Osterfahrt 2026 im Oberspreewald

Ostern lag in diesem Jahr wieder sehr zeitig. Da ist es oft noch sehr kalt und vor allem windig. Eine Fahrt über unsere Seen wird dann sehr ungemütlich. Wir fahren dann lieber in den Spreewald, auf den schmalen Fließen mit links und rechts Bäumen und Büschen wird der Wind etwas abgebremst und es entstehen auch keine hohen Wellen.

Die Fahrtenleiter Silke und Sven hatten die Jugendherberge zeitig genug gebucht und wir bekamen wieder die schönen Vierbettzimmer über dem Speisesaal. 

Am zeitigen Karfreitag trafen wir uns im Bootshaus, beluden die Fahrzeuge und fuhren über die Autobahnbahn und verschlungene Seitenwege zum Waldschlößchen in Burg Kauper. Hier gibt es einen meist freien Parkplatz in unmittelbarer Nähe der Waldschlößchenschleuse.

Die Fahrtenleiter

Start oberhalb an der Waldschlößchenschleuse

Gegen 11.30 Uhr waren dann alle auf dem Wasser. Wir paddelten als erstes zum Kanu-Fisch-Pass an der Kongoaschleuse in der Stillen Spree. Das ist schon fast eine Pflichtfahrt im Oberspreewald. Die Stauhöhe ist hier nur ganz gering, also ist auch die Rutsche nur sehr kurz. Auch unsere zwei Neulinge haben die „rasante“ Abfahrt problemlos geschafft.

Sven und Anne im Kanu-Fisch-Pass

Über den Rohrkanal und den Buschgraben gelangen wir zur Neuen Spree, die uns direkt nach Leipe führt.

Silke, Anne, Sven und Oda auf der Neuen Spree

Die Büsche links und rechts zeigen bereits ihr erstes zartes Frühlingsgrün. Nach 5 km haben wir das Dorf Leipe erreicht. Bald sind wir im schmalen Jurksfließ, wo wir langsam an den österlich geschmückten Spreewaldhäuschen vorbeipaddeln. 

Unmittelbar vor der Leiper Schleuse befindet sich auf der rechten Seite der Spreewaldhof mit dem Imbiss Fischerstübchen direkt an der Ecke Hauptspree/Leiper Graben. Genau an dieser Ecke finden wir einen gemütlichen rustikalen Tisch für alle.

Gleich neben dem Tisch steht eine Holzplastik des Teufels mit einem Ochsengespann. Sie verweist auf die Sage, dass der Spreewald ein missglücktes Werk des Teufels ist.

Als der Teufel vor langer Zeit mit seinem Ochsengespann das Bett der Spree pflügte war er schon ein gutes Stück vorangekommen, doch die zwei Zugtiere zeigten sich müde und wollten nicht mehr so recht. Das passte dem Leibhaftigen nicht. Wutentbrannt warf er seine Mütze nach den Rindviechern und schrie sie an: „Das euch verdammtes faules Vieh doch meine Großmutter hole!“.

Diese Aussicht muss die Tiere doch sehr erschreckt haben. Jedenfalls ergriffen sie die Flucht und rannten mit donnernden Schritten und dem Pflug hinterdrein, kreuz und quer davon.

Die Ochsen waren so schnell, dass der Teufel keine Chance hatte hinterher zu kommen und so rissen sie mit dem Pflug dicke, lange Furchen in das Land. Es dauerte nicht lange, bis sich eine Menge Wasser in ihnen ansammelte und bald schon verwandelten sich die Furchen in ein Netz aus Fließen und ließen so den wunderschönen Spreewald entstehen. Noch heute spricht man von einem Teufelswerk, wenn vom Spreewald die Rede ist.

Nach (leider) lauwarmer Fischsuppe und Hefeplinsen starten wir wieder. Über den Leiper Graben und Rohrkanal geht’s es flussauf bis zum Unterwasser der Waldschlößchenschleuse.

Flussauf im schnurgeraden Rohrkanal

Zur Belohnung für diese erste 10 km lange Tour gibt es bei „Steffi“ noch einen Pott Kaffee mit einer Hefeplinse. 

Steffis Hafenstübchen

Kleine Runde ab Schleuse Waldschlößchen

Der Ostersonnabend  beginnt kühl, grau und trübe, aber noch regnet es nicht. Von einem Sportfreund des Cottbuser Kanuvereins hatten wir einen Tipp zur nord-östlichen Ecke des Spreewaldes bekommen.

Wir wollten heute das Große Fließ ab Schmogrow paddeln. Wir hatten gerade unsere Boote abgeladen, da kam ein Anwohner aus dem benachbarten Haus und gab uns den Rat, erst an der aufwendigen Umtrage am Nordumfluter einzusetzen. Also wieder aufgeladen und einen mit Betonplatten belegten südlichen Weg parallel zum Nordumfluter zur Umtragestelle gefahren.

Die Umtragestelle ist wirklich aufwendig. Die im aktuellen Jübermann-Atlas Blatt 35, Bildchen Nr. 4 eingemalten Umtragewege würden wir nicht folgen. Der einzig akzeptable Weg ist in der nachfolgen Skizze dargestellt. Aussatzstelle ist vor dem Absperrseil vor dem Wehr.

