul war uns zu schleusen. Es ging die Dahme weiter bis zur Schleuse „Hermsdorfer Mühle“. Dort ein ganz anderer Schleusenwärter, dieser war mit Freude dabei und schleuste alles was ankam, wahrscheinlich auch Enten…. Nach der Schleuse haben wir Pause gemacht, und unseren mitgenommenen Imbiss verzehrt.

Nach 23,2 km sind wir auf dem Biwakplatz Märkisch Buchholz angekommen, sehr schön mit Sanitärgebäude incl. Duschen. Im „Tante Emma“ Einkaufsladen von Märkisch Buchholz haben wir einige Einkäufe getätigt, und sind dann abends in den einzigen Biergarten gegangen, den es im Ort gibt. Dort kann man nur Pizza oder Burger in allen Variationen essen, wir blieben alle bei der Steinofenpizza, die wirklich sehr lecker geschmeckt hat.

Bettina: Morgens in der Natur aufwachen, den Dunst über dem Wasser und Wiesen sehen, Störche beim „Spaziergang“ beobachten, dabei den Morgenkaffee trinken, das ist richtig schön. Und danach im Boot die besondere Morgenstimmung genießen, besser konnte es einem gar nicht gehen.

Christine: Am dritten Tag unserer Umfahrt brauchten wir Kraft und Durchhaltevermögen, denn es ging über zwei Wehre mit Bootsschleppen, 4 Schleusen und insgesamt 28,6 km bis zum Biwakplatz Kossenblatt bei strahlendem Sonnenschein. Am nächsten Morgen paddelten wir wieder gegen 10 Uhr los, was sich als gute Startzeit erwiesen hat. Manchmal waren wir etwas früher fertig.

Gleich 500m nach dem Biwakplatz kam das Wehr Märkisch Buchholz, also alle wieder raus aus den Booten und mit einem Bootswagen, wo wir jeweils zwei Boote herauf bekommen haben, mußte ein Höhenunterschied von ca.6 Metern überwunden werden. Das war schonmal eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch kaum waren wir auf der anderen Seite wieder in den Booten, kam 700m weiter das nächste Wehr mit einer Bootsschleppe, es brauchte allerdings nur ein kleiner Höhenunterschied überwunden zu werden.

Aber jetzt konnten wir paddeln, weiter über den Dahme-Umflutkanal, ein kurzes Stück über den Köthener See zu den Schleusen nach Leibsch. Dort geht es über zwei Schleusen in die Spree. Weiter auf der Spree nach Neuendorf, wo wir Pause gemacht haben. Danach über den Neuendorfer See, wir hatten keinen Gegenwind, nach Alt-Schadow. In Alt-Schadow sind wir in die nächste Schleuse eingefahren, vorher haben wir jedoch ein erfrischendes Bad in der Spree genommen. Die Schleuse ist eine Natur-Kessel-Schleuse, dort bekommt man sicherlich keine Beklemmungen. Es ist eine sehr schöne angenehme Schleuse.

Kurz vor dem Biwakplatz Kossenblatt war dann die letzte Schleuse, eine Selbstbedienungs- Automatik-Schleuse, die aber wirklich recht schnell ging. Der Biwakplatz war ordentlich, leider nur ein Dixie-Klo, was aber wirklich gereinigt wurde (wir waren dabei) und dank Unmengen von Desinfektionsmittel nicht so unangenehm war. Leider hatten wir nicht bedacht, das es dort eventuell keinen Wasserhahn geben könnte….so sind unsere Männer bettelnd durchs Dorf gewackelt und haben nach Wasser gefragt, mit Erfolg !

Bettina: So allmählich bekam ich Routine beim morgendlichen Boot packen- natürlich vorher noch ein Bad nehmen- herrlich, so könnte es immer weitergehen!

Christine: Am vierten Tag ging es über 22,6 km nach Beeskow, ohne Schleusen und Wehre, weiter über die Spree, den Glower See und am Ende des Leißnitzsees haben wir an einem Imbiss eine Pause gemacht. Im Beeskower Kanuverein hatten wir uns angemeldet, da wir dort zwei Tage bleiben wollten. An diesem Sonntag hatte auch Wolfgang Geburtstag. Wir waren recht frühzeitig im Bootshaus in Beeskow, es hatte unterwegs geregnet, und als wir ankamen, kam noch ein Regenguss herunter, so dass wir vor dem Zelte aufbauen erstmal Kaffee getrunken haben. Wir wurden von den Beeskower Sportfreunden herzlich empfangen und der Kanuverein ist wirklich sehr gut ausgestattet, wir durften die Küche samt Inhalt benutzen, und Toiletten und Duschen waren sehr sauber und kostenfrei. 

Am späteren Nachmittag kam überraschenderweise für Wolfgang zu Besuch seine Tochter, Enkeltochter samt Mann und zu erwartenden Urenkelkind. Es gab Kaffee und selbstgebackenen Apfelkuchen, Apfelmus und Vanillesoße. Selbstverständlich auch den Sekt zum Anstoßen.

Bettina: Für mich war es leider der letzte Paddeltag, der wie alle Paddeltage einfach nur schön und voller Natureindrücke war. Das hat mit Sicherheit am guten Wetter gelegen aber auch an der guten Planung der Tour, die kräftemäßig gut zu bewältigen war. Ich brauchte noch nicht einmal meine Handschuhe. Ich bin froh, dass ich mitgefahren bin und freue mich auf weitere Gepäckfahrten.

