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Beständig kugelt so ein verflixtes Virus durch unser Sportprogramm und verhindert unsere schönsten Wochenendfahrten. Das macht einen aktiven Paddler ganz schön wuschig. Und damit ist unser Wanderwart ständig am Sinnieren, wie man wenigstens mit einigen Tagesfahrten die erlahmenden Paddelknochen aktivieren kann. Winterspree – zu gefährlich, zu viele Fremde, könnte man sich anstecken. Weihnachtsmarkt – ebenso. Also lud er zu einer Glühweinfahrt am 11. Dezember ein. Der Ansturm unserer Paddler zu dieser Fahrt war allerdings nicht überwältigend. Trotzdem trafen sich zu nachtschlafender Zeit noch fünf Sportfreunde im Bootshaus zur Bootsverladung, alle 2G (d.h. zweimal gegen diese Stachelkugel geimpft, für diejenigen, die den Text erst in 10 Jahren lesen).

Hatte der Wetterbericht noch am Donnerstag einige Sonnenstunden für den Sonnabend prophezeit, hatte das Petrus am heutigen Tag leider vergessen und produzierte einen fiesen Nebel. Kurz nach acht Uhr fuhren zwei Busse mit drei Einern und einem Zweierkajak in Richtung Autobahn und weiter in Richtung Süden.

Die vorangegangenen Tage hatte es etwas geschneit und je weiter wir nach Süden kamen, umso weißer wurde es, aber auch kälter. Waren es am Bootshaus gerade mal -2 Grad, erwarteten uns am Ziel, dem Hafen in Leipe frostige -6,5 Grad. Das hatte natürlich den Effekt, dass unsere Einsatzstelle, der Hafen in Leipe, bereits zugefroren war. Aber am Hafenausgang befand sich noch offenes Wasser und man konnte ganz gut einsetzen.

Start am zugefrorenen Hafen Leipe

Da ich zu den beiden Autofahrern gehörte, animierte ich meine Mitpaddler zu einem ersten Glühweinschluck. Was soll ich sagen, Holger hätte besser zu einer Kräuterteefahrt einladen sollen. Mir hat mein Glühwein trotzdem geschmeckt.

Passend zum 3. Advent stiegen drei Weihnachtsmannmützen und zwei Pudelmützen in die Boote. Trotzdem blieb das Schmücken der Boote ein frommer Wunsch des Fahrtenleiters.

Warm eingemummelt paddelten wir los. Für die Kopfschüttler, was hatte ich an? Meine kompletten atmungsaktiven Skiklamotten, die ich auch zum Langlauf anziehe, dazu ein paar gefütterte Winterschuhe und Paddelpfötchen. Und dann sollte man natürlich paddeln, denn Bewegung macht schließlich warm, wenn es auch bei -6 Grad nicht gerade zu Schweißausbrüchen reicht.

Gleich nach dem Hafen leitet uns unser Fließ durch das Dorf Leipe, vorbei am Spreewaldhotel und dem Gasthof Froschkönig, aber beide wegen Winterruhe geschlossen. Auch die anderen Wohnhäuser scheinen in tiefen Winterschlaf gefallen zu sein. Wir sehen nicht einen  einzigen Menschen. Vom zugefrorenen Hafen leicht verunsichert, fahren wir auf der Hauptspree in Richtung Lehde. Nach einem Kilometer haben wir die erste Schleuse erreicht. Obwohl wir heute einen sehr guten Wasserstand haben und die Stauhöhe höchsten 10 cm beträgt, benutzen wir lieber die Schleuse und verzichten auf die Wehrbefahrung.

Vor der Leiper Schleuse – der fehlende Mann im leeren Boot schleust uns

Nach der Schleuse paddeln wir 3,5 km die Hauptspree in Richtung Lübbenau. Auch die zahlreichen Enten wissen, dass die strömende Hauptspree als letztes zufriert. Die meisten Enten haben hier nur ihr Winterquartier bezogen und fliegen beständig vor uns her. Natürlich wissen wir, dass das wegen des hohen Energiebedarfs für die Enten nicht gut ist, aber sie könnten ja bei dem ziemlich breiten Fluss auch nach rechts  oder links an die Seite schwimmen. Das machen nur die einheimischen Enten, die aus den Sommermonaten den Betrieb auf dem Wasser kennen und nicht dieses Fluchtverhalten mehr haben.

Wie auf den Fotos zu sehen ist, liegt etwa 2 bis 3 cm Schnee auf den Wiesen, Büschen und Bäumen. Eine Wintersonne könnte uns jetzt ungehindert erreichen, aber sie verbirgt sich weiterhin und das den ganzen Tag hinter einer dichten Wolkendecke.