 Erforderliche Umtragestrecke, wenn man das Große Fließ von Peitz kommt

Den Nordumfluter überquert man über das Wehr. Zugegeben, der Weg ist ganz schön lang.

Weg über den Nordumfluter

Der Weg über das Wehr lässt sich, wenn man die Boote auf die Schulter nimmt, gut überwinden. Dann kommt man auch relativ gut um die Ecken. Aber wir standen ja bereits an der Einstiegstelle in das Große Fließ.

Das Große Flies wird durch einen Düker unter dem Nordumfluter hindurchgeführt. Was man auf dem Foto noch plätschern sieht, ist ein kleiner, aber unbefahrbarer Zufluss aus dem Nordumfluter. Allerdings entsteht dadurch an der Treppe eine etwas größere Strömung, die beim Einstieg der Sportfreunde in ihre Boote etwas Hilfe erfordert (Nur den Letzten „beißen die Hunde“, aber auch Lutz schafft es).

Einstieg unterhalb des Nordumfluters in das Große Fließ

Bereits nach 200 m biegen wir nach rechts in das Kleine Fließ ab. Nach ungefähr einem Kilometer erreichen wir das Wehr Roggatz, es muss rechts umtragen werden. Wir nutzen die Umtragerei zu einer kleinen Picknickpause.

 Im Kleinen Fließ

Kleine Pause am Wehr Roggatz 

Nach dem Wehr soll nach etwa 200 Metern linksseitig die Einfahrt zum MIllisfließ sein. Die vermeintliche Einfahrt ist eng und verschlammt, also fahren wir halt weiter. Und plötzlich ist auf der linken Seite doch eine größere Einfahrt zu sehen, das muss doch das gewünschte Millisfließ sein. Dummerweise war Oda ungeduldig schon etwas vorgefahren und wurde dann von Silke zurück gepfiffen.

Auf den ersten Metern gibt es für die Zweier einige kleinere Grundberührungen, die aber schnell überwunden sind. Am Ende des Sommers ist das Fließ von links und rechts fast zugewachsen, aber jetzt haben wir ausreichend Platz zum paddeln.

Millisfließ, ist vor uns der Anbau am Haus ein Backofen?

Nach fast 2 km erreichen wir das Große Fließ und bald sind wir an der Schleuse Straupitzer Buschmühle. Zu unserer Überraschung landen gerade Sven und Anne am Steg zur Schleusenbedienung an. Aus Sorge, dass im Millisfließ noch mehr flache Stelle wären, haben sie vorsorglich auf die Befahrung verzichtet und sind gerade über das Kleine Fließ an der Schleuse angekommen. Zum Glück führen im Spreewald immer viele Wege zum Ziel. Nur eine Querverbindung gibt es hier nicht. Die erste Querverbindung im Oberspreewald ist der Ostgraben.

Sven an der Kurbel an der Schleuse Straupitzer Buschmühle

Über das Große Fließ und den Weidengraben gelangen wir nach 2,5 km nach Burg-Kauper und zum Hafen Waldschlößchen. Im Hafen ist viel Platz, um die Boote abzulegen. Im Hafen- imbiss genießen wir die wärmenden Sonnenstrahlen, eine leckere Spreewälder Kartoffelsuppe oder einen Kaffee mit Plinsen.

Im Hafenimbiss am Waldschlößchen inzwischen bei herrlichem Sonnenschein

Da alle noch fit sind, ging bis jetzt auch nur mit leichter Strömung „abwärts“, machen wir noch einen kleinen Umweg über den Kanu-Fisch-Pass, die Große Wildbahn und das Krumme Fließ zur Hauptspree.

Claudia vor blühender Forsythie

Unser Schlussboot Lutz im Kanu-Fisch-Pass an der Kongoaschleuse

Wir hatten zwei Schleusen abwärts, also müssen wir zwei Schleuse aufwärts passieren, die befinden sich im Krummen Fließ und in der Hauptspree. Hier haben wir bis zu unserem Ziel im Hafen der Jugendherberge auch eine leichte Gegenströmung. Glücklich, weil sie die 16,8 km lange Strecke geschafft haben, landen auch unsere beiden Anfänger an.

Die heutige Strecke vom Gr0ßen Fließ unterhalb Schmogrow

Am Ostersonntag weckt uns wieder eine Sonne vom strahlend blauen Himmel. Nach dem erfolgreichen Ostereiersuchen (vielen Dank an die Osterhasen) gehen vier Sportfreunde noch zur Kirche, um sich den Spreewälder Kirchchor nebst das kleine Blasorchester anzuschauen. Es ist fast die einzige Gelegenheit einmal Spreewälder Trachten zu sehen, allerdings aus religiösen Gründen an Ostern ganz in Schwarz bzw. Dunkelblau.

Ostersingen an der Kirche in Burg

Gegen 10.00 Uhr setzen wir im Kleinen Hafen der Jugendherberge ein und über die Hauptspree paddeln wir erst mal flussab. 

Silke verlässt den Jugendherbergshafen

Aber heute nehmen wir den ersten möglichen Abzweig nach links, das Scheidungsfließ. An diesem Fließ befindet sich das fünf-Sterne-Hotel „Zur Bleiche“ mit seinen astronomischen Preisen von 500 bis 1000 € für ein Doppelzimmer für eine Nacht. 

Fast wären wir in den nächsten Abzweig nach links hineingefahren, es ist der Krabatgraben. Das ist ein relativ neu für Kähne ausgebautes Fließ, welches direkt zum Burger Kahnfährhafen führt. Aber am nächsten linken Abzweig nehmen wir das kleine Scheidungsfließ, welches wir noch nie gepaddelt sind. Es mündet in das Kleine Leineweberfließ. Gleich am Beginn ist die Hutungsschleuse. Das Kleine Leineweberfließ verläuft ebenso schnurgerade wie das parallel verlaufende Scheidungsfließ zum Ostgraben. Unser Versuch über die Stradower Kahnfahrt zur Werbanschleuse zu gelangen, wird leider durch eine Baustelle vereitelt. Nur die langen Zweier haben in dem sehr schmalen Fließ einige Probleme zu wenden. Aber der Umweg ist nur ganz gering, über die Gablerschleuse gelangen wir bereits in den Südumfluter.

Lutz an der Kurbel zur Toröffnung an der Gablerschleuse

Nach wenigen Metern paddeln wir an dem Zeltplatz Wilde Wiese“ vorbei, der aber noch bis Ende April geschlossen ist. Über den Südumfluter und die Untere Radduscher Kahnfahrt erreichen wir die Hauptspree, wo wir nach der nächsten Kurve bereits unser heutiges Ziel, das Gasthaus Dubkow-Mühle, erblicken.

Gasthaus Dubkow-Mühle mit dem Ochsenfrosch

Was hat das Gasthaus mit dem großen Ochsenfrosch zu schaffen? Hier handelt es sich nicht um eine der Spreewaldsagen, sondern um einen Werbegeck des Besitzers von 1920. Er erzählte seinen Gästen:

 „In meiner Gaststätte lebt im Keller ein riesiger Ochsenfrosch - sechs Zentner schwer und von mir an eine Holzkette gelegt. Wenn späte Gäste den Heimweg schwer finden, lass ich ihn frei. Der Frosch hüpfte dann in großen Sprüngen voraus und weist mit seiner mächtigen Stimme dem Angeheiterten den Weg. Erlaubt sich aber jemand das kluge Tier zu necken, wird er in den Modder geführt. Aber gegenwärtig steht mir der Frosch nicht zur Verfügung. Altershalber hat sich das Tier in letzter Zeit bei großen Sprüngen oft überschlagen. Daher habe ich ihn vorübergehend zum Auswuchten nach Texas gegeben.“

Der polnische Künstler Engelbert Weimann griff diese Legende auf und schuf 2010 den Ochsenfrosch nach seiner Vorstellung: Der Körper ein Frosch, der Kopf ein Ochse, die Kette aus Holz und aus einem Stück gefertigt - und sechs Zentner schwer!

Nach gehöriger Pause machen wir uns auf den Rückweg. Wir paddeln die Hauptspree aufwärts. Nach 3,5 km sind wir an der Jedroschleuse. Hier werden wir an Ostern erstmalig von zwei kleinen Jungen geschleust. Wir bedanken uns artig mit einem kleinen Obolus. Wenige Meter weiter biegen wir nach rechts in den Ostgraben ab, um das Scheidungsfließ aufwärts zu paddeln. Auch an der Scheidungsschleuse haben wir heute Glück, das Schleusen übernehmen zwei kleine Mädchen, die auch einen hübschen Spruch aufsagen. Die ältere von beiden müht sich ordentlich an den schweren Hubtoren ab, aber sie schafft es. Nun haben wir nur noch etwa 2 km bis zu unserem Ziel und haben heute insgeamt 16 km gepaddelt. 

Unsere Ostersonntagstour

Der Spreewald ist eine in Mitteleuropa einmalige Landschaft mit einem 1575 Kilometer langen Netz von natürlichen und künstlichen Wasserläufen der Spree. Von den v.g. 1575 km sind allerdings viele Fließe aus Naturschutzgründen gesperrt bzw. sind durch eingebaute Wehr nur mit Umtragen zu befahren. Wir haben davon (nur) rd.43 km gepaddelt. Dabei haben wir nur ganz wenige Strecken zweimal befahren. Es gibt also noch viel zu entdecken. Selbst mir gelingt es bei jeder Spreewaldfahrt immer ein mir noch unbekanntes Fließ zu entdecken. In diesem Jahr waren es das Kleine Scheidungsfließ, das kleine Leineweberfließ und die Neue Spree vom Buschgaben bis Leipe.

(Die Detailkarten sind aus der Landkarte "Wasserwandern im Oberspreewald" des Eisenbahnersportvereins Lok RAW Cottbus e.V., Abtlg. Kanu, die Genehmigung des Kanuvereins liegt vor)