 Christine: Am Montag, unserem fünften Tag, hatten wir einen Ruhetag eingeplant. Jörg hat mit uns eine kleine Stadtführung durch Beeskow gemacht. Er hat zufälligerweise einen ehemaligen Kollegen getroffen, der uns angeboten hat, eine private Führung durch die Kirche mit zu machen, die eigentlich montags geschlossen ist. Die Führung beinhaltete auch einen Rundgang durch den Dachstuhl und auf den Kirchturm. Holger als Zimmermann war sehr beeindruckt.

Gegen Mittag wurde Bettina von ihrem Mann abgeholt, da sie am darauffolgenden Tag wieder arbeiten mußte. Am Nachmittag kam eine weitere Sportfreundin, Anke, uns besuchen. Sie brachte zweierlei selbst gebackenen Kuchen mit. Wir wurden mit Köstlichkeiten ausreichend versorgt.

Am Dienstag, und somit unserem sechsten Tag, hatten wir mit Anne unser nächstes Geburtstagkind, und unsere Fahrt ging weiter. Knapp einen Kilometer nach dem Kanuverein Beeskow haben wir die Stadtschleuse Beeskow passiert, eine automatische Selbstbedienungsschleuse, die auch wieder erfreulicherweise sehr schnell ging. Weiter ging es auf der Spree bis zum Abzweig Drahendorfer Spree am Wergensee. Dort mußten wir eine Selbstbedienungsschleuse passieren. In der Drahendorfer Spree ist nahezu kein Motorbootverkehr, es ist eine sehr schöne Strecke.

In Neubrück haben wir an einem idyllischem Eiscafe Pause gemacht, es gab dort auch Kleinigkeiten zu essen. Die Bedienung war jedoch an diesem Tage etwas verpeilt, es dauerte ewig, bis die Bestellung aufgenommen wurde….aber dann kam alles auf einmal, Kesselgulasch mit dem Eis zusammen. Holger hat dann das Eis vor dem Kesselgulasch gegessen, weil dieser zu heiß war. Aber wir hatten nur noch 8km bis zu unserem Rastplatz zu paddeln.

Eben diesen Rast- und Campingplatz haben wir nach insgesamt 25,3 Tageskilometern erreicht. Am Abend vorher hatten wir angerufen und uns angemeldet. Es erwartete uns eine sehr große Zeltwiese mit einem älteren Zeltplatzwart und einem Bauwagen, wo tatsächlich eine richtige Toilette und ein Waschbecken war.

Zu Ehren von Annes Geburtstag kam eine weitere Sportfreundin, Ute, abends zu Besuch, mit Sekt und einigen anderen Köstlichkeiten im Gepäck. Es ist auch von Vorteil, im Umkreis von Berlin Urlaub zu machen.

Am nächsten Morgen, und unserem siebentem Tag, ging es wie gewohnt weiter, frühstücken, Zelt einpacken, Boote beladen und los gings. Erst einmal nur 500m, dann mußten wir mit einer Bootsschleppe das Drahendorfer Wehr, noch ein Nadelwehr, passieren. Unmittelbar danach mündet die Drahendorfer Spree in den Oder-Spree-Kanal, den wir dann erstmal bis zur Fürstenwalder Schleuse gepaddelt sind. Dort haben wir mit einer Bootsschleppe wieder umtragen, gleichzeitig Pause gemacht und einige Einkäufe erledigt.

Von Fürstenwalde hatten wir nur noch 6km bis zur Großen Tränke, wo wir gezeltet hatten. Es waren diesmal nur 21,3 km Tageskilometer. Dort darf man für eine Nacht zelten. Es steht auch ein Dixie-Klo zur Verfügung, was allerdings nicht besonders sauber war. Ein Stück weiter am Oder-Spree-Kanal gibt es eigentlich einen offiziellen Wanderrastplatz, jedoch ohne Toilette und zum Aussteigen aus dem Kajak ist es auch nicht perfekt. Es gesellten sich an diesem Abend noch einige andere Wasser- und Radwanderer zu uns.

Unser vorletzter und achter Tag sollte uns von der Großen Tränke über 28km bis zum Campingplatz Jägerbude bringen. Es war ein herrlicher Tag, so das wir die erste Pause beim Kanusport Hangelsberg gemacht, ein kühles Radler getrunken und einen netten Plausch gehalten haben. Die nächste Bade- und Mittagspause war an „unserem Badestrand“ an der „einen Linkskurve“ auf der Müggelspree.

Am späten Nachmittag waren wir dann am Campingplatz angekommen. Durch die nahe Autobahn war es eine erstaunliche Geräuschkulisse. Vor dem Zelt aufbauen waren wir ein leckeres aber hochpreisiges Eis essen. Abends sind wir dann warm Essen gegangen, das Restaurant war jedoch wie immer völlig überfordert bei einer Handvoll Gästen, und es hat wieder einmal sehr lange gedauert, bis wir unser Essen hatten. Seit Jahren hat sich an dem Service leider nichts verbessert. Die Zeltwiese war in Ordnung, auch die Sanitärgebäude waren blitzeblank, jedoch so weit weg, das man seinen Toilettengang  gut planen mußte. Um dort im Zelt zu übernachten, sollte man Ohropax dabei haben. Wir haben beschlossen, ein nächstes Mal auf dieser Umfahrt nicht mehr dort zu campieren.

Am Freitag, unser letzter und neunter Tag, sind wir dann noch die 20km bis zu unserem Bootshaus gepaddelt. Weiter die Müggelspree, offiziell diesmal durch den Gosener Graben, auf den Seddinssee, wo wir am Seddinwall noch eine Badepause eingeschoben haben. Um 12.30 Uhr sind wir wieder im Bootshaus angekommen, und so ging eine tolle Märkische Umfahrt über 9 Tage und 193km bei schönem Wetter zu Ende.

Christine B. und Bettina S.

 

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