Auf der Hauptspree

Bald ist ein Abzweig zum Dorf Lehde erreicht – der Hechtgraben. Wir paddeln auf dem Lehder Graben durch Lehde. Was ist hier im Sommer für ein Gedränge, viele Spreewaldkähne mit Touristen sowie unzählige Leihboote bestaunen die hübschen Spreewälder Holzhäuser, die nur auf dem Wasserweg erreichbar sind. Aber heute herrscht auch hier eine tiefe Winterruhe. Das Lehder Freilandmuseum und der gegenüber liegenden „Fröhliche Hecht“ haben geschlossen, wie auch alle anderen Gaststätten an der Quodda und am Lehder Fließ.

Anlegen an der Wotschofska 

Aber unser Wanderwart hat im Internet recherchiert und fand heraus, dass die Gaststätte Wotschofska geöffnet hat.

Gasthaus Wotschofska im Winter

Der große Saal hat geschlossen, aber im wohl temperierten Restaurant finden wir gegen 12 Uhr einen freien Tisch. Erstaunlicherweise haben doch einige Wanderer den weiten Fußweg nicht gescheut, das Restaurant und auch die Außenplätze (!) sind gut besucht.

Bei Glühwein und Feuerzangenbowle

Nachdem wir gut gegessen und uns auch etwas aufgewärmt haben, machen wir uns auf den Rückweg. Über den schnurgeraden Wehrkanal und das wieder kurvenreiche Dittmarfließ erreichen wir das Nordfließ.

Winterliche Impressionen – aber nur vom Wasser aus zu sehen

Wir sind jetzt im Hochwald. Ab hier geht es bergauf. Aber im Spreewald ist die Strömung der Fließe nur sehr gering, alle Fließe lassen sich auch bergwärts mühelos befahren. Zumindest reicht die Strömung heute noch aus, dass die Fließe nicht zufroren (dachten wir bis hierher noch). Da wir eine Schleuse talwärts geschleust sind, müssen wir selbstverständlich auch eine Schleuse bergwärts nutzen und das ist die Schleuse Kannomühle im Nordfließ.

Unser Fahrtenleiter hat einige Mühe, die Schleusentore zu öffnen. Das stehende Wasser in der Schleuse wurde zu einem 2 cm dicken Eispanzer. Aber schließlich schaffen wir es doch und brauchen nicht umzutragen.

Einfahrt in die zugefrorene Schleuse Kannomühle

Alsbald ist der Durchstich zum Leiper Graben erreicht. Der Leiper Graben ist eine der wenigen Querverbindungen im Spreewald und hat so gut wie keine Strömung. Plötzlich tauchen vor uns viele uns unbekannte Paddler auf, die sich ebenfalls zu einer winterlichen Spreewaldfahrt verabredet haben. Alle haben ihre Boote mit Tannengrün, Weihnachtsbäumchen und Lichterketten weihnachtlich geschmückt, es geht also auch mit Plastebooten. Sogar ein Weihnachtsengel paddelt in der nikolausbemützten Gruppe mit. Wir haben sie eingeholt, weil sich die Gruppe gerade durchs Eis kämpft. Das Fließ ist total bis zu 2 cm zugefroren.

Eisbrecher voraus

Die Eisstrecke ist etwa einen Kilometer lang. Alsbald haben wir es an die Spitze der Gruppe geschafft und sind auf den letzten 500 Metern die Eisbrecher. Im Stillen hoffe ich, dass das Eis nicht noch dicker wird und wir die gesamte Strecke bis hierher wieder zurück paddeln müssen. An der Mündung des Rohrkanals haben wir endlich wieder freies Wasser erreicht. Eigentlich könnten wir hier ins Jurkefließ abbiegen. Da aber bereits eine Eisdecke zu sehen ist, bleiben wir auf dem Leiper Graben bis zur Leiper Schleuse und paddeln von der Schleuse den morgendlichen Weg flussauf zum Leiper Hafen. Nach 18 km erreichen wir gegen 15.30 Uhr unser Ziel.

Auf der nachfolgen Skizze ist unsere gepaddelte Strecke zu sehen.

18 km Rundtour zur Glühweinfahrt

Ich hoffe, mit meinem kleinen Bericht habe ich neugierig gemacht und bei der nächsten Winterfahrt kommen noch ein paar mehr Sportfreunde mit. Schaut mal ins Sportprogramm!